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Gumpold von Mantua: Vita des Heiligen Wenzel

Pergament. 109 Bl.  22,5 x 18 cm. Vor 1006 
Codex Guelferbytanus 11.2 Augusteus 4°, 18v
 



Der Bischof von Mantua Gumpold ( 985) verfaßte im Auftrag Kaiser Ottos II. die Lebensbeschreibung des Böhmenherzogs Wenzel (Regierungszeit von 921 bis 929 oder 935) zur Förderung des Heiligenkultes, zur Erbauung und Unterhaltung. Die Darstellung betont das fromme Leben des Herrschers und die auf das religiöse Wohl des Volkes ausgerichtete Regierung. Seine Ermordung durch den jüngeren Bruder Boleslav wird als Martyrium stilisiert, die Überführung (Translatio) der Gebeine nach Prag und dort beobachtete Wunder in die Beschreibung eingefügt. Die vorliegende Handschrift ragt durch ihre Illuminationen heraus, die mit dem Text verzahnt sind und die entscheidenen Szenen der Legende betonen. Diese bestehen aus vier Zierseiten mit ganz- und halbseitigen Miniaturen. Auf dem hier zu sehenden Widmungsbild kniet die Auftraggeberin dieser Handschrift, Fürstin Hemma (+ 1006, Gemahlin Herzogs Boleslav II. von Böhmen), vor dem hl. Wenzel, dem Christus die Märtyrerkrone des Sieges aufsetzt. Er erscheint als Märtyrer und zugleich als Fürst, worauf die fahnengeschmückte Lanze weist. Mit dem Fußkuß unterstreicht Hemma ihre Bitte, der heilige Wenzel möge die  Przemysliden-Dynastie und ihr Land schützen. 


(c) 2001 Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel