Erwerbungen 1950-1993
Mit der Amtszeit von Erhart Kästner (1950-1968) begann eine Rückbesinnung auf die fürstliche Tradition der Wolfenbütteler Bibliothek auch in der Erwerbungspolitik. Kästner legte sowohl auf die universale Anlage der Bibliothek als auch auf den Charakter des Kostbaren Wert. Im Rahmen seiner geringen finanziellen Möglichkeiten versuchte er nur die ihm wesentlichen Neuerscheinungen im Bereich der Humaniora anzuschaffen. In seinem für seinen Nachfolger bestimmten ungedruckten "Testament"' vom Juli 1968 erläuterte Kästner dieses Sammelprinzip: "Die Herzog August Bibliothek hat eine Bibliotheca illustris zu sein, das ist ihre eigene Verpflichtung". In diesem Sinne wurden nur wenige Zeitschriften gehalten, auch die wissenschaftliche Literatur wurde nur vereinzelt angeschafft. Durch die von Kästner eingeführte Aufstellung nach dem Numerus currens lassen sich seine Erwerbungen gut überblicken: ca. 55.000 Bde, fast ausnahmslos in deutscher Sprache.
Wichtig waren Kästner einige Nachkäufe: eine Anzahl von kostbaren Erstausgaben der deutschen Barockliteratur, die Musiksammlung der Kirche St. Stephani in Helmstedt, eine Sammlung expressionistischer Bücher. Vor allem aber erschloß er der Bibliothek ein neues Sammelgebiet: die Malerbücher. Durch den Verkauf von Dubletten konnte er die großen, kostbaren Bücher des 20. Jhs mit Originalgraphik primär französischer Provenienz anschaffen. Die Malerbuchsammlung ist für sich aufgestellt und heute in den musealen Räumen zu betrachten. Sie bildet den Schlußpunkt der Sammlung kostbarer Hss. und Bücher in Wolfenbüttel. Unter seinem Nachfolger Paul Raabe (Amtszeit 1968-1992) wurde die gezielte Anschaffungspolitik angesichts der reich überkommenen historischen Bestände fortgesetzt. Zur Ergänzung der Malerbuchsammlung wurden kostbare Drucke und illustrierte Bücher vom Ende des 18. Jhs bis zur Gegenwart erworben und als eigene Sammlung "Ars librorum." aufgebaut. Es war der Versuch, die Bibliothek zu einer Quellensammlung zur Geschichte des kostbaren Buches von den Hss. vom Ausgang der Antike bis zur Gegenwart auszugestalten und die wichtigsten Lücken in den Beständen des 19. und frühen 20. Jhs zu schließen. Dieser Absicht dienten auch die Erwerbungen geschlossener Bibliotheken und Sammlungen, die unten aufgeführt sind.
Im Rahmen des Möglichen wurde auch ältere Literatur antiquarisch nachgekauft und so der Altbestand ergänzt (Signatur Wa ca.10.000 Bde). Der Ausbau der Bibliothek zu einer Forschungsstätte für europäische Kulturgeschichte, seit 1969 planmäßig von Paul Raabe betrieben und durch die Volkswagen-Stiftung seit 1974 ermöglicht, verlangte auch die Anschaffung der wichtigsten deutschen und fremdsprachigen älteren und modernen Forschungsliteratur zu allen historischen Disziplinen mit den Bezügen zum Mittelalter und zur Frühen Neuzeit. Als oberstes Sammelprinzip galt die Erwerbung der wichtigsten Literatur, der Monographien, Editionen, Untersuchungen und Zeitschriften. Insgesamt wurden zwischen 1969 und 1992 ca. 200.000 Bde neuer und alter Forschungsliteratur erworben. Ein Teil dieser Bestände wurde in der Bibliotheca Augusta und vor allem im Zeughaus in den Präsenzbibliotheken zur europäischen Kulturgeschichte zugänglich gemacht.
Seit 1950 konnten darüber hinaus folgende geschlossenen Bestände für die Bibliothek erworben werden:



