Bibliotheca Julia
Herzog Julius
Herzog Julius von Braunschweig-Lüneburg (1528-1589, Regierungsantritt
1568) gründete die Bibliotheca Julia in der Mitte des
16. Jahrhunderts. Diese in ihren Anfängen seit 1550 nachweisbare
Bibliothek wurde 1567 durch Ankauf der Sammlung des Syndikus
und Anwalts am Reichskammergericht Michael von Kaden jun.
(gest. 1561) erheblich erweitert. Im Zuge der Einführung
der Reformation im Jahre 1568 überführte Julius
im wesentlichen im Jahre 1572 die Klosterbibliotheken aus
Wöltingerode (Zisterzienserinnen, 85 Hss.), Steterburg
(Augustinerinnen, 27 Hss.), Dorstadt (Augustinerinnen, 20
Hss), Heiningen (Augustinerinnen, 34 Hss.), Marienberg bei
Helmstedt (Augustinerchorfrauen, 292 Hss. und Drucke), Lamspringe
(Benediktiner, 16 Hss.) und Amelungsborn (Zisterzienser) nach
Wolfenbüttel. Von Bedeutung waren der Ankauf der Sammlung
Johannes Aurifaber (1519-1575) und die Erbschaft aus der Bibliothek
der Sophia von Polen-Litauen (1522-1575), Julius' Stiefmutter
aus zweiter Ehe mit Herzog Heinrich d.J.
Herzog Heinrich Julius
Unter Julius' Sohn Heinrich Julius (1564-1613, Regierungsantritt
1589) wurden der Bibliotheca Julia weitere, vornehmlich spätmittelalterliche
Bücherschätze aus den Klöstern Georgenberg
bei Goslar (Augustiner), Brunshausen bei Gandersheim (Benediktiner)
und Hamersleben (Augustinerchorherren) zugeschlagen. Über
das niedersächsische Umfeld hinaus besaß die Bibliotheca
Julia, vor allem aus dem 1597 erfolgten Erwerb der 165 Handschriften
und 717 Drucke umfassenden Sammlung des protestantischen Theologen
Matthias Flacius Illyricus (1520-1575) durch Heinrich Julius,
neben zahlreichen früh- und hochmittelalterlichen Kodizes
auch Bücher aus dem übrigen Deutschland, Österreich,
England und Frankreich.