Die Wolfenbütteler Corvinen
Herzog August konnte für seine Sammlung in den Jahren 1618 bis 1653 neun Handschriften erwerben, die aus der Bibliothek des ungarischen Königs Matthias Corvinus (*1443, reg. 1458-1490) stammen und daher den Namen "Corvinen" tragen. Matthias Corvinus trug mit großem Aufwand in Budapest eine Bibliothek zusammen, für die er vor allem in Italien reich verzierte Handschriften herstellen ließ. Beim Tod des Königs soll seine Bibliothek mindestens 1500 Bände gezählt haben. Infolge kriegerischer Wirren verfiel die Bibliothek jedoch bereits im frühen 16. Jahrhundert. Heute sind rund 200 Bände aus ihr bekannt, die in alle Welt verstreut sind. Unter den Bibliotheken mit Corvinen steht die Herzog August Bibliothek nach der Zahl ihrer Stücke (9) an vierter Stelle, nach der Österreichischen Nationalbibliothek Wien, der Széchényi Nationalbibliothek Budapest (je 32) und der Biblioteca Estense Modena (15). Die Wolfenbütteler Corvinen besitzen zum Teil noch ihre originalen Einbände.
Literatur: Wolfgang Milde, Die Wolfenbütteler Corvinen, Wolfenbüttel 2005
Im Jahr 2005 trug die UNESCO die Corvinen offiziell in die Kulturgüterliste Memory of the world ein. Die Széchényi Nationalbibliothek in Budapest bereitet mit dem Projekt Bibliotheca Corviniana digitalis die virtuelle Zusammenführung aller Corvinen vor.
Die neun Wolfenbütteler Corvinen sind seit 2006 vollständig digitalisiert:
Cod.
Guelf. 43 Aug 2°
Bartholomaeus Fontius, Opera, um 1488; Herzog August überließ
diese Handschrift im Jahr 1621 Georg Remus, der die darin
enthaltenen Texte 1621 in Frankfurt drucken ließ.
Cod.
Guelf. 69.9 Aug 2°
Johannes Regiomontanus, Tabulae, 1471/72
Cod.
Guelf. 73 Aug 2°
Marsilio Ficino, Epistulae ad amicos, 1489
Cod.
Guelf. 84.1 Aug 2°
Johannes Tolhopff, Stellarium, um 1480; diese Handschrift
erhielt Herzog August 1618 von seiner Tante, der Markgräfin
Elisabeth von Brandenburg, einer geborenen Herzogin von
Braunschweig-Lüneburg.
Cod.
Guelf. 85.1.1 Aug 2°
Alexander Cortesius, De laudibus Matthiae Corvini regis,
1485/90
Cod.
Guelf. 2 Aug. 4°
Synesius, De vaticinio somniorum, übersetzt von Marsilio
Ficino, und Briefe Ficinos, 1484/85
Cod.
Guelf. 10 Aug. 4°
Priscianus Lydus, Kommentar zu Theophrast, De sensu et phantasia,
übersetzt von Marsilio Ficino, 1487/89
Cod.
Guelf. 12 Aug. 4°
Marsilio Ficino, Epistulae ad amicos et vita Platonis, 1482;
Herzog August erhielt die Handschrift im Jahr 1623 von dem
Tübinger Professor Thomas Lansius geschenkt.
Cod.
Guelf. 39 Aug. 4°
Psalter der Königin Beatrix,
1480/82
Cod.
Guelf. 4.1 Aug. 4°
Battista Agnese, Portulanatlas, um 1541; diese Handschrift
galt zeitweise als Corvine, gehörte jedoch nicht zur
Bibliothek des ungarischen Königs.



