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Graphische Einzelblätter und Einblattdrucke

Graphische Sammlung

Rund 12.000 Blätter Holzschnitte, Kupferstiche, Lithographien und Zeichnungen aus dem 15. bis 19. Jahrhundert bilden die Graphische Sammlung. Der in Spezialschränken untergebrachte reichhaltige Bestand an Kunstblättern wurde im ersten, personengebundenen Großteil nach Jahrhunderten geordnet und innerhalb dieser alphabetisch nach dem Namen des Stechers, Holzschneiders, Druckers, Malers, Zeichners oder Verlegers. Alle vorkommenden und ermittelten Künstler- und Herstellernamen sind im Personenregister mit Angabe der jeweiligen Blattsignaturen zusammengeführt. Im zweiten Großteil der anonymen Darstellungen wird eine Ordnung nach Motiven bzw. inhaltlichen Komplexen angewandt. Hervorzuheben sind wichtige Bestände zu Architektur und Festungswesen (zahlreiche Risse und Zeichnungen); thematisch geordnete Blätter zur Kriegskunst, zum Heerwesen, zu einzelnen Bereichen der Kuilturgeschichte; Schlachten- und Belagerungsdarstellungen, Kalender, Almanache und anderes; Blätter über Sterne und Wunderzeichen sowie Stücke aus der Technikgeschichte.

Verzeichnung: Maschinenschriftliches Register mit Standortverzeichnis, systematischem Katalog der Motive und Namensregister. Standort: Lesesaalauskunft Augusta und als PDF (ca. 2 MB). - Im Rahmen des von der DFG geförderten Projekts Virtuelles Kupferstichkabinett (in Kooperation mit dem Herzog Anton Ulrich Museum in Braunschweig) wird die Sammlung zu einem großen Teil digitalisiert, neu katalogisiert und in einer Datenbank präsentiert.

Zeichnungen: Die Bestände enthalten mehrere Hundert Handzeichnungen. Zu den künstlerisch bedeutendsten vgl. Friedrich Thöne, Bemerkungen zu Zeichnungen in der Herzog-August-Bibliothek zu Wolfenbüttel, in: Niederdeutsche Beiträge zur Kunstgeschichte 6 (1967) 167-206.

Topographische Ansichten

Der ca. 2450 Blätter umfassende Bestand enthält vor allem Kupferstiche, Lithographien, aber auch Handzeichnungen. Schwerpunkt der Sammlung sind Ansichten aus dem Braunschweiger und Hannoverschen Gebiet, darunter zahlreiche wichtige Einzelstücke zu den Städten Braunschweig, Wolfenbüttel und Hannover, ferner zu einzelnen Orten der Region. Viele Blätter betreffen den Harz. Vorhanden sind ferner Ortsansichten aus dem Deutschen Reich mit Sonderbeständen zu Berlin, Brandenburg und Ludwigsburg, ferner topographische Ansichten aus anderen europäischen und außereuropäischen Territorien, darunter hervorragende Italienstiche. Die Blätter wurden um 1980 restauriert und in Mappen gelegt.

Verzeichnung: Standortkatalog (an den Auskunftsplätzen einzusehen).

Illustrierte Flugblätter

Seit Herzog Augusts Sammlertätigkeit besitzt die Bibliothek eine der größten Sammlungen illustrierter Flugblätter. Lessing wusste diese als "Bilderreime" und "fliegende Kupferstiche oder Holzschnitte satyrischmoralischen und satyrischpolitischen Inhalts" zu schätzen. Ins 20. Jahrhundert gelangten sie aber nicht als kompakt auffindbare Sammlung. Einzelne, einst durchgezählt geordnete Blätter vorwiegend aus den Jahren 1590 bis 1660 fanden sich bis 1974 in der Bibliothek gemischt mit Druckgraphik unterschiedlichster Art. Heute stehen die Flugblätter geordnet nach fünf Sachgruppen unter den Signaturen IE (Ethica), IH (Historica), IP (Politica), IQ (Quodlibetica) und IT (Theologica).

Viele Blätter waren schon von Herzog August in thematisch geordneten Konvoluten in den Kontext von Buch-Literatur eingeordnet worden, waren aber seither als Flugblätter schwer auffindbar. Weitere Blätter sind Bestandteil von Handschriftenbänden, besonders regelmäßig in Reiseberichten des Bücheragenten Philipp Hainhofer (1578-1647), der den Herzog speziell zum Sammeln derartiger Blätter ermuntert hat. Eine weitgehend geschlossen erhaltene Sammlung, angelegt von Franz von Domsdorff während seines Studiums in Rostock 1564-1567, ist in dem Konvolut mit der Signatur 95.10 Quodl. 2° erhalten, aus dem jedoch - wie auch aus dem anderen Bestand - einige Blätter in die Graphische Sammlung des Herzog Anton Ulrich Museums in Braunschweig gelangt sind.

Der gesamte Flugblätterbestand hebt sich mit seiner Ausbildung mehrerer inhaltlicher Akzente - religiöse, politische, ethische, naturwissenschaftliche - von anderen, oft einseitigeren historischen Sammlungen durch eine enzyklopädische Orientierung ab. Daher lässt sich in Wolfenbüttel das Inhalts- und Funktionsspektrum dieses Bild und Text kombinierenden Mediums der Frühen Neuzeit in voller Breite studieren.

Verzeichnung: Wolfgang Harms, Deutsche illustrierte Flugblätter des 16. und 17. Jahrhunderts. Die Sammlung der Herzog August Bibliothek, Bd. 1-3, Tübingen 1985-1989

Seit 1997 befindet sich die Sammlung Stopp als Depositum in der Herzog August Bibliothek. Sie umfasst 60 illustrierte Flugblätter und 3 Fragmente aus den Jahren 1559 bis 1797. Die Sammlung zeigt Flugblätter aus den verschiedensten Bereichen. Mehrere Flugblätter widmen sich etwa der Belagerung und Eroberung Belgrads (1688) und Mord an acht Frauen in Kuttenberg (1738).

Verzeichnung: Thomas Weißbrich, Illustrierte Flugblätter. Die Sammlung Stopp. Eckensberger Stiftung, Dep. 4.9 FM 1-50 (maschinenschriftliches Verzeichnis mit Abb., 2000), Anhang: Dep. 4.9 FM 51-60 und 3 Fragmente ohne Signatur (2005)

Literatur: Wolfgang Harms/Michael Schilling, Das illustrierte Flugblatt in der Kultur der Frühen Neuzeit. Wolfenbütteler Arbeitsgespräch 1997, Frankfurt am Main 1998

 

 

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Zuletzt geändert am 29. März 2011
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