Handschriftengruppen
Cod(ices) Helmst(adienses): 1578 Handschriften, davon 1018 mittelalterlich. Inhalt: Zahlreiche niederdt. Texte und Reformationslit., Autographen Martin Luthers, Philipp Melanchthons und andererer Reformatoren sowie Jakob Böhmes. Sprachen: lat., dt., 11 orient. Alter: 8.-18. Jh., überwiegend aus dem 15. und 16. Jh.
Provenienzen: ca. 1100 Handschriften stammen aus der älteren Wolfenbütteler Bibliothek (Bibliotheca Julia), darunter umfangreiche Übernahmen aus säkularisierten Stiften und Klöstern der Umgebung (1572), z.B. aus Dorstadt, Heiningen, Steterburg, Wöltingerode, Marienberg bei Helmstedt, Georgenberg bei Goslar, Lamspringe; außerdem Handschriften des Johannes Aurifaber (1578), des Wilhelm von Lysfelt (1587), des Matthias Flacius Illyricus (1597); später Zuwachs von Handschriften aus den Klöstern Klus, Northeim, St. Ludgeri bei Helmstedt. 1618-1815 in der Universitätsbibliothek Helmstedt.
Verzeichnung:
- Otto von Heinemann: Die Helmstedter Handschriften, 3 Bde., Wolfenbüttel 1884-1888. Repr. Frankfurt/Main 1963-1965 (Kataloge 1-3).
- Bd. 1: Cod.Guelf. 1 bis 500 Helmst. (1884)
- Bd. 2: Cod.Guelf. 501 bis 1000 Helmst. (1886)
- Bd. 3: Cod.Guelf. 1001 bis 1438 Helmst. (1888)
- Walter Thüringer, Die Melanchthonhandschriften der Herzog August Bibliothek, Frankfurt/Main 1972 (Kataloge, Sonderband 2).
Eine Neukatalogisierung der mittelalterlichen Helmstedter Handschriften nach den Richtlinien und mit Förderung der DFG ist seit 2001 im Gange. Eine Auswahl von Katalogisaten ist auf der Projektseite "MASTER-Schnittstellenformat zur Erschließung mittelalterlicher Handschriften" zu finden.
Cod(ices) Aug(ustei): 2521 Handschriften, davon 896 mittelalterlich. Sprachen: lat., dt., frz. (ca. 490), griech. (10), orient. (ca. 50) und zahlreiche weitere Sprachen. Alter: 5./6. - 17. Jh.
Provenienzen: Sammlung des Herzogs August mit Erwerbungen aus zahlreichen Gegenden Europas. Überwiegend Einzelstücke (z.B. 9 Corvinen, seit 2005 von der UNESCO zum Memory of the World gezählt), nur wenige geschlossene Erwerbungen, z.B. die "Mazarinischen Handschriften", Handschriften von Joachim Cluten, Johann Valentin Andreae, Philipp Hainhofer, Johann Karg (Parsimonius), Thomas Stromair, Karl Widemann; außerdem aus dem Blasiusstift und dem Aegidienkloster in Braunschweig, aus Leitzkau, aus dem Kloster Frankenberg in Goslar, aus Marienberg und Marienthal bei Helmstedt.
Verzeichnung:
- Otto von Heinemann, Die Augusteischen
Handschriften, 5 Bde., Wolfenbüttel 1890-1903. Repr.
Frankfurt/M. 1965-1966 (Kataloge 4-8).
- Bd. 1: Cod.Guelf. A. Aug. 2° bis 11.10 Aug. 2° (1890/1965)
- Bd. 2: Cod.Guelf. 11.11 Aug. 2° bis 32.6 Aug. 2° (1895/1966)
- Bd. 3: Cod.Guelf. 32.7 Aug. 2° bis Cod. Guelf. 77.3 Aug. 2° (1898/1966)
- Bd. 4: Cod.Guelf. 77.4 Aug. 2° bis 34 Aug. 4° (1900/1966)
- Bd. 5: Cod.Guelf. 34.1 Aug. 4° bis 91 Aug. 8° und Anhang (1903/1966)
- Wolfgang Milde, Die Wolfenbütteler Corvinen, Wolfenbüttel 1995 (Aus den Sammlungen der Herzog August Bibliothek 1)
Cod(ices) Weiss(enburgenses): 105 Handschriften, davon 103 mittelalterlich. Inhalt: zumeist Patristik und Theologie, darunter die gotischen Ulfilas-Fragmente (Cod. Guelf. 64 Weiss.) und der althochdt. Katechismus (Cod. Guelf. 91 Weiss.). Sprachen: lat., gelegentl. griech., got., althochdt. Alter: 5.-15. Jh., überwiegend 9. Jh. (Weißenburger Scriptorium).
Provenienz: Ganz überwiegend aus dem Benediktinerkloster Weißenburg (Wissembourg) im Elsaß; 1689 unter Herzog Anton Ulrich (1633-1714) durch den Bibliothekar Kaspar Adam Stenger (gest. 1690) von Heinrich Julius von Blum für die Bibliothek in Wolfenbüttel gekauft.
Verzeichnung: Hans Butzmann, Die Weissenburger Handschriften neu beschrieben, Frankfurt/Main 1964 (Kataloge 10) [Online-Version]
Cod(ices) Gud(iani): 468 Handschriften, davon 365 mittelalterlich. Inhalt: überwiegend antike und mittelalterliche Autoren, Teilnachlass Gude. Sprachen: zumeist griech. u. lat., auch 23 arab. Handschriften. Alter: 7.-17. Jh.
Provenienz: Wichtigster und wertvollster Teil der Sammlung des Juristen, Philologen, Bibliothekars und dänischen Etatsrates Marquard Gude (1635-1689), die 1710 durch G.W. Leibniz für Wolfenbüttel gekauft wurde. Darunter Handschriften aus Padua, aus den Sammlungen von Matthaeus Macigni, Friedrich Lindenbrog, des Münsteraner Bischofs Ferdinand von Fürstenberg, des Münsteraner Stadtarztes Bernhard Rottendorf und aus der Herzoglichen Bibliothek Gottorf.
Verzeichnung: Franz Koehler - Gustav Milchsack, Die Gudischen Handschriften, Wolfenbüttel 1913. Repr. Frankfurt/Main 1966 (Kataloge 9) [Online-Version]
Cod(ices) Blank(enburgenses): 308 Handschriften, davon 34 mittelalterlich. Inhalt: meist neuere Handschriften, darunter häufig Historica und Stammbücher, ferner einige frz. u. orient. Handschriften. Sprachen: verschiedene Sprachen, darunter frz. (7) u. orient. (26). Alter: 9.-18. Jh.
Provenienz: Sammlung des Herzogs Ludwig Rudolf von Braunschweig-Lüneburg (1671-1735), auf seinem Schloß Blankenburg/Harz zusammengetragen und 1752/1753 nach Wolfenbüttel überführt.
Verzeichnung: Hans Butzmann, Die Blankenburger Handschriften, Frankfurt/Main 1966 (Kataloge 11) [Online-Version]
Cod(ices) Extrav(agantes): 1329 Handschriften. Inhalt: zahlreiche Gebiete, besonders Theologica und Briefbände des 16.-18. Jhs. sowie (Teil-)Nachlässe, z.B. von Johann Valentin Andreae, Anton Ulrich von Braunschweig-Lüneburg, Gottfr. Leonhard Baudis d.J., Jakob Burckhard, Ferdinand Albrecht II. von Braunschweig-Lüneburg, Heinrich Andreas Koch, Johann Letzner, Jakob Friedrich Reimmann, Rudolf August von Braunschweig-Lüneburg, Elisabeth Marie Sophie von Braunschweig-Lüneburg. Sprachen: verschiedene Sprachen, darunter ca. 30 orient. Alter: 9.-18. Jh., 115 mittelalterliche und 1214 neuere Handschriften.
Provenienzen: Grundbestand auf Herzog August zurückgehend, der Hauptteil (Einzel-)Erwerbungen des 18. Jhs. Die Gruppe entstand vermutlich um 1700, benannt ca. 1725, Erstverzeichnung von Ernst Theodor Langer 1782-1786.
Verzeichnung: Hans Butzmann, Die mittelalterlichen Handschriften der Gruppen Extravagantes, Novi und Novissimi, Frankfurt/Main 1972 (Kataloge 15) [Online-Version]. - Wolf-Dieter Otte: Die neueren Handschriften der Gruppe Extravagantes, 3 Bde., Frankfurt/Main 1986-1993 (Kataloge 17-19)
Cod(ices) Nov(i): 1716 Handschriften. Inhalt: zahlreiche Gebiete, darunter 326 mittelalterliche Fragmente in 18 Kästen, Korrespondenzen Herzog Augusts, Abschriften englischer Parlamentsakten (18. Jh.) sowie (Teil-)Nachlässe, z.B. von Gottlob Günther, A. H. K. von Berlepsch, Friedrich Adolf Ebert, Johann Joachim Eschenburg, Herzog Friedrich August von Braunschweig-Oels, Karl Friedrich Arend Scheller, Karl Philipp Christian Schönemann, Friedrich Karl von Strombeck. Sprachen: verschiedene Sprachen, darunter ca. 10 orient. Alter: 8.-19. Jh., 111 mittelalterliche Handschriften und 326 mittelalterliche Fragmente, 1279 neuere Handschriften.
Provenienzen: Überwiegend Erwerbungen des 19. Jhs. Die Gruppe wurde im 19. Jh. zusammengestellt und von Otto von Heinemann 1870/71 verzeichnet.
Verzeichnung: Otto v. Heinemann, Catalogus Librorum Manuscriptorum qui sub titulo Novorum in Bibliotheca Augusta asservantur (handschriftlich, 1870/1871) [Online-Version]. - Hans Butzmann (s.o. Codices Extravagantes).
Cod(ices) Noviss(imi): 684 Handschriften in vier Formatgruppen (Stand 2010). Inhalt: mehrere Gebiete, darunter Musikhandschriften und Handschriften aus dem persönlichen Besitz Braunschweiger Herzöge und Herzoginnen (die ehemalige "Bibliotheca purpurata") sowie (Teil-)Nachlässe, z.B. von Herzog Ferdinand Albrecht I. von Braunschweig-Lüneburg, Heinrich Ph. Konrad Henke, Herzogin Sophie Elisabeth von Braunschweig-Lüneburg, Jakob Böhme, Erhart Kästner (mit Typoskripten Gerhart Hauptmanns). Sprachen: verschiedene Sprachen, darunter 5 orientalische. Alter: 12.-20. Jh., besonders 17.-19. Jh.
Provenienzen: vielfach Erwerbungen des 20. Jhs.; die Signaturengruppe wurde um 1900 gebildet und ist offen für Neuzugänge (1974: Depositum Fam. Brückmann, 9 neuere Hss Cod. Guelf. 79 Noviss. 2° - 85.2 Noviss. 2°; 1983: Evangeliar Heinrichs des Löwen, Cod. Guelf. 105 Noviss. 2°; 2002: Sachsenspiegel, ehemals in Meiningen, Dauerleihgabe der Hans und Helga Eckensberger-Stiftung, Cod. Guelf. 318 Noviss. 8°; 2007: Bernwardpsalter, Cod. Guelf. 113 Noviss. 4° und Schönrainer Liederhandschrift, Cod. Guelf. 326 Noviss. 8°).
Verzeichnung: Hans Butzmann (s.o. Codices Extravagantes). - Renate Giermann, Die neueren Handschriften der Gruppe Novissimi, Frankfurt/Main 1991 (Kataloge 20)
Mus.-Hdschr. (neuere Musikhandschriften): 383 Handschriften. Alter: 16.-20. Jh., überwiegend 18. Jh.
Provenienzen: Zahlreiche Handschriften aus herzoglichem Besitz, einige (z.B. Karl Heinrich Graun, Johann Adolf Hasse) wohl auch aus dem Hofkapellarchiv. 1890 als geschlossene Gruppe von Emil Vogel verzeichnet. Spätere Erwerbungen sind angefügt worden, z.B. 1961 Musikhandschriften aus der Kantorei der Kirche St. Stephani in Helmstedt, seit 1966 auch Handschriften und Fragmente aus Musikdrucken. Offen für Neuzugänge. Weitere Musikhandschriften sind in anderen Handschriftengruppen zu finden. - Größter Bestandteil der Manuskripte sind solche geistlicher, vor allem mittelalterlicher Einstimmigkeit (Neumen, Choralnotation). Zu den berühmtesten Codices der Mehrstimmigkeit zählen die zwei (von weltweit vier) Haupthandschriften der Notre-Dame-Epoche (12./13. Jahrhundert; Cod. Guelf 628 und 1099 Helmst.), der franko-flämische Chansonnier des 15. Jahrhunderts (Cod. Guelf. 287 Extrav.) und der riesige Sammelcodex mit 'niederländischen' Ordinarium-Missae-Vertonungen und einem Requiem (Cod. Guelf. A Aug. 2°, geschrieben 1519/20). Zwei Bände mit 12 Büchern Lautentabulatur (Cod. Guelf. 18.7-8 Aug. 2°, datiert 1604) gehen auf den Augsburger Vertrauten Herzog Augusts Philipp Hainhofer zurück. Von Heinrich Schütz, etwa 1644-1666 beratender 'Oberkapellmeister von Haus aus' des Wolfenbütteler Hofes, ist die singuläre Frühfassung seiner Johannespassion zu nennen (Cod. Guelf. 1.11.1 Aug. 2°). Aus dem 18. Jahrhundert ragen die Opernpartituren von Carl Heinrich Graun und Johann Adolf Hasse hervor; beide Komponisten hatten ihre Musikerlaufbahn in Braunschweig-Wolfenbüttel begonnen.
Verzeichnung: Emil Vogel: Die Handschriften [...] der Musik-Abtheilung der Herzogl. Bibliothek zu Wolfenbüttel. (Die Handschriften der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel; Abth. 8) Wolfenbüttel: Zwissler, 1890. - Nachweis in RISM-OPAC (derzeit 5251 Nachweise).
Theatersammlung: ca. 3300 Werke, davon 508 Handschriften und 1043 Drucke mit handschriftl. Anmerkungen, abgegeben vom ehem. Braunschweiger Hof-, dem heutigen Staatstheater an die HAB; besondere Signaturen (Wd). Inhalt: Stücke des Sprech- und Musiktheaters. Vielfach sind von denselben Titeln mehrere "Versionen" oder Auszüge vorhanden, einerseits Textdrucke u. Partituren, andererseits durchschossene Exemplare (als Regie-, Soufflier- oder Inspektionsbücher bzw. als Rollenbücher und Stimmhefte musikalischer Partien). Alter: überwiegend 19. und frühes 20. Jh.
Verzeichnung: Zettelkatalog nach dem Alphabet der Titel, dazu Zettelregister der Autoren.
Hebräische Handschriften: Die hebräischen Handschriften der Herzog August Bibliothek bilden keine eigene Gruppe, sie verteilen sich vielmehr auf die oben genannten Gruppen. Insgesamt finden sich 14 Codices und 4 Sammelbände mit Einbandfragmenten. - Mikrofilme dieser Handschriften können am Institute of Microfilmed Hebrew Manuscripts der Jewish National and University Library in Jerusalem eingesehen werden.
Verzeichnung: Ernst Róth, Hebräische Handschriften, Teil 2 (Verzeichnis der orientalischen Handschriften in Deutschland, Bd. 6,2), Wiesbaden 1965, S. 400-411. - State of Israel, Ministry of Education and Culture, Reshimat tatslume kitve ha-yad ha-Ivriyim ba-Makhon [= List of Photocopies in the Institute (hebr.)], part I: Kitve ha-yad be-sifriyot Ostriyah ve-Germaniyah [Hebrew Manuscripts in the Libraries of Austria and Germany], hrsg. von Nehemyah Allony und D.S. Löwinger, Beilage zu Ba-hinukh uva-tarbut, Jerusalem, Government Printing Press, 1957, S. 41-42, nos. 537-549. - Friedrich Adolf Ebert, Catalogus codicum manuscriptorum orientalium Bibliothecae Ducalis Guelferbytanae, Lipsiae 1831 [Online-Version].
Die hebräischen und jiddischen Drucke der Herzog August Bibliothek wurden in einem eigenen Katalogisierungsprojekt erschlossen.
Orientalische Handschriften: Das 1831 erstellte Verzeichnis der orientalischen Handschriften der Wolfenbütteler Bibliothek umfasst 142 Nummern. Darunter befinden sich 78 arabische, 28 türkische, 13 chinesische, 10 persische und 3 syrische Handschriften.
Verzeichnung: Friedrich Adolf Ebert, Catalogus codicum manuscriptorum orientalium Bibliothecae Ducalis Guelferbytanae, Lipsiae 1831 [Online-Version]. Zu den chinesischen Handschriften vgl. Hartmut Walravens, Zur Wolfenbütteler Sinica-Sammlung, in: Wolfenbütteler Beiträge 11 (1998), S. 145-172.
Slavische Handschriften: Im Katalog der slavischen Handschriften in Bibliotheken der Bundesrepublik Deutschland, bearb. von Elke Matthes, Wiesbaden 1990, finden sich auf S. 171-185 unter Nr. 214-229 Beschreibungen von 16 Handschriften der Herzog August Bibliothek. Vgl. auch Aleksandr S. Myl'nikov und Wolfgang Milde, Handschriftliche Slavica der Herzog August Bibliothek, in: Wolfenbütteler Beiträge 7 (1987), S. 79-114.
Spanische Handschriften: Eine Zusammenstellung auf der Grundlage von Otto von Heinemanns Katalogen bietet José Vives, Manuscritos hispánicos en bibliotecas extranjeras. Biblioteca di Wolfenbüttel, in: Hispania sacra. Revista de historia eclesiástica 3 (1950), S. 421-430



