Künstlerbuchpreis 2020

Caro Giordano. Eine Spurensuche - Künstlerbuchpreis 2020 geht an Ulrike Stoltz


Bild: Ulrike Stoltz: Caro Giordano – Eine Spurensuche, 2020

Die renommierte Buchkünstlerin und Typografin erhält den mit 6.000 Euro dotierten Preis der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel und der Curt Mast Jägermeister Stiftung. Verbunden mit der Auszeichnung ist auch die Möglichkeit, bis zu einem Monat an der Bibliothek zu arbeiten und ein aus den Beständen der HAB inspiriertes Künstlerbuch zu fertigen.

Ulrike Stoltz wird ihr eingereichtes Konzept „Caro Giordano“ an der HAB bearbeiten und sich auf Spurensuche des Renaissance-Philosophen, Theologen und Astronomen Giordano Bruno (1548–1600) begeben. Die Beschäftigung der Buchkünstlerin mit dem Renaissance-Philosophen hat bisher in drei Künstlerbüchern Ausdruck gefunden und wird nun fortgeführt.

Nach einer Auseinandersetzung mit den Quellen der Bibliothek sollen die Ergebnisse in einem Unikatbuch verarbeitet werden. Für das neu konzipierte Künstlerbuch werden eigene Texte, Typografie, Zeichnung und Fotografie eine wichtige Rolle spielen. Darüber hinaus wird es Bezüge zu den Texten, aber auch zur Rezeptionsgeschichte von Giordano Bruno geben. Übergeordnetes Ziel des Projekts ist es, eine Verbindung zwischen Kunst und Wissenschaft herzustellen und in einem Künstlerbuch zusammenzuführen.

Ulrike Stoltz ist eine Wegbereiterin und Vermittlerin des Genres Künstlerbuch. Sie hat als Typografin und Buchkünstlerin in dieser Nische Maßstäbe gesetzt und die ganze Szene mit geprägt. In Deutschland ist sie unter anderem seit über 30 Jahren in der Künstlergemeinschaft „usus“ aktiv und international ausgezeichnet vernetzt. Mit der Entscheidung der Jury wird nun eine etablierte und profilierte Künstlerin gewürdigt, die die gesamte Buchkunst-Szene maßgeblich beeinflusst hat.

Insgesamt beteiligten sich 22 Künstler*innen unter anderem aus den USA, Kanada, Portugal und England an der Ausschreibung, die 2020 zum dritten Mal stattfand. Die Bandbreite der Entwürfe und der künstlerischen Auseinandersetzung mit der Geschichte und den Beständen der HAB war überraschend vielfältig. In die engere Wahl fielen neben dem Konzept der Preisträgerin zwei weitere Projektideen: Meereszeitenkartenklimaspiegel von Tina Flau verweist anhand früher Weltkarten und Meeresbeschreibungen aus der Sammlung der HAB auf die Auswirkungen der Klimaveränderungen auf die Meere. Patricia Portela und Leslie Smith reichten eine gemeinsame Projektidee zur Auseinandersetzung mit Gottfried Wilhelm Leibniz ein.

Die Künstlerbuchsammlung der HAB wurde in den 1950er Jahren mit zeitgenössischen Werken großer französischer Maler, den livres de peintre, begründet. Malerbücher und Pressendrucke bilden das Profil der international anerkannten Sammlung, die sich an der europäischen Buchkunst orientiert. Bis heute haben sich Künstler*innen immer wieder aufs Neue dem Künstlerbuch genähert und sowohl auf traditionelle als auch experimentelle Weise die Grenzen des Mediums ausgelotet.

Im Hinblick auf die Geschichte und die Entwicklung der Sammlung haben die Herzog August Bibliothek und die Curt Mast Jägermeister Stiftung erstmals für das Jahr 2018 den Preis für Buchkunst ausgelobt, der gleichzeitig das Engagement von Sabine Solf für die Belange der Bibliothek und ihre Stiftungen ehren soll. Als Kunsthistorikerin begleitete sie den Aufbau der Sammlung und hielt Kontakt zu den Künstler*innen.

Die Entscheidung über die Preisvergabe erfolgte durch eine Jury, der Dr. Sabine Solf, Wolfenbüttel (Vorsitzende), Prof. Dr. Peter Burschel, Direktor der Herzog August Bibliothek, Manja Puschnerus, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied  der Curt Mast Jägermeister Stiftung, Dr. Stefan Soltek, Leiter des Klingspor-Museums Offenbach, Nikoline Kästner, Papierrestauratorin, und Dr. Johannes Mangei, Stellvertretender Direktor der Herzog August Bibliothek, angehören.