Wolfenbütteler Schülerseminare

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Was sind „Wolfenbütteler Schülerseminare“?

Seit 1983 werden in der Herzog August Bibliothek die „Wolfenbütteler Schülerseminare“ veranstaltet. Die HAB ist damit die erste wissenschaftliche Bibliothek in der Bundesrepublik Deutschland, die für Kurse der gymnasialen Oberstufe dreitägige Seminare anbietet, in denen Schülerinnen und Schüler (im Folgenden: Schüler) angeregt werden, den Weg von einem im Unterricht geweckten thematischen Interesse hin zur wissenschaftspropädeutischen Vertiefung mit dem Ziel einer Seminarfacharbeit oder eines Referats in beispielhafter Weise und unter Anleitung von erfahrenen Pädagogen und Mitarbeitern der Bibliothek zu beschreiten.

1997 wurden die Wolfenbütteler Schülerseminare vom Niedersächsischen Kultusministerium und der damaligen Bezirksregierung Braunschweig (heute Landesschulbehörde) als Dauereinrichtung an der Herzog August Bibliothek institutionalisiert. Erlassgemäß dienen sie der Erweiterung und Vertiefung des Unterrichts in der gymnasialen Oberstufe und sind von den Kerncurricula der einzelnen Fächer her zu entwickeln.

Wie verlaufen Schülerseminare?

Für ein Schülerseminar begeben sich Schüler der Kurse der gymnasialen Oberstufe und auch motivierter Klassen der Mittelstufe für drei Tage - Montag bis Mittwoch - mit ihrer Lehrerin bzw. ihrem Lehrer in die Herzog August Bibliothek nach Wolfenbüttel und erarbeiten in einem von diesen festgesetzten thematischen Rahmen Fragestellungen zu sie interessierenden Aspekten eines Rahmenthemas.

Die Kurse arbeiten in der Regel von 9.00-16.00 Uhr im Zeughaus der HAB in einem Seminarraum, der mit Rechnern, Internetzugang sowie modernen Präsentationstechniken ausgestattet ist. Auswärtige Gruppen kommen in Jugendgästehäusern der Stadt unter.

Zielsetzungen der Schülerseminare für Kurse der erweiterten Oberstufe

Unterrichtsinhalte der gymnasialen Oberstufe werden vertieft oder erweitert. Dazu werden am Beginn eines Seminars themenbezogene schöne und wertvolle Drucke und auch für die thematische Erschließung besonders geeignete Bücher bzw. Texte und Bilder vorgelegt. Die unmittelbare und sinnliche Begegnung mit motivierenden Büchern und anderen Materialien soll die Freude am Lesen und an der Arbeit mit alten und auch neueren Informationsträgern wecken. Gleichzeitig werden die Seminarteilnehmer dazu angeregt, themenbezogene Fragestellungen zu entwickeln und diese durch eigene weiterführende Recherchen in den Bibliotheksbeständen einschließlich erreichbarer Online-Datenbanken und digitaler Quellen zu bearbeiten. Sie werden dazu angeleitet, die Internetkataloge des OPAC (Online Public Access Catalogue) und des GBV (Gemeinsamer Bibliotheksverbund), die reichhaltige Präsenzbibliothek der HAB zu nutzen, einschließlich Bestellsystem und Fernleihe. Exzerpieren, Zitieren und Bibliographieren werden geübt ebenso wie das Planen des Arbeitsprojekts – ob einzeln oder in einer Arbeitsgruppe. Zum Ende der dreitägigen Seminare halten die Schüler Kurzreferate über das Erarbeitete entweder noch in der Bibliothek oder in ihren Schulen. Seminarfachgruppen verlassen das Seminar mit Grundlagen für eine auszuarbeitende Facharbeit (Exzerpte, Kopien, Literaturlisten, Planungsskizzen).

Die Erfahrung lehrt, dass so bereits im wissenschaftspropädeutischen Vorfeld Schwellenängste vor großen Bildungseinrichtungen abgebaut werden können. Die Möglichkeit der wissenschaftspropädeutischen Unterweisung, die in der Herzog August Bibliothek geboten wird, wird von Lernenden wie Lehrenden überaus positiv angenommen, was zeigt, wie groß das Bedürfnis nach selbstständigem Forschen, konzentrierter Arbeit und einem persönlichen Arbeitsrhythmus ist.

Für die schonende Benutzung eines alten Druckes
werden Buchstütze und Bleischlangen benötigt.

Angebote für motivierte Klassen und Hochbegabtengruppen der Mittelstufe

Für jüngere Schüler, d.h. Mittelstufenklassen oder Hochbegabtengruppen sind vor allem die haptischen und visuellen Erfahrungen mit dem alten Buch von besonderer Bedeutung. Die jungen Schüler arbeiten eigenständig mit besonders schönen, großformatigen und reich illustrierten Faksimiles, unter besonderer Aufsicht auch mit alten originalen Drucken selbst. Hilfestellungen bei der Themenfindung für kurze Referate bekommen sie durch Methodenangebote, die sie nach eigenem Interesse auswählen und ergänzen. Sie können z.B., Transkripte, Zeichnungen oder Exzerpte zu Gelesenem anfertigen, Briefe an Autoren oder Figuren schreiben oder Unterschiede und Gemeinsamkeiten zur heutigen Zeit zeigen. Ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit liegt nach einer altersgerechten Einführung in die Arbeitsmöglichkeiten in einer wissenschaftlichen Bibliothek in der Nutzung von Sekundärliteratur, die geeignet ist, Inhalte der alten Werke weiter zu entschlüsseln und eigene Fragen zu beantworten.

Ziel der Arbeit mit Schülern der Mittelstufe ist es vor allem, das Besondere am Buch in unserer multimedialen Zeit herauszustellen. Die Selbstständigkeit im Umgang mit Quellen und Sekundärtexten sowie das erweiterte Leseangebot mit Hilfe einer Bibliothek ist vor allem im Hinblick auf die Förderung individueller Begabungen, die ausdrücklich im Niedersächsischen Schulgesetz gefordert wird, bedeutsam.

Wer führt Schülerseminare durch?

Die Seminare werden von zwei vom Niedersächsischen Kultusministerium Beauftragten für die Vorbereitung und Durchführung der Wolfenbütteler Schülerseminare durchgeführt. Es sind dies zwei Gymnasialpädagogen mit der Unterrichtsfakultas Deutsch. Zurzeit wirken Herr Wilfried Seyfarth, Oberstudienrat mit den Fächern Deutsch und Politik sowie Frank Stuhlmann, Studienrat mit den Fächern Deutsch und ev. Religion als Beauftragte. Sie verabreden mit den Kursleitern / Lehrern der Kurse und Klassen das Thema, dessen Schwerpunkte sowie die Zielsetzung des Seminars. Sie bereiten entsprechende Einstiegsmaterialien vor, stellen diese in einem Handapparat zusammen und kommentieren diesen zu Beginn eines Seminars. In dessen Verlauf stehen sie zusammen mit dem Kursleiter den Schülern beratend zur Seite und lassen diesen viel Raum für Eigeninitiativen im Sinne der Hinführung zu selbstständigem Arbeiten. In einem Plenumsgespräch zum Abschluss des Seminars regen die bibliothekarischen Seminarleiter zur Reflexion über die im Schülerseminar gesammelten Erfahrungen an.

Die Seminarleiter organisieren zudem in enger Zusammenarbeit mit den musealen Abteilungen (Bibliotheca Augusta und Lessinghaus), der Handschriftenabteilung und der Restaurierwerkstatt der Herzog August Bibliothek auf das Seminarthema abgestimmte Führungen und Präsentationen. Auch das Museum im Schloss Wolfenbüttel wird auf Wunsch ergänzend einbezogen mit Führungen durch die herzoglichen Staatsappartements mit dem Schwerpunkt „Höfisches Leben und Kultur im 17. und 18. Jahrhundert“. Die Führungen können auch in Form eines originellen und anschaulichen Rundgangs mit einem Schauspieler in der Gestalt eines höfischen Tanzmeisters gebucht werden. Die Führungen in der HAB sind kostenlos, im Schloss fallen Eintrittsgebühren bzw. eine Kostenpauschale für die Tanzmeisterführung an.

 

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