Chronologische Übersicht

In der Bibliothek sind ca. 3500 Inkunabeln nachgewiesen. Sie stehen in den drei Hauptabteilungen in sachlichen Zusammenhängen; einen Sonderstandort für Inkunabeln gibt es nicht. Der Bestand setzt sich aus 2835 individuellen Ausgaben, 614 Mehrfachexemplaren und 30 Einblattdrucken zusammen. 2973 Drucke liegen in lateinischer Sprache vor, 229 in deutscher, 96 in niederdeutscher, 37 in italienischer, 16 in niederländischer, 12 in französischer, 6 in griechischer und einer in hebräischer Sprache. Die wichtigsten Druckländer sind Deutschland (2524 Drucke), Italien (584), die Niederlande (189) und Frankreich (65). Die Sammlung hat keine sachlichen Schwerpunkte: alle Fachgebiete sind gut vertreten. Zu den Kostbarkeiten des Bestandes gehören neben der 36zeiligen Bibel (1458-1459) die frühen Drucke von Albrecht Pfister (darunter Ulrich Boners Edelstein, 1461). ein Pergamentexemplar der Biblia Italica (1470) und der erste Druck in französischer Sprache, die Melusine (1478). Gebrauchsbücher und Volksbücher in deutscher und niederdeutscher Sprache sind ebenfalls in großer Zahl vorhanden (z. B. ein Kochbuch von 1484 und Reineke de vos, 1498). Neben den Inkunabeln sind in der Bibliothek 11 Xylographica überliefert (s.a. Sondersammlungen)

Aus dem 16. Jahrhundert sind 80.000 Drucke vorhanden. Sie finden sich im wesentlichen in der Bibliothek Herzog Augusts, in den Helmstedter Beständen, weniger in der Mittleren Aufstellung. Der Buchbestand aus dem 16. Jh spiegelt in seinem Reichtum die Universalität der Interessen der sammelnden Wolfenbütteler Fürsten (vor allem Herzog Julius und Herzog August) wider. Mit ca. 36.000 Drucken in deutscher Sprache liegt dieser Bestand, zu dem auch zahlreiche Flugschriften zur Reformation und zu den religiösen Auseinandersetzungen des 16. Jhs gehören, nur wenig unter der Zahl der Drucke in lateinischer Sprache (ca. 38.000). Der größte Teil wurde im deutschsprachigen Raum gedruckt (im VD 16 sind 59.000 Drucke aus dem Wolfenbütteler Bestand nachgewiesen). Das protestantische theologische Schrifttum überwiegt, aber auch Bücher aus dem katholischen Deutschland sind in großer Zahl zu finden. Historische, juristische und philologische Bücher in lateinischer Sprache stehen neben deutschen Gebrauchsbüchern (Kochbücher, Itinerare, Hausbücher etc.). Der Wolfenbütteler Bestand bietet ein umfangreiches Quellenmaterial zur Erforschung der europäischen Kultur des 16. Jhs.

Die ca. 150.000 Drucke des 17. Jahrhunderts bilden den Kernbestand der Wolfenbütteler Bibliothek. Die Barocksammlung wurde von den Fürsten - Herzog August und seinen Söhnen Rudolf August und Ferdinand Albrecht - aufgebaut. Die Schriften sind oft mit Provenienzvermerken und handschriftlichen Widmungen versehen und vielfach - ebenso wie die Drucke des 16. Jhs - zu Sammelbänden gebunden. Der Bestand enthält ca. 61.000 Drucke in deutscher Sprache (im VD 17 sind rund 110.000 Exemplare nachgewiesen). Die Sammlung bietet ausgezeichnete Möglichkeiten zur Erforschung des Barockzeitalters in allen seinen kulturellen Ausprägungen. Die gelehrte Literatur (65.000 lateinische Drucke) ist ebenso gut überliefert wie die populären deutschsprachigen Werke aus allen Wissensgebieten. Neben den wissenschaftlichen Hauptwerken aller Fächer sind auch Bücher für das praktische Leben vorhanden.

Der Bestand aus dem 18. Jahrhundert ist mit ca. 87.000 Drucken deutlich geringer als der aus dem 17. Jh. Der quantitative Schwerpunkt liegt bei der Literatur aus der ersten Jahrhunderthälfte, so dass die Sammlung, die wiederum alle Wissensbereiche umfaßt, eine sehr gute Basis für die Erforschung der Frühaufklärung darstellt. Die Literatur ab 1750 ist weniger gut repräsentiert.

Mehr als 22.000 Drucken aus der Zeit von 1800 bis 1830 stehen ca. 100.000 Drucke aus der Zeit von 1830 bis 1900 gegenüber, so dass das 19. Jh mit insgesamt etwa 122.000 Schriften gut vertreten ist. Die zahlreichen illustrierten deutschen, französischen und englischen Bücher des 19. Jhs dokumentieren den Quellenwert dieser Bestände ebenso wie die zahlreichen historischen, philologischen und theologischen Werke, die als ältere Forschungsliteratur noch heute unentbehrlich sind. (Für die Erforschung der Frühen Neuzeit steht heute die Sekundärliteratur aus dem 20. Jh in reichem Umfang zur Verfügung.)