Helmstedter

Die sogenannten ,.Helmstedter" umfassen die 1912/13 nach Wolfenbüttel überführten Bestände der ehemaligen Universitätsbibliothek Helmstedt, ausschließlich Werke, die vor 1810 erschienen sind. Der Bestand ist nicht identisch mit dem früheren Gesamtbestand der 1810 aufgehobenen Universitätsbibliothek Helmstedt: ein Teil, der im 19. Jh nach Wolfenbüttel abgegeben wurde, kam seinerzeit in die Mittlere Aufstellung, ein anderer Teil befindet sich noch heute im Juleum Helmstedt, weitere Teile gelangten 1810 nach Marburg und Göttingen. Der hier zu beschreibende separate Bestand umfaßt ca. 58.000 Titel in 19.370 Buchbinderbänden (910 laufende Meter). Die Aufstellung erfolgte nach der alten Systematik in 18 Sachgruppen mit vielen Untergruppen, die auch der folgenden Beschreibung zugrunde gelegt ist. Drei weitere Abteilungen für Restbestände wurden später in Wolfenbüttel eingerichtet.

  • Theologie
    • Codices Biblici (A)
    • Apparatus Biblicus (B)
    • Commentatores in Sancta Scriptura et Exegetici (C)
    • Patres Ecclesiae (D)
    • Scholasticorum Opera (E)
    • Lutheri Scripta (F)
    • Theologia dogmatica et moralis (G)
    • Sermones (J)
    • Confessiones, Responsa et Consilia (K)
    • Historia ecclesiastica (S)
  • Jurisprudenz (L)
  • Medica (M)
  • Mathematica (N)
  • Philosophia. Politica und Oeconomica (O)
  • Philologie (P)
  • Historia Litteraria (Q)
  • Quodlibetica Helmstadiensia (QuH)
  • Geschichte (T)
  • Varia (Y)
  • Helmstedter Drucke



Theologie (A-K, S): ca. 24.000 Titel. Es handelt sich um eine bedeutende Sammlung insbesondere lutherischer, aber auch (kontroverstheologisch interessanter) calvinistischer und römisch-katholischer Literatur. Die Gliederung folgt der im späteren 18. Jh üblich gewordenen Systematik; Schwerpunkte liegen, der Helmstedter Eigenart entsprechend, in der Literarhistorie und in der apologetischen bzw. irenischen Dogmatik. Die Helmstedter Theologen, etwa Tileman Heßhusen, Daniel Hofmann. Georg Calixt und Konrad Hornejus, sind einigermaßen vollständig gesammelt, aber nicht nur hier aufgestellt.

Die Gruppe Codices Biblici (A) umfaßt ca. 650 polyglotte, hebräische, griechische, lateinische, deutsche sowie niederländische, französische, italienische, spanische, polnische und tschechische Bibeln, Psalterien und Neue Testamente vom 16. Jh bis ins ausgehende 18. Jh. Gesammelt wurde besonders unter dem philologischen Gesichtspunkt.

Unter Apparatus Biblicus (B) sind ca. 1000 Konkordanzen. Lexika und philologische Werke (Critica sacra) sowie die Historia Biblica, d. h. die biblische Realienkunde zusammengefaßt. Es handelt sich in der Regel um lateinische, die gelehrte Exegese des 16. bis 18. Jhs repräsentierende Werke.

Im Bereich Commentatores in Sancta Scriptura et Exegetici (C) liegen ca. 3000 Kommentare zum Alten Testament, zum Neuen Testament, zu den Evangelien und Episteln im ganzen und zu einzelnen Teilen wie der Passions- oder Emmausgeschichte vor. In der Mehrzahl sind es zeitgenössische lateinische Exegesen, aber auch deutsche Auslegungen und Predigten.

Die Sammlung Patres Ecclesiae (D) enthält ca. 700 Ausgaben der griechischen und der lateinischen Kirchenväter des 1. bis 15. Jhs bzw. des 3. bis 12. Jhs, insbesondere die großen Gesamtausgaben des 16. bis 18. Jhs. sowie frühneuzeitliche Literatur zur Rezeption der Patristik.

Etwa 800 lateinische Drucke, insbesondere des 17. und 18. Jhs umfaßt die Gruppe Scholasticorum Opera (E). Vorhanden ist ein erstaunlich reichhaltiger Bestand an scholastischer Theologie des 11. bis 15. Jhs, der nach protestantischem Usus separat gestellt wurde.

Unter Lutheri Scripta (F) sind ca. 60 Bde eingeordnet, ein Restbestand an Lutherschriften exegetischer, homiletischer und polemischer Natur (weitere Lutherschriften in den Sachgruppen G, H und J).

Im Bereich der Theologia dogmatica et moralis (G) liegen ca. 2000 Werke (lateinischer) dogmatischer und (lateinischer und deutscher) ethischer, moralischer, asketischer, mystischer und kasuistischer Literatur katholischer und protestantischer Autoren des 16. bis 18. Jhs vor. Hinzu kommen in einer eigenen Gruppe (H) weitere ca. 2200 Titel der im engeren Sinne dogmatischen und polemischen Literatur, der christlichen Apologetik und der Irenik (ab dem ausgehenden 16. Jh). Auch Schriften der einzelnen Konfessionen und Sekten (außer christlichen auch jüdische und islamische) gehören zu diesem Bestand.

Unter Sermones (J) wurden ca. 4500 Titel homiletischer, katechetischer, symbolischer und allgemein pastoraler Literatur gesammelt, vor allem (deutsche, einige englische) Predigten und Predigtsammlungen.

Im Bereich Confessiones, Responsa et Consilia (K) sind ca. 1200 kirchenpolitische Werke vorhanden, neben Bekenntnissen und Kirchenordnungen insbesondere theologische Briefe und Gutachten.

Die Gruppe Historia ecclesiastica (S) enthält ca. 2100 Titel, die nach Gebieten und Zeiten gegliedert sind. Neben den kirchengeschichtlichen Werken ist eine Sammlung von Büchern für den Gottesdienst in lateinischer und deutscher Sprache sowie in anderen Landessprachen vorhanden.

Jurisprudenz (L): ca. 2900 Titel (zusammenfassende Beschreibung s. Mittlere Aufstellung).

Die Gruppe Medica (M) stellt einen Restbestand von 127 Titeln medizinischer und naturwissenschaftlicher Werke des 16. bis 18. Jhs dar, darunter zahlreiche Paracelsus-Drucke. Diese wurden in die Beschreibung der Gruppe Medica der Augusteer einbezogen.

Mathematica (N): 825 Titel aus dem 16., 17. und 18. Jh in lateinischer, deutscher, französischer und italienischer Sprache. Der Bestand setzt sich aus Werken der exakten Wissenschaften zusammen: Geometrie, Arithmetik. Algebra, Optik, Mechanik, Astronomie. Vorhanden sind auch populäre Rechen- und Kaufmannsbücher, astrologische Werke (Prognostiken, Praktiken), Literatur zur zivilen und Militärbaukunst, zur Kriegswissenschaft und Reitkunst. Die ursprünglich hier eingeordneten musikalischen Werke wurden unter der Bibliotheksleitung von Erhart Kästner ausgegliedert.

Philosophia. Politica und Oeconomica (O): ca. 1600 Titel. Zur Philosophie sind allgemeine Schriften (ca. 300 Bände) sowie Literatur zur Logik (ca. 280 Bände) und zur Metaphysik (ca. 130 Bände) vorhanden. Auf Pädagogik entfallen ca. 35 Bände, auf die Praktische Philosophie und das Natur- und Völkerrecht ca. 50 Bände, auf Moralphilosophie ca. 200 Bände. Außerdem liegt eine Sammlung philosophischer Dissertationen (ca. 100 Bände) vor. Das Fach Politik setzt sich zusammen aus allgemeinen Schriften (ca. 230 Bände), Werken über Institutionen und Fürstenspiegeln (ca. 100 Bände), Büchern zur praktischen Politik (ca. 25 Bände), zu öffentlichen Angelegenheiten (ca. 120 Bände) und zur Hoflehre (ca. 50 Bände, in lateinischer, deutscher, französischer und italienischer Sprache). Die Sammlung von Oeconomica enthält Werke zur Landwirtschaft, Gartenbaukunde und zur Haustierpflege; ferner Lexika und Handbücher zu Handel, Handwerk und Ökonomie und zu den Kameralwissenschaften (vor allem aus dem 18. Jh) sowie Werke zur Forstwirtschaft mit besonderem Schwerpunkt auf Baumpflege (ca. 135 Bände).

Philologie (P): ca. 4300 Drucke des 16. bis 18. Jhs, vorwiegend in Latein. Der Bestand umfaßt antike und neuere Literatur und zeichnet sich durch ein breites Spektrum an Gattungen und an Autoren aus: antike Klassiker, Humanisten (viele Schriften von Erasmus, Lipsius, Hutten), Neulateiner und Vertreter des Barock und der Aufklärung. Insgesamt nimmt die schöne Literatur nur einen verhältnismäßig geringen Raum innerhalb dieser Gruppe ein, die philologische Literatur im weitesten Sinn enthält, von Grammatiken, Wörterbüchern und Rhetoriken bis zu Leichenpredigten und Unterrichtswerken. Darunter befinden sich rund 300 deutsche Drucke des Barock. Vertreten sind die bekannten Barockautoren Albertinus, Michael Albinus, Gryphius, Hunold, J. C. Lünig, Daniel Meisner, Moscherosch, Opitz, Georg Rollenhagen, Christian Weise u. a.

Historia Litteraria (Q): ca. 2000 Titel des 17. und 18. Jhs. Bestandsschwerpunkte sind u. a. die Literär-, Buch- und Universitätsgeschichte, meist das Deutsche Reich betreffend, die Gelehrtengeschichte, Biographien von Gelehrten und Leichenpredigten auf Gelehrte, die Methodik des Universitätsstudiums. Quellenschriften zur Geschichte einzelner deutscher Universitäten (Helmstedt, Jena, Leipzig. Halle u. a.), darunter akademische Gelegenheitsschriften (420 Einblattdrucke unter den Signaturen). Weiterhin vorhanden sind gelehrte Zeitungen und kritische Zeitschriften des 18. Jhs, Bibliographien, Messe- und Verlagskataloge sowie Kataloge von Privatbibliotheken.

Quodlibetica Helmstadiensia (QuH): ca. 1750 Titel, im wesentlichen aus dem 15. und 16. Jh in Latein, Deutsch und Niederdeutsch. Die Gruppe enthält Literatur aus allen Wissensgebieten. Schwerpunkte bilden kleine theologische Schriften (niederdeutsche Erbauungsbücher, Reformationsdrucke, Kleinschrifttum in lateinischer Sprache), Klassische Philologie und humanistische neulateinische Literatur. Hervorzuheben ist eine bedeutende Sammlung populärer Werke des 16. Jhs. teilweise in Niederdeutsch (Lieder, Komödien, Arznei-, Bade-, Rechen- und Kochbücher etc.) und eine Sammlung "Neuer Zeitungen'' und "Neuer Lieder" (teilweise niederdeutsch).

Geschichte (T): 4640 Titel, überwiegend des 16. und 17. Jhs. Der Bestand setzt sich zusammen aus Quelleneditionen (Chroniken), Reichstagsabschieden. Literatur zu den Historischen Hilfswissenschaften (vorwiegend Paläographie und Diplomatik), zur Reichsgeschichte, zur Geschichte einzelner europäischer Staaten (wie im Augusteer-Bestand ist die französische Geschichte in besonderem Umfang vertreten), zur Landes- und Stadtgeschichte einschließlich rechtsgeschichtlicher Abhandlungen sowie aus Americana. Bemerkenswert sind zahlreiche Sammelbände mit Flugschriften zur Reformation, zu den Türkenkriegen und zum Dreißigjährigen Krieg (mit viel Material zur Geschichte Niedersachsens). Die Personengeschichte ist durch Sammelbände mit Gelegenheitsgedichten und Leichenpredigten repräsentiert. Neben den historischen Disziplinen im engeren Sinn umfaßt die Gruppe auch Geographica (Kosmographien, Atlanten, Sammelbände mit Reisebeschreibungen), Werke aus dem Gebiet der Altertumswissenschaften (Archäologie. Epigraphik, Geschichte Griechenlands und Roms) und der Staatsrechtslehre. Schließlich ist auf eine Reihe umfangreicher Sammelbände mit Dissertationen vornehmlich von Professoren der Universität Leipzig hinzuweisen, deren Themen ein breites - über die Geschichtswissenschaft hinausgehendes - Spektrum umfassen.

Varia (Y): ca. 11.000 Titel. Es handelt sich um eine Restgruppe mit ursprünglich meist ungebundenen Schriften aus der Helmstedter Bibliothek. Die Untergruppen YA-YT (ca. 1800 Schriften) sind Nachträge zu den oben beschriebenen Gruppen der Helmstedter Bibliothek, vor allem theologische, historische und philologische Werke. Die Gruppe Yv (ca. 6000 Schriften) enthält fast ausschließlich kleine theologische Schriften des 16. und 17. Jhs, zum größten Teil Reformationsschriften und Erbauungsbücher in deutscher Sprache. Die Gruppe Yx (ca. 3500 Schriften) umfaßt ausschließlich Universitätsschriften (Dissertationen, Disputationen, Programme, Thesen, Reden etc.) in lateinischer Sprache aus dem 17. und 18. Jh.

Helmstedter Drucke: ca. 10.000 meist in Helmstedt gedruckte Titel, fast ausschließlich in Latein. Zahlreich überliefert sind Helmstedter Universitätsschriften (Programme, Dissertationen, Disputationen, Einladungsschriften, Glückwunschdrucke, Leichenpredigten, Reden, Vorlesungsverzeichnisse etc.) aus dem 17., 18. und frühen 19. Jh.