Bestandsbeschreibung

Erwerbungsgeschichte: Der Grundbestand stammt aus den Bibliotheken der Herzöge von Braunschweig-Lüneburg in Wolfenbüttel. Die ältere Wolfenbütteler Bibliothek (Bibliotheca Julia), in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts von Herzog Julius (1528-1589) angelegt, fortgesetzt von Herzog Heinrich Julius, 1618 von Herzog Friedrich Ulrich an die Universität Helmstedt überwiesen. Die Bibliotheca Augusta 1604 in Hitzacker (Elbe) vom zweiten Bibliotheksgründer Herzog August d. J. (1579-1666) begonnen und 1644 nach Wolfenbüttel überführt. 1815 Rückkehr des stark vermehrten Handschriftenbestandes aus Helmstedt. Größere geschlossene Erwerbungen besonders im 17. und 18. Jahrhundert (Codices Weissenburgenses, Gudiani, Blankenburgenses), daneben laufender Bestandsaufbau, meist Einzelerwerbungen, mit universaler Ausrichtung bis heute.

Aufstellung: Die Trennung der Handschriften von den Drucken erfolgte unter Herzog August. Die Sammlung umfasst neun Haupt- und mehrere Nebengruppen, überwiegend nach Provenienzen.

Hauptgruppen

In den Hauptgruppen sind mittelalterliche und neuere Handschriften gemischt und inhaltlich nicht unterschieden. Die Aufstellung innerhalb der Gruppen Augusteer und Novissimi erfolgt nach der Größe.

Verzeichnung: Theodor Thies, Catalogus librorum manuscriptorum Bibliothecae Augustae generalis (handschriftliches Gesamtregister aus dem Jahr 1844). - Gedruckte Handschriftenkataloge seit 1884; seit 1964 moderne Katalogisierung nach Richtlinien der DFG. Sonderaufgabe: Handschriftenzentrum zur Erschließung der mittelalterlichen Handschriften in Nordwestdeutschland seit 1972.

Katalogreihe: Die Handschriften der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel, Bd. 1, 1884ff. (ab 1964 fortgesetzt mit fortlaufender Zählung als Kataloge der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel. Die neue Reihe) (= Kataloge). Dazu Sonderbände: Bd. 1, 1972 ff. [Liste der digitalisierten Kataloge]

Literatur zu den schönsten und kostbarsten Stücken der Sammlung: Peter Ganz, Wolfenbütteler Cimelien. Das Evangeliar Heinrichs des Löwen in der Herzog August Bibliothek, Weinheim 1989 (Ausstellungskataloge der Herzog August Bibliothek 58). - Helmar Härtel, Tradition als Herausforderung. Zimelien aus den Sammlungen der Herzog August Bibliothek. Eine Führung von der Spätantike bis zur Reformation (Ausstellungskatalog der Herzog August Bibliothek 87), Wolfenbüttel 2007.

Nebengruppen

Die nachfolgend aufgeführten Handschriftengruppen der Herzog August Bibliothek bilden keine eigene Bestandsgruppe, sie verteilen sich vielmehr auf die oben genannten Gruppen.

Altdeutsche Handschriften: Friedrich Adolf Ebert, Blicke in die Manuscripten-Cabinette der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel. 2. Besuch: Die altdeutschen poetischen Handschriften, in: Überlieferungen zur Geschichte, Literatur und Kunst der Vor- und Mitwelt, hrsg. von F. A. Ebert, Bd. 1, Stück 2, Dresden 1826, S. 33-48.

Altfranzösische Handschriften: Friedrich Adolf Ebert, Blicke in die Manuscripten-Cabinette der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel. 1. Besuch: Die altfranzösischen Handschriften, in: Überlieferungen zur Geschichte, Literatur und Kunst der Vor- und Mitwelt, hrsg. von F. A. Ebert, Bd. 1, Stück 1, Dresden 1826, S. 140-195.

Deutschsprachige Handschriften des Mittelalters werden im Online-Repertorium Handschriftencensus verzeichnet (derzeit knapp 700 Einträge).

Griechische Handschriften: Mit über 100 griechischen Handschriften besitzt die Herzog August Bibliothek nach Berlin und München vor Dresden, Leipzig und Tübingen den drittgrößten Fonds in Deutschland. Die meisten griechischen Handschriften sind unter den Gudiani graeci zu finden, das älteste Stück jedoch unter den Helmstedter Handschriften (Cod. Guelf. 75a Helmst., aus dem 6./7. Jh.). Lit.: Bibliothecae Guelferbytanae codices graeci et latini classici, rec. F.A. Ebert, Lipsiae 1827; Dieter Harlfinger, Griechische Handschriften und Aldinen, Wolfenbüttel 1978 (Ausstellungskatalog der Herzog August Bibliothek 24); Graecogermania. Griechischstudien deutscher Humanisten, Weinheim 1989 (Ausstellungskataloge der Herzog August Bibliothek 59)

Hebräische Handschriften: Insgesamt finden sich 14 Codices und 4 Sammelbände mit Einbandfragmenten. - Mikrofilme dieser Handschriften können am Institute of Microfilmed Hebrew Manuscripts der Jewish National and University Library in Jerusalem eingesehen werden.

Verzeichnung: Ernst Róth, Hebräische Handschriften, Teil 2 (Verzeichnis der orientalischen Handschriften in Deutschland, Bd. 6,2), Wiesbaden 1965, S. 400-411. - State of Israel, Ministry of Education and Culture, Reshimat tatslume kitve ha-yad ha-Ivriyim ba-Makhon [= List of Photocopies in the Institute (hebr.)], part I:Kitve ha-yad be-sifriyot Ostriyah ve-Germaniyah [Hebrew Manuscripts in the Libraries of Austria and Germany], hrsg. von Nehemyah Allony und D.S. Löwinger, Beilage zu Ba-hinukh uva-tarbut, Jerusalem, Government Printing Press, 1957, S. 41-42, nos. 537-549. - Friedrich Adolf Ebert, Catalogus codicum manuscriptorum orientalium Bibliothecae Ducalis Guelferbytanae, Lipsiae 1831 [Online-Version].

Die hebräischen und jiddischen Drucke der Herzog August Bibliothek wurden in einem eigenen Katalogisierungsprojekt erschlossen.

Historische Handschriften: Friedrich Adolf Ebert, Handschriften der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel zur älteren deutschen Geschichte, in: Archiv der Gesellschaft für ältere deutsche Geschichtskunde 6 (1831), S. 1-34 und Nachtrag ibid. 7 (1839), S. 221-226.

Lateinische Handschriften vor 800: Elias A. Lowe, Codices Latini antiquiores. A palaeographical guide to latin manuscripts prior to the ninth century, Bd. 9: Germany. Maria Laach - Würzburg, Oxford 1959, Nr. 1374-1396.

Lateinische Handschriften des 9. Jahrhunderts: Bernhard Bischoff, Katalog der festländischen Handschriften des 9. Jahrhunderts, Bd. 3: Padua - Zwickau, aus dem Nachlass hrsg. von Birgit Ebersperger, Wiesbaden 2014, S. 499-512

Mathematische Handschriften: M. Folkerts, Mittelalterliche mathematische Handschriften in westlichen Sprachen in der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel. Ein vorläufiges Verzeichnis, in: Centaurus 25 (1981), S. 1–49

Mittelniederdeutsche Handschriften: C. Borchling, Mittelniederdeutsche Handschriften in Wolfenbüttel und einigen benachbarten Bibliotheken (Dritter Reisebericht), Göttingen 1902 (Nachrichten von der Kgl. Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen, Philologisch-historische Klasse 1902, Beiheft)

Orientalische Handschriften: Das 1831 erstellte Verzeichnis der orientalischen Handschriften der Wolfenbütteler Bibliothek umfasst 142 Nummern. Darunter befinden sich neben den hebräischen Handschriften (siehe oben) 78 arabische, 28 türkische, 13 chinesische, 10 persische und 3 syrische Handschriften.

Verzeichnung: Friedrich Adolf Ebert, Catalogus codicum manuscriptorum orientalium Bibliothecae Ducalis Guelferbytanae, Lipsiae 1831 [Online-Version]. Zu den chinesischen Handschriften vgl. Hartmut Walravens, Zur Wolfenbütteler Sinica-Sammlung, in: Wolfenbütteler Beiträge 11 (1998), S. 145-172.

Palimpseste (Codices rescripti): Friedrich Adolf Ebert, Verzeichnis der bisher untersuchten Wolfenbütteler codicum rescriptorum, in: F. A. Ebert, Zur Handschriftenkunde, Bd. 1, Leipzig 1825, S. 79-85.

Slavische Handschriften: Im Katalog der slavischen Handschriften in Bibliotheken der Bundesrepublik Deutschland, bearb. von Elke Matthes, Wiesbaden 1990, finden sich auf S. 171-185 unter Nr. 214-229 Beschreibungen von 16 Handschriften der Herzog August Bibliothek. Vgl. auch Aleksandr S. Myl'nikov und Wolfgang Milde, Handschriftliche Slavica der Herzog August Bibliothek, in: Wolfenbütteler Beiträge 7 (1987), S. 79-114.

Spanische Handschriften: Eine Zusammenstellung auf der Grundlage von Otto von Heinemanns Katalogen bietet José Vives, Manuscritos hispánicos en bibliotecas extranjeras. Biblioteca di Wolfenbüttel, in: Hispania sacra. Revista de historia eclesiástica 3 (1950), S. 421-430