Historische Karten

Die Kartensammlung lässt sich bis in die Anfänge der Bibliothek zurückverfolgen und ist seitdem kontinuierlich gewachsen. Der älteste Bestand findet sich unter der Bezeichnung mappae schon im Katalog der Bibliotheca Julia von 1613/14 verzeichnet. Heute besitzt die HAB über 4500 lose Kartenblätter, die die eigentliche Kartensammlung bilden. Hinzu kommen ca. 120 Atlanten, die bei den Druckschriften aufgestellt sind. Unter den losen Stücken finden sich überaus kostbare und seltene Karten, etwa die auf Pergament gezeichneten portugiesischen, spanischen und italienischen Portulankarten oder gedruckte Wandkarten des 16. Jahrhunderts mit den ältesten und einzig erhaltenen Exemplaren ihrer Art: die Karte des Heiligen Römischen Reiches von Christoph Pyramius (Kupferstich, Brüssel 1547), die Rheinkarte von Caspar Vopelius (Köln 1555), die "Caerte van Oostland" des Cornelis Anthonisz (Amsterdam, um 1560) und viele andere mehr.

Ein besonderer Wert der Sammlung liegt auch in den reichen regionalen Beständen. Entsprechend dem Schwerpunkt der fürstlichen Sammeltätigkeit sind die Gebiete des Herzogtums Braunschweig-Lüneburg und die der angrenzenden Territorien gut vertreten. Auf diese Region entfällt von den rund 950 Karten, die Gebiete des alten deutschen Reiches abbilden, etwa die Hälfte. Von den großen europäischen Ländern sind Italien mit 98 und Frankreich mit 82 Karten am reichsten vertreten, bemerkenswert ist auch der Bestand von 49 Karten über Russland und Sibirien nebst 23 von Polen und dem Baltikum - darunter auch die erste gedruckte und als Unicum erhaltene Russlandkarte des Danziger Kartographen Anton Wied von 1555. Reichen Zuwachs erfuhr der Bestand 2012 durch die Schenkung von über 400 Karten Griechenlands und des östlichen Mittelmeers (Sammlung Wagner). Die Zahl der Karten nichteuropäischer Länder, einschließlich von Darstellungen der Alten Welt, ist mit 286 Blättern verhältnismäßig gering, den weit überwiegenden Teil daran haben Nordafrika, Palästina, die Türkei und der Vordere Orient.

Verzeichnung: Erschlossen wird die Kartensammlung durch einen Katalog in Karteiform, der aus drei Teilen besteht: Systematischer Katalog, Schlagwortkatalog, Personenkatalog. Standort des Katalogs: Bibliotheca Augusta, Lesesaalauskunft. - Der Bestand wird fortlaufend in die Altkartendatenbank IKAR eingearbeitet, wo derzeit knapp 2000 Karten der HAB nachgewiesen sind.

Globen

Die Bibliothek besitzt ferner zehn Globen aus dem 16. bis 18. Jahrhundert, wovon der älteste im Jahr 1541 aus Gerhard Mercators Werkstatt hervorgegangen ist. Vom Ende des 16. Jahrhunderts stammen zwei große, Erde und Himmel darstellende Globen eines unbekannten Meisters, die aufwendig aus Holz gefertigt und prächtig mit Ölfarben bemalt sind; Herzog Heinrich Julius soll sie in Prag erworben haben; sie gehörten ehemals der Helmstedter Universität. Weitere Globen stammen aus den Niederlanden (Willem Janszoon Blaeu und sein Sohn Joan sowie Gerhard Valck) und aus Nürnberg (Johann Gabriel Doppelmayer). Im Globenkabinett der Bibliotheca Augusta sind fünf Globen ausgestellt.

Literatur: Yorck Alexander Haase, Alte Karten und Globen in der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, Wolfenbüttel 1972 (Kleine Schriften der Herzog August Bibliothek 3). - Arend Lang, Das Kartenbild der Renaissance. Ausstellung vom 10. Mai bis 27. September 1977, Wolfenbüttel 1977 (Ausstellungskataloge der Herzog August Bibliothek 20). - Christian Heitzmann, Europas Weltbild in alten Karten. Globalisierung im Zeitalter der Entdeckungen, Wolfenbüttel 2006 (Ausstellungskataloge der Herzog August Bibliothek 85).