Herzog Heinrich Julius (1564-1613) zum 400. Todestag

Aus Anlass des 400. Todestages von Herzog Heinrich Julius von Braunschweig-Lüneburg (1564-1613) zeigte die Herzog August Bibliothek vom 6. Oktober bis 29. November im Malerbuchsaal der Bibliotheca Augusta eine illustrative Ausstellung im Rahmen dieses Jubiläums.

Heinrich Julius, Herzog von Braunschweig-Lüneburg und Fürst von Braunschweig-Wolfenbüttel setzte mit eigenen Akzenten das landesherrliche Reformprogramm seines Vaters Herzog Julius fort. Darüber hinaus war er juristisch, naturwissenschaftlich und literarisch außerordentlich aktiv. Außerdem förderte Heinrich Julius Musiker, Gelehrte und Theaterleute. So engagierte er unter anderem eine englische Schauspielgruppe, die sich über mehrere Jahre in Wolfenbüttel niederließ und für Hof und Volk spielte. Damit gilt Heinrich Julius als Initiator des ersten festen Theaters in Deutschland mit Sitz in Wolfenbüttel.

Das politische Engagement des bedeutenden Fürsten der Spätrenaissance beschränkte sich nicht auf die eigenen Landesgrenzen. Reichsweit übte er Einfluss aus und verbrachte als Vertrauensmann von Kaiser Rudolf II. (1552-1612) einen Großteil seiner Zeit am Prager Hof. Dort betrieb er im Dienste des Kaisers Reichspolitik und stieg kurz vor seinem Tod zum Direktor des Geheimen Rats auf. Am 20. Juli 1613 verstarb Heinrich Julius in Prag. Während Hirn und Organe in Prag bestattet wurden, überführte man seinen Leichnam nach Wolfenbüttel. Dort fand Heinrich Julius seine letzte Ruhestätte in der neu erbauten Gruft der Hauptkirche Beatae Mariae Virginis.

Die Ausstellung anlässlich des 400. Todestages von Herzog Heinrich Julius bestach nicht durch eine Vielzahl an Exponaten, sondern vielmehr durch die Qualität des Gezeigten: Dem Besucher offenbarte sich die Thematik rund um den Tod des Fürsten von Braunschweig-Wolfenbüttel in zwei besonderen Objekten. Zu sehen waren zum einen Auszüge aus einem Holzschnitt, der den Leichenzug zum Begräbnis von Herzog Heinrich Julius am 4. Oktober 1613 darstellt. Die Holzschnittblätter zeigen den Trauerzug, der von der Wolfenbütteler Schlosskapelle zur Marienkirche führte. Zu sehen sind Angehörige des Herzoghauses, Vertreter auswärtiger Fürsten, die Spitzen des Klerus, der Adel und Abgesandte der Städte im Herzogtum, sowie eine Vielzahl an Hofbediensteten und Dienern. Bedeutende Persönlichkeiten wie die männlichen Angehörigen des Verstorbenen, der Oberhofprediger Basilius Sattler und der Kapellmeister Michael Praetorius sind mit ausdrucksstarken Gesichtszügen porträtiert. Autor dieses Holzschnittes ist der herzogliche Buchdrucker Elias Holwein, der Herzog Heinrich Julius ein Jahr nach seinem Ableben den insgesamt 83 Blätter großen Holzschnitt widmete.

Die Herzog August Bibliothek zeigte neben dem Holwein`schen Holzschnitt einen beeindruckenden Stich in 2,5 Meter Größe aus dem Jahr 1618, auf dem eine Ansicht der Stadt Prag zur Blütezeit unter Kaiser Rudolf II. abgebildet ist. Das Motiv geht auf den Brabanter Zeichner Philipp van den Bossche zurück. Van den Bossche genoss seit 1604 den Titel eines kaiserlichen Seidenstickers (phrygiarius) und gehörte wohl zur in ganz Europa renommierten Künstlergemeinschaft, die Kaiser Rudolf II. in Prag um sich scharte. Den Stich gefertigt hat Hans Wechter. Die im großformatigen Exponat im Vordergrund der Stadtansicht dargestellte Szenerie und Vegetation erinnert an den Stil der Prager Landschaftsmalerei, die am Hofe Rudolfs II. unter niederländischem Einfluss kultiviert wurde. Das Wolfenbütteler Exemplar des Prag-Stiches ist das einzige bekannte der Neuauflage, die unter Verwendung der originalen Platten in Amsterdam erschien.