Kriegsdeutungen im Künstlerbuch

Otto Dix: Sterbender Soldat, aus:
Der Krieg, Berlin 1924

"Kriegsdeutungen im Künstlerbuch" lautete der Titel der Malerbuchausstellung in der Herzog August Bibliothek, die vom 21. Februar bis 18. Mai 2014 präsentiert wurde. Im Malerbuchsaal der Bibliotheca Augusta waren ausdrucksstarke Werke namhafter Künstler zu sehen.

 

Der bis heute trotz zahlreicher Deutungsversuche vorherrschenden Sprachlosigkeit angesichts der Kriegsereignisse seit 1914 sollten in einer Auswahl aus dem reichen Wolfenbütteler Bestand an Künstlerbüchern unterschiedlichste Positionen zum Thema Krieg gegenübergestellt werden.

„Der Krieg bricht los“ rufen die Dichter im August 1914, und nicht nur Emil Ludwig schreibt von den „großen Tagen“, sondern von einer großen Zeit sprechen auch Max Weber und der Komponist Arnold Schönberg.

Karl Kraus fasst dies unter dem Titel „In dieser großen Zeit“ zusammen und kommentiert im Dezember 1914: „Noch nie vorher hat es einen so stürmischen Anschluß an die Banalität gegeben und die Aufopferung der führenden Geister ist so rapid, daß der Verdacht entsteht, sie hätten kein Selbst aufzuopfern gehabt, sondern handelten vielmehr aus der heroischen Überlegung, sich dorthin zu retten, wo es jetzt am sichersten ist: in die Phrase.“

Felix Martin Furtwängler:
Kriegsmale, Berlin 2009

Unter den Ausstellungsstücken befanden sich unter anderem die schonungslosen Zeugnisse in Otto Dix‘ herausragender Radierfolge „Der Krieg“ (1924) und „Klabunds Kleines Bilderbuch vom Krieg“ mit Illustrationen von Richard Seewald (1914) sowie Arbeiten von Erich Erler (1915), Max Beckmann (1943), Frans Masereel (1946), Roland Dörfler (1946), Felix Martin Furtwängler (1987), Ken Campbell (1989), Barbara Fahrner (2001) und Mimi Gross (2005).

Den Flyer zur Ausstellung finden Sie hier.