Reformstau im 15. Jahrundert – Kirche und Welt vor der Reformation

6. März bis zum 28. August 2011 in der Augusteerhalle und der Schatzkammer der Bibliotheca Augusta

Im Jahr 2017 wird das 500jährige Reformationsjubiläum begangen. Mit der Epoche machenden Veröffentlichung von Martin Luthers 95 Thesen gegen den Ablass begann am 31. Oktober 1517 eine neue Zeit. Aber die Reformation war nicht voraussetzungslos. Ihre Protagonisten waren in Denken und Handeln von Vorstellungen geprägt, die im Weltbild und in der Religiosität des ausgehenden Mittelalters verwurzelt waren. Die Ausstellung nimmt den erstaunlichen Reformwillen im Jahrhundert vor der Reformation in den Blick – auf eine Welt im Wandel, tief geprägt von einer scheinbar uniformen Kirchlichkeit und voller Hoffnungen und Ängste, Bildungsbegeisterung und Jenseitsbezogenheit.

Der von Gutenberg um 1450 erfundene Buchdruck und die Entwicklung druckgraphischer Techniken wie Holzschnitt und Kupferstich machten eine ungeahnte Verbreitung von Wissen und Informationen möglich. Die Geistlichkeit verlor mehr und mehr ihre Vorrangstellung, die Qualifikation und Eignung der Theologen, Prediger und Pfarrgeistlichen wurde mit strengeren Maßstäben gemessen.

Die Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen stellte der Herzog August Bibliothek den zweiten Band ihrer Gutenbergbibel für drei Monate für die Ausstellung zur Verfügung. Das Göttinger Exemplar der um 1454 gedruckten Bibel zeichnet sich dadurch aus, dass es auf Pergament gedruckt ist und die Buchanfänge durch besonders kunstvolle Buchmalerei hervorgehoben werden. Nach Göttingen gelangte es, als die Universitätsbibliothek in Helmstedt 1809/10 aufgelöst wurde. Als Besitz des Herzogs Julius war sie seit 1587 Bestandteil der herzoglichen Bibliothek in Wolfenbüttel und kam 1618 als Geschenk Herzog Friedrich Ulrichs mit der gesamten Bibliotheca Julia an die Universität Helmstedt.

In der Ausstellung waren unter anderem die erste gedruckte Bibel in deutscher Sprache (1466), eine in Rom ausgestellte Ablassurkunde für die Pfarrkirche St. Andreas in Braunschweig (1475), Martin Luthers „Thesen gegen die scholastische Theologie“ sowie die Göttinger Gutenbergbibel (1454; Leihgabe der Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen) zu sehen.