Rosenkränze und Seelengärten – Bildung und Frömmigkeit in niedersächsischen Frauenklöstern

Sitzmadonna aus der ehemaligen Stiftskirche des
Augustiner-Chorfrauenstifts Dorstadt (um 1480/90).
Die große Lilienkrone kennzeichnet diese als Himmelskönigin

„Rosenkränze und Seelengärten – Bildung und Frömmigkeit in niedersächsischen Frauenklöstern“ ist der Titel der neuen Sonderausstellung, die am Sonntag, 3. März 2013, um 11.30 Uhr in der Augusteerhalle der Bibliotheca Augusta eröffnet wurde.

Spuren in Jahrhunderte alten Dokumenten geben oft überraschende Einblicke in die gemeinschaftsorientierte Lebenswelt der Nonnen. Dazu gehören vor allem die Hand- und Druckschriften aus den historischen Büchersammlungen der Frauenklöster, die in den letzten Jahren intensiv erforscht wurden und jetzt erstmals öffentlich zu sehen sind.

Zur Ausstellungseröffnung begrüßte Helwig Schmidt-Glintzer, Direktor der Herzog August Bibliothek. Tobias Henkel, Direktor der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz, sprach ein Grußwort. Anschließend sprach Susanna Schmidt, Ministerialdirigentin vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Die Klöster waren Orte einer vielfältigen Frömmigkeitspraxis, deren Ausgestaltung sich aus dem Zusammenspiel ausgewählter Medien und Praktiken ergab. Dies waren zum Beispiel der gemeinsame Gottesdienst, Prozessionen oder die persönliche Andacht. Deshalb sind zusätzlich zu den Büchern weitere wertvolle Objekte aus den ehemaligen Kirchenschätzen zu sehen.

Frauenbildung fand im Mittelalter fast ausschließlich in den Klöstern statt. Die Ausbildung der Novizinnen bereitete auf ein Leben vor, in dem Kenntnisse im Schreiben und Lesen sehr wichtig waren. Neben der Landessprache gehörte dazu auch die Beherrschung des Lateinischen. Begabte Mädchen erlernten außerdem praktische Fähigkeiten, darunter den für Frauenkonvente typischen Klosterstich, und entwarfen später prächtige Textilien wie das in der Ausstellung gezeigte ‚Osterkissen‘ aus dem Museum im Schloss Wolfenbüttel. Andere befassten sich mit Notenschriften zur Aufzeichnung der liturgischen Gesänge. Schreiberinnen und Buchmalerinnen bereicherten die klösterlichen Büchersammlungen, indem sie Texte kopierten, neu zusammenstellten und mit passenden Bildern ausstatteten. In den Werkhäusern entstanden aus Pergament und Textilien kreativ gestaltete Bucheinbände.

Der Tod war im Denken der Menschen des Mittelalters allgegenwärtig. Am ältesten norddeutschen Rosenkranz, einer Gebetskette, die auf dem Nonnenchor des Klosters Wienhausen gefunden wurde, hängt daher ein kleiner Totenkopf. Er gemahnt an die Vergänglichkeit des Lebens. Die Frage, wie es nach dem Tod weitergehen würde, beschäftigte alle Gläubigen. Trost fanden sie zum Beispiel im Hortulus animae, dem Seelengärtlein. Dieser „Bestseller“ der spätmittelalterlichen Erbauungsliteratur enthält nicht nur Gebete oder Heiligenlegenden, sondern auch beeindruckende Bilder.

Wer sich fragt, wie Jahrhunderte alte Bücher und Objekte nach heutigen Fragestellungen, Methoden oder modernen technischen Möglichkeiten ihre Besonderheiten preisgeben, wird in Ausstellung und Katalog dazu anschauliche und überzeugende Antworten, interessante Einsichten und neue Ergebnisse finden.

Die Ausstellung wird gefördert von der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz und der Klosterkammer Hannover.

Zur Ausstellung erschien ein reich bebilderter Katalog:

Rosenkränze und Seelengärten. Bildung und Frömmigkeit in niedersächsischen Frauenklöstern. Herausgegeben von Britta-Juliane Kruse. Ausstellungskataloge der Herzog August Bibliothek Nr. 96. 2013. 348 Seiten mit 193 Farbabbildungen. ISBN: 978-3-447-06813-0. Broschierte Ausgabe (nur in der Ausstellung): € 20,–; Hardcover (in Kommission beim Harrassowitz Verlag Wiesbaden): € 39,80

Die Ausstellung ist vom 3. März bis 25. August 2013 in der Augusteerhalle, der Schatzkammer und im Kabinett der Bibliotheca Augusta zu sehen.