»Dérèglement de tous les sens« Arthur Rimbaud in den Künsten

Als der französische Dichter Arthur Rimbaud (1854–1891) siebenunddreißigjährig in Marseille verstarb, hatte er sein literarisches Œuvre längst hinter sich gelassen und ein Leben als Händler und Reisender in Nordafrika geführt. Aber die Revolte, die er für die kurze Phase seines Schaffens zum Prinzip seines Lebens und Schreibens gemacht hatte, prägte der gesamten Kultur der Moderne ihr Signum auf. Aus der Identifikation von Werk und Biographie ging Rimbaud als Idol ästhetischer und gesellschaftlicher Auflehnung hervor. Ohne Zahl sind die Spuren seines Einflusses auf den französischen Surrealismus, den deutschen Expressionismus oder die amerikanische Beat Generation, auf Autoren wie James Joyce, Bertolt Brecht oder Peter Weiss.

Der Dichter, so Rimbaud, muss vermöge einer »EntRegelung aller Sinne« (»dérèglement de tous les sens«) zum Seher-Medium werden. Im Sinne einer »Alchimie des Wortes« kann er die Welt in Poesie verwandeln. Wie haben Bild- und Tonkünstler die Forderung nach einer Entfesselung der sinnlichen Wahrnehmung mit ihren jeweiligen Mitteln verwirklicht? Die Überschreitung der Sprache in der visuellen und musikalischen Rimbaud-Rezeption ist bislang kaum erschlossen: Im Zentrum der Ausstellung zum 125. Todestag des Dichters stehen daher Malerbücher, die sich graphisch mit Texten Rimbauds auseinandersetzen. Flankiert werden diese Exponate von Künstlerbüchern, die sich auf das literarische Umfeld Rimbauds (Charles Baudelaire, Paul Verlaine und andere) und seine Rezeption (Wolfgang Hilbig) beziehen.

Rimbaud, der Rebell, der die Scheinrealität des Wohltönenden zerstören will, wurde für Rockmusiker von Bob Dylan bis Kurt Cobain zur Identifikationsfigur. In der klassischen Musik sind es die Widerständigen und die Verfolgten, die entschieden Modernen, die Neutöner und Experimentellen, die sich in Vokal- und Instrumentalmusik auf Vorlagen Rimbauds gestützt haben, wie zum Beispiel Paul Hindemith, Hanns Eisler oder Benjamin Britten. Dreimal wird es »Hör-Stationen« in Gestalt von Sonderführungen geben, um die musikalische Beschäftigung mit Rimbaud zu erkunden und zum Klingen zu bringen.

In der Ausstellung werden Werke präsentiert von:
Pierre Bonnard (1867–1947), Fernand Léger (1881–1955), Max Ernst (1891-1976), Germaine Richier (1902–1959), Salvador Dalì (1904–1989), Ernst Wolfhagen (1907–1992), Michel Lablais (* 1925), Hermann Naumann (* 1930), Thomas Harndt (* 1932), Ian Tyson (* 1933), Wolff Buchholz (* 1935), Martha Hellion (* 1937), Irmtraud Klug-Berninger (* 1944), Peter Spiegel (* 1944), Kai Pfankuch (* 1949) und Christiane Just (1960–2011).