Rolf Steiner: "Als ich schaute, was ich schrieb" Mappenwerke und Künstlerbücher 1985 - 2016

Rolf Steiner, Blüte, aus: 6 Blüten, Mappe mit 6 beschrifteten
Fotografien (Siebdruck) und 6 Textblättern, Köln 2010

 

Mit einer Lesung wird am 15. Juni 2018, um 17 Uhr die Ausstellung Rolf Steiner: „Als ich schaute, was ich schrieb“ in der Augusteerhalle der Bibliotheca Augusta eröffnet. Der Schriftsteller und bildende Künstler Rolf Steiner liest aus seinen Büchern „Der Schwarze Turm“ (2016) und „Der Holunderkönig“ (2017). Anschließend ist ein Rundgang durch die Ausstellung geplant. Gezeigt werden Mappenwerke und Künstlerbücher, in welchen Steiner Bild und Text aufeinander treffen lässt.


Rolf Steiner, Als ich schaute, was ich sah, staunte
ich nicht schlecht, Mappe mit 7 Scherenschnitten
und Textblättern, 2009

 

Rolf Steiner bezeichnet sich als »Grenzgänger zwischen Wort und Bild«. Der Schriftsteller und bildende Künstler fragt nach einer Auflösung der Schnittstelle von Bild und Text. In seinen Mappenwerken und Künstlerbüchern führt er den Text an den Rand der Unlesbarkeit, bis dieser als grafisches Material erscheint. Die Ausstellung in der Herzog August Bibliothek gibt einen Überblick über die seit 1985 erschienenen Werke, in denen Steiner Eindrücke aus seiner Umwelt poetisch und bildnerisch verarbeitet.

 

In seinen Arbeiten druckt er Texte im Siebdruckverfahren auf Linolschnitte oder Fotografien. Er schleust Buchstaben, die er mit Stempeln in frische, auf Leinwand oder Sperrholz gespachtelte Ölfarbe drückt, ins Bild. Oder er verwendet eine mechanische Schreibmaschine, um ohne Zwischenraum Buchstabe an Buchstabe zu reihen und eine Textzeichnung anzufertigen. In Scherenschnitten sind Texte und Fotografien miteinander „verschnitten“.

 

In seinen ersten bibliophilen Büchern stehen sich Text und Bild in klassischer Aufteilung auf zwei getrennten Seiten gegenüber. Zu Erzählungen, Gedichten und Essays entstehen Linol- oder Holzschnitte, Aquarelle oder Tuschezeichnungen, oft auch in Zusammenarbeit mit anderen Künstlern, wie dem deutschen Maler Norbert Prangenberg. Dieser lässt sich von Gedichten Steiners zu Linolschnitten anregen, die im ersten gemeinsamen Buch Der Himmel hat das größte Loch (1985) erscheinen.

 

Doch bereits in dem Künstlerbuch Tür Zu (1994) werden Wörter und Bildelemente aus ihrer formalen Isolation gelöst und durchdringen einander. Ein Höchstmaß erreicht die Annäherung von Text und Bild im Künstlerbuch Der Schwarze Turm (2016), aus welchem Rolf Steiner auch zur Eröffnung lesen wird. Der mit einer mechanischen Schreibmaschine getippte Text wird durch die freie Anordnung der einzelnen Buchstaben und Überlagerungen selbst zum Bild.

 

Rolf Steiner (*1951, Köln), Schriftsteller und bildender Künstler, ist mehrfach Stipendiat des Künstlerhauses Villa Waldberta, München. Zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen, unter anderem im Museum Ludwig, Köln und der Artothek, München. 2016 erscheint sein Künstlerbuch Der Schwarze Turm. Im letzten Jahr veröffentlicht Steiner die Erzählung Der Holunderkönig im Haymon Verlag, Innsbruck.

 

Die Ausstellung ist vom 15. Juni bis zum 5. August 2018 im Malerbuchsaal der Bibliotheca Augusta zu sehen. Am Samstag, den 14. Juli 2018 führt Rolf Steiner um 15 Uhr durch die Ausstellung.