Wolfenbütteler Arbeiten zur Barockforschung

Den zweiten Forschungsschwerpunkt an der HAB, der Erforschung der Frühen Neuzeit, greifen die Publikationsreihen Wolfenbütteler Abhandlungen zur Renaissanceforschung und Wolfenbütteler Arbeiten zur Barockforschung auf.
In den Wolfenbütteler Arbeiten zur Barockforschung erscheinen Sammelbände mit den Ergebnissen von Tagungen, die von der HAB in Zusammenarbeit mit dem Wolfenbütteler Arbeitskreis für Barockforschung organisiert werden. Monographische Untersuchungen finden ebenfalls Aufnahme in diese Reihe.

In der Reihe sind zuletzt erschienen:

 

WAB 49: Spiegel einer Christlichen und friedsamen
Haußhaltung. Die Ehe in der populären Druckgraphik
des 16. und 17. Jahrhunderts.

Spiegel einer Christlichen und friedsamen Haußhaltung
Die Ehe in der populären Druckgraphik des 16. und 17. Jahrhunderts

von Kristina Bake

Wolfenbütteler Arbeiten zur Barockforschung 49.
2013. 512 Seiten mit 106 s/w-Abb.
ISBN: 978-3-447-06629-7. € 128,- online bestellen

Flugblätter thematisieren seit dem 16. Jahrhundert das Verhältnis der Geschlechter − speziell in der Ehe, Schnittstelle von Sexualität und Emotionalität mit Ökonomie und Religion. Dargestellt werden die Partnerwahl, die gute und die schlechte Ehe, welche im Kampf der Geschlechter bzw. in der Verkehrten Welt gipfelt. Eheliche Liebe wird ebenso behandelt wie der Ehebruch. Das Ideal und seine Verkehrung bilden die Pole der Darstellungen, Glück und Unglück werden dabei miteinander kontrastiert.
Die in hohen Auflagen produzierten Flugblätter griffen gängige Geschlechterstereotypen auf und trugen gleichzeitig zu deren Verbreitung bei. Diese Drucke, welche zur Selbstreflexion anregen sollten, lieferten einen einzigartigen Beitrag zu der seit dem Spätmittel­alter andauernden europaweiten Diskussion um das Verhältnis der Geschlechter. Sie dienten nicht nur der Warnung, Distanzierung und Kompensation, sondern verfestigten durch ihre massenhafte Verbreitung Sichtweisen, welche ihrerseits die Wahrnehmung der Realität prägten und an der Etablierung von Normen mitwirkten.
Die Blätter, die sich häufig den problematischen Aspekten der Ehe widmen, müssen ebenso als Ausdruck virulenter Probleme der frühneuzeitlichen Gesellschaft verstanden werden, wie als Versuch, diese zu bewältigen.

 

 

WAB 48: Barocke Bildkulturen. Dialog der Künste in
Giovan Battista Marinos „Galeria“

Barocke Bildkulturen
Dialog der Künste in Giovan Battista Marinos „Galeria“

herausgegeben von Rainer Stillers und Christiane Kruse

Wolfenbütteler Arbeiten zur Barockforschung 48.
2013. 488 S. mit 35 s/w-Abb. und 8 Farbabb.
ISBN: 978-3-447-06628-0. € 98,– online bestellen

Giambattista Marino hat mit La Galeria (1619) den ersten neuzeitlichen Zyklus von Dichtungen über Werke der bildenden Kunst geschaffen. Mit 18 Drucken im 17. Jahrhundert gehörte das Werk zu den bekanntesten lyrischen Zyklen seiner Zeit. Im Kontext der gegenwärtigen Bild-Text-Diskussion gewinnt die Galeria eine Aktualität, die in dem vorliegenden Band von Literatur- und Kunstwissenschaftlern/ -innen sichtbar gemacht wird. Im interdisziplinären Zugang von Literatur- und Kunstwissenschaft werden über den hinlänglich diskutierten „paragone“ hinaus insbesondere der zum Verständnis barocker Kunst spezifische bild- und rezeptionstheoretische Gehalt der Galeria erschlossen. Das neue Erkenntnisinteresse an der barocken Bildkultur erfordert einen bildwissenschaftlichen und kulturanthropologischen Zugang, den Marinos Text im Dialog mit den in ihm rezipierten bzw. fingierten Kunstwerken wie kein zweiter eröffnet. Die Schnittstellen dieses Dialogs sind die Bilder und der Mensch als Bilder rezipierendes Subjekt. Die imaginierten Bilder und ihr doppelter Bezug zur Medialität, den die Galeria durchgängig thematisiert, werden an die im Text aufgerufenen (realen oder fingierten) Kunstwerke (Gemälde, Skulpturen usw.) gebunden und im poetischen Text fixiert. Diese doppelte Medialität der Bilder ist die Voraussetzung für das neue Potenzial barocker Bildlichkeit, das dem Rezipienten das Kunstwerk mit seiner ganzen Leistungsfähigkeit über den lyrischen Text nicht nur visuell-imaginativ, sondern auch emotional-körperlich erschließt. Die kulturanthropologische Bedeutung des Textes liegt somit in der Zentralstellung des Subjekts, das über den Rezeptionsprozess von Werken der bildenden Kunst die machtvolle Wirkung der Bilder erfährt.

 

 

WAB 47: Welche Antike? Konkurrierende Rezeptionen
des Altertums im Barock

Welche Antike?
Konkurrierende Rezeptionen des Altertums im Barock

herausgegeben von Ulrich Heinen
in Verbindung mit Elisabeth Klecker, Hartmut Laufhütte, Barbara Mahlmann-Bauer, Dirk Niefanger, Sandra Richter, Wilhelm Schmidt-Biggemann, Johann Anselm Steiger und Guillaume van Gemert

Wolfenbütteler Arbeiten zur Barockforschung 47.
2011. 2 Bde. 1180 S. (Bd. 1: 656 S., Bd. 2: 524 S.) mit 153 s/w-Abb.
ISBN: 978-3-447-06405-7. € 169,– online bestellen

Der Sammelband macht fundamentale Konflikte des 17. Jahrhunderts als Reflex antiker Kontroversen lesbar und zeigt hierin einen bisher übersehenen Ursprung des Streits um Antikenbezug und Modernität.
Republik gegen Imperium, poetische Freiheit gegen Regelrhetorik, Kritik gegen Affirmation, Empirismus gegen Schulphilosophie, Ethik gegen Wirkungsästhetik, Zivilisiertheit gegen Barbarei, die eine Konfession gegen die andere, die Ausdifferenzierung der Systeme gegen deren Integration: In bedeutenden Konflikten der Frühen Neuzeit beriefen sich alle Parteien auf antike Zeugen. In Wechselwirkung mit diesem Legitimationsbedarf ereignete sich schon im 16. Jahrhundert eine nicht nur quantitative Expansion der verfügbaren Altertümer. Aus der „Antikerezeption“ im Singular, die – bei allem Streit, von dem die antike Überlieferung selbst berichtet – von der epochalen Einheit der Antike ausgeht, war mehr und mehr eine „Antikenrezeption“ im Plural geworden. Schließlich war die Fülle verfügbarer antiker Überlieferungen nur noch enzyklopädisch oder in spezialwissenschaftlichen Disziplinen zu bewältigen. Diente die Entscheidung der Frage, „welcher Antike“ man den Vorzug geben wollte, um 1600 der Positionierung in der eigenen Gegenwart, so liegt in dieser Frage schon der Keim für die am Ende des 17. Jahrhunderts dominante Alternative „Antike oder Moderne?“. Die mit der Ideologie der Moderne verbundene neue Normativität aber sollte um 1700 auch für die Befassung mit den Altertümern eine methodische, ethische und ästhetische Homogenisierung erzwingen und deren Resultate an die Stelle der Pluralität antik begründeter Legitimationsbezüge der vergangenen Jahrhunderte setzen.