Wolfenbütteler Arbeiten zur Barockforschung

Den zweiten Forschungsschwerpunkt an der HAB, der Erforschung der Frühen Neuzeit, greifen die Publikationsreihen Wolfenbütteler Abhandlungen zur Renaissanceforschung und Wolfenbütteler Arbeiten zur Barockforschung auf.
In den Wolfenbütteler Arbeiten zur Barockforschung erscheinen Sammelbände mit den Ergebnissen von Tagungen, die von der HAB in Zusammenarbeit mit dem Wolfenbütteler Arbeitskreis für Barockforschung organisiert werden. Monographische Untersuchungen finden ebenfalls Aufnahme in diese Reihe.

In der Reihe sind zuletzt erschienen:

 

WAB 54: 'Eigennutz' und 'gute Ordnung'

'Eigennutz' und 'gute Ordnung'.
Ökonomisierungen der Welt im 17. Jahrhundert

herausgegeben von Sandra Richter und Guillaume Garner

Wolfenbütteler Arbeiten zur Barockforschung Bd. 54
2016. 606 Seiten, 39 sw-Abb. und 4 Farbabb.
ISBN 978-3-447-10491-3. € 98,- (D) online bestellen

Lange Zeit galt das 17. Jahrhundert als ökonomisch rückständig: als Epoche, die allenfalls als Etappe auf dem Weg hin zur ‚Industriellen Revolution‘ zu mustern war, ja als Zeitraum eines wirtschaftlichen Rückgangs, als ‚dunkles 17. Jahrhundert‘. Dieser Band zeigt, dass sich diese Sichtweise grundlegend geändert hat. Verantwortlich dafür sind die Kritik an der ‚Industriellen Revolution‘, das interdisziplinäre Interesse an der ‚material culture‘ der Zeit sowie die Konjunktur mikro­historischer Studien über ökonomische Fragen. Vor diesem Hintergrund beschreiben die Beiträge den Wandel der marktförmigen Gesellschaft, ihrer Praktiken und Mentalitäten, die Ökonomien des Wissens und die Wissensökonomien als Ökonomisierungen der Epoche. Exemplarisch prüft der Band die These, dass es in Europa und auch global zu einer Zunahme ökonomisch geleiteter, jedoch auf andere soziale und kulturelle Bereiche ausgreifender Herausforderungen und Semantiken kam. Die Fallstudien nehmen ‚das lange 17. Jahrhundert‘ in den Blick; sie reichen von der Entwicklung des theologischen Begriffs vom ‚commercium‘ bis hin zur Heilsökonomie, wie sich die pietistische Indienmission diese vorstellte, von der à la mode-Kritik am Luxus bis hin zum Juwelenhandel, von der Ökonomie der Gelehrtenrepublik bis hin zu alchemistischen Versuchen, Gold herzustellen, von der Handelsgerichtsbarkeit bis zum transnationalen Handel, auch mit Sklaven und Gefangenen. Im Ergebnis zeigt sich, dass ökonomisch geleitete Herausforderungen und Semantiken im 17. Jahrhundert tatsächlich zunahmen, sich aber zumeist auch an anderen, religiösen, moralischen und kulturellen Umgangs- und Deutungsformen bewähren mussten.

 

 

WAB 53: Wirkungen des Pietismus im Fürstentum
Wolfenbüttel

Wirkungen des Pietismus im Fürstentum Wolfenbüttel
Studien und Quellen

herausgegeben von Dieter Merzbacher und Wolfgang Miersemann

Wolfenbütteler Arbeiten zur Barockforschung Bd. 53.
2015. 648 Seiten mit 102 s/w-Abb.
ISBN: 978-3-447-10292-6. € 128,– € online bestellen

Zu den Desideraten der Forschung zum Pietismus zählen eingehende Untersuchungen zu Territorien, die heute zwar kaum noch mit dieser Frömmigkeitsbewegung assoziiert werden, für eine bestimmte Zeit aber von ihr durchaus mit geprägt worden sind. Dem trägt der Band zur 2008 an der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel abgehaltenen Tagung mit 15 Beiträgen und einem umfangreichen Quellenteil im Blick auf das Fürstentum Wolfenbüttel Rechnung. Ausschlaggebend für ein zeitweiliges Aufblühen des Pietismus besonders in der Residenz war die Parteinahme des regierenden Fürsten Rudolf August für die neue Bewegung. Er berief profilierte Vertreter derselben auf wichtige Stellen in Kirche und Schulwesen seines Landes, wodurch er in deutlichen Gegensatz zu seinem mitregierenden Bruder Anton Ulrich geriet. Schließlich musste er sich diesem sowie dem Wolfenbütteler Geistlichen Konsistorium beugen und das bald auch andernorts als Richtschnur wirkende „Pietisten-Edikt“ vom 9. März 1692 akzeptieren, das die Exilierung hochrangiger Wolfenbütteler Geistlicher bedeutete.

Die Beiträge zentrieren sich um das Edikt. Gezeigt wird die vorbereitende calixtinisch-irenische Situation zur Zeit Herzog Augusts d. J., der in Kontakt mit „vorpietistischen“ Theologen wie Arndt, Andreae und Lütkemann und insbesondere auch mit dem Kirchenkritiker Christian Hoburg stand. Die territorialgeschichtliche Relevanz des Edikts beleuchten Studien zu seiner Entstehung und seinen Folgen wie auch zur kontrastierenden Situation im benachbarten Kurfürstentum Hannover, ferner zu damit zusammenhängenden Vorgängen im Harz und in der Stadt Wolfenbüttel selbst. Frömmigkeits- und musikgeschichtliche Auswirkungen des Pietismus in Wolfenbüttel und in Gandersheim beschreiben Beiträge zur Gebets- und Gesangbuchliteratur.

 

 

WAB 52: Maske, Maskerade und die Kunst der Verstellung

Maske, Maskerade und die Kunst der Verstellung
Vom Barock bis zur Moderne

herausgegeben von Christiane Kruse

Wolfenbütteler Arbeiten zur Barockforschung Bd. 52.
2014. 256 Seiten mit 64 s/w- und 5 Farbabb.
ISBN: 978-3-447-10290-2. € 68,- online bestellen

Auf der Kunst der Maske basiert das soziale Rollenspiel der frühneuzeitlichen höfischen Gesellschaft. Hier wird Anfang des 16. Jahrhunderts eine Theorie des „uomo universale“ formuliert und eine Ästhetik des (schönen) Scheins in die politische und gesellschaftliche Praxis implementiert, die in der sozialen Realität, in einer weitreichenden Kultur der Maske, Maskerade und Verstellung sichtbar ist. Literatur, Theater, Musik und Bildkünste reflektieren den Seinsmodus des, als ob‘, der in der Maske spielerisch und zugleich machtvoll ausagiert wird, und erkennen darin ebenso die Wirkmacht ihrer Kunst – wie auch in der moralischen Ausprägung – das Instrument für Verstellung, Täuschung und Lüge. Die nicht nur bei Hofe, aber dort mit der größten Wirksamkeit sich auf alle anderen gesellschaftlichen Schichten ausbreitende Kunst der Maske und Verstellung wird zum Angelpunkt für eine kritische Auseinandersetzung mit der höfisch-absolutistischen Gesellschaft, wie sie etwa Michel de Montaigne, der sich vom Hof fernhielt, und die Moralistik des 17. Jahrhunderts formuliert sowie auf breiter Basis das Zeitalter der bürgerlichen Aufklärung kritisiert haben.
In der Maske, so lautet die These des Bandes, werden sich die Künste ihrer selbst bewusst. Die hier versammelten Beiträge werfen prononcierte Schlaglichter auf die Voraussetzungen und Folgen dieses spannungsvollen Prozesses bis in das 19. Jahrhundert hinein.

 

 

WAB 51: Die Erschließung des Raumes

Die Erschließung des Raumes
Konstruktion, Imagination und Darstellung von Räumen und Grenzen im Barockzeitalter

herausgegeben und eingeleitet von Karin Friedrich

Wolfenbütteler Arbeiten zur Barockforschung Bd. 51.
2014. 2 Bde., 920 Seiten mit 123 s/w-Abb.
ISBN: 978-3-447-10055-7. € 169,- online bestellen

Die Sozial- und Geisteswissenschaften insgesamt beschäftigen sich seit einer ganzen Weile mit Raumkonzepten. Statt vom linguistic turn spricht man nun vom spatial turn. Zusammen mit dem Stichwort der Globalisierung schlägt die gegenwärtige Erschließung von Räumen durch neue Medien eine Brücke zurück in das Zeitalter des Barock. Auch damals gab es eine „Raumrevolution“: Die von ihr ausgelösten Konflikte zwischen Newtons unveränderbarem Raum und der Fragmentierung von Räumen durch die Kontingenz der Beobachtung waren geprägt von einer Zeit des religiösen und politischen Umbruchs und dem Wissen um die Entdeckung der Neuen Welt.
Der vorliegende Band präsentiert die Ergebnisse des 13. Jahrestreffens des Wolfenbütteler Arbeitskreises für Barockforschung, der vom 26. bis zum 29. August 2009 in der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel stattfand. Über die Grenzen der Disziplinen hinweg wurden dabei Fragen nach den Begebenheiten, der Konstruktion und der Konstituierung von Räumen und Grenzen neu gestellt. In vier Sektionen gruppieren sich die folgenden Schwerpunkte um den Raum als ein Leitmotiv des Barock: Räume im Spannungsverhältnis zwischen sakralen und profanen Funktionen – Räume des Experimentierens mit der Vorstellung und Inszenierung barocker Welten – die Kultivierung barocker Gelehrsamkeit in Form von Denk‑, Lehr- und Kommunikationsräumen – und schließlich Schwellen- und Grenzräume des barocken Kulturtransfers. Dem Verständnis des Raumes im Barock nähert man sich deshalb am besten von der Grenze her, die, wenn schärfer in den Blick genommen, dem Raum Perspektive gibt. Wenn es auch weder möglich noch wünschenswert erscheint, einen genauen Raumbegriff des Barock festzulegen, so zeigen die Beiträge, dass man dieser Absicht durch ein interdisziplinäres Studium des synästhetischen Erlebnisses barocker Räume am nächsten kommt.

 

 

WAB 50: Barock – Moderne – Postmoderne
Ungeklärte Beziehungen

Barock – Moderne – Postmoderne
Ungeklärte Beziehungen

herausgegeben von Victoria von Flemming und Alma-Elisa Kittner

Wolfenbütteler Arbeiten zur Barockforschung Bd. 50.
2014. 360 Seiten mit 78 s/w- und 7 Farbabb.
ISBN: 978-3-447-10019-9. € 92,– online bestellen

Niemand wird bestreiten, dass es eine Wiederkehr des Barocken in der Kultur der Gegenwart gibt und dass, in Anlehnung an Walter Benjamin, das Interesse am Barock stets in der Gegenwart von Künstlern und Wissenschaftlern verankert sein dürfte. Strittig ist allein, wie sich die Beziehungen zwischen Moderne, Postmoderne, Gegenwart und Barock ad­äquat fassen lassen. Wie weit reicht Benjamins These vom Beginn der Moderne im Barock oder die von Historikern favorisierte Behauptung von dessen fundamentaler Modernisierungsleistung? Oder trifft ganz im Gegenteil zu, dass die Wiederkehr des Barock/en Indiz für die Überwindung der Moderne ist, dass hier gar ihr weiblicher und postmoderner Gegenspieler sichtbar wird?
Nach ein, zwei Ausstellungen und ein paar Aufsätzen hat die Kunstwissenschaft das Thema seit längerem Literaturwissenschaft und Philosophie überlassen – und damit womöglich die ein oder andere ebenso kühne wie irrtümliche Behauptung zugelassen. Doch wo Fehleinschätzungen und eine geradezu inflationäre Verwendung von ,barock‘ auf der trügerischen Gewissheit basieren, dies oder jenes sei typisch barock, da führen sie zu einem der zentralen Probleme: der Unbestimmtheit des Barock/en. Heikel wird die Situation erst, sobald konzediert wird, dass Analoges für die Bestimmung von Moderne und Postmoderne zutrifft. Ist also das Unbestimmbare immer wieder instrumentalisiert worden, um etwas ebenso Unbestimmtes zu bestimmen?
Der vorliegende Band soll – mit seiner interdisziplinären, Literaturwissenschaft wie Philosophie integrierenden Struktur – durch die versammelten Aufsätze auch dazu beitragen, die Kunstwissenschaft erneut in der ebenso unabweisbaren wie schwierigen Debatte über das Verhältnis von Barock/em und (Post-)Moderne zu positionieren. Dabei zeigt sich, dass eine Konzentration auf die visuelle Kultur des 20. Jahrhunderts zu kurz greift, eine historisch-systematische Perspektive dagegen neue Impulse liefert.

 

 

WAB 49: Spiegel einer Christlichen und friedsamen
Haußhaltung. Die Ehe in der populären Druckgraphik
des 16. und 17. Jahrhunderts.

Spiegel einer Christlichen und friedsamen Haußhaltung
Die Ehe in der populären Druckgraphik des 16. und 17. Jahrhunderts

von Kristina Bake

Wolfenbütteler Arbeiten zur Barockforschung Bd. 49.
2013. 512 Seiten mit 106 s/w-Abb.
ISBN: 978-3-447-06629-7. € 128,- online bestellen

Flugblätter thematisieren seit dem 16. Jahrhundert das Verhältnis der Geschlechter − speziell in der Ehe, Schnittstelle von Sexualität und Emotionalität mit Ökonomie und Religion. Dargestellt werden die Partnerwahl, die gute und die schlechte Ehe, welche im Kampf der Geschlechter bzw. in der Verkehrten Welt gipfelt. Eheliche Liebe wird ebenso behandelt wie der Ehebruch. Das Ideal und seine Verkehrung bilden die Pole der Darstellungen, Glück und Unglück werden dabei miteinander kontrastiert.
Die in hohen Auflagen produzierten Flugblätter griffen gängige Geschlechterstereotypen auf und trugen gleichzeitig zu deren Verbreitung bei. Diese Drucke, welche zur Selbstreflexion anregen sollten, lieferten einen einzigartigen Beitrag zu der seit dem Spätmittel­alter andauernden europaweiten Diskussion um das Verhältnis der Geschlechter. Sie dienten nicht nur der Warnung, Distanzierung und Kompensation, sondern verfestigten durch ihre massenhafte Verbreitung Sichtweisen, welche ihrerseits die Wahrnehmung der Realität prägten und an der Etablierung von Normen mitwirkten.
Die Blätter, die sich häufig den problematischen Aspekten der Ehe widmen, müssen ebenso als Ausdruck virulenter Probleme der frühneuzeitlichen Gesellschaft verstanden werden, wie als Versuch, diese zu bewältigen.

 

 

WAB 48: Barocke Bildkulturen. Dialog der Künste in
Giovan Battista Marinos „Galeria“

Barocke Bildkulturen
Dialog der Künste in Giovan Battista Marinos „Galeria“

herausgegeben von Rainer Stillers und Christiane Kruse

Wolfenbütteler Arbeiten zur Barockforschung Bd. 48.
2013. 488 Seiten mit 35 s/w-Abb. und 8 Farbabb.
ISBN: 978-3-447-06628-0. € 98,– online bestellen

Giambattista Marino hat mit La Galeria (1619) den ersten neuzeitlichen Zyklus von Dichtungen über Werke der bildenden Kunst geschaffen. Mit 18 Drucken im 17. Jahrhundert gehörte das Werk zu den bekanntesten lyrischen Zyklen seiner Zeit. Im Kontext der gegenwärtigen Bild-Text-Diskussion gewinnt die Galeria eine Aktualität, die in dem vorliegenden Band von Literatur- und Kunstwissenschaftlern/ -innen sichtbar gemacht wird. Im interdisziplinären Zugang von Literatur- und Kunstwissenschaft werden über den hinlänglich diskutierten „paragone“ hinaus insbesondere der zum Verständnis barocker Kunst spezifische bild- und rezeptionstheoretische Gehalt der Galeria erschlossen. Das neue Erkenntnisinteresse an der barocken Bildkultur erfordert einen bildwissenschaftlichen und kulturanthropologischen Zugang, den Marinos Text im Dialog mit den in ihm rezipierten bzw. fingierten Kunstwerken wie kein zweiter eröffnet. Die Schnittstellen dieses Dialogs sind die Bilder und der Mensch als Bilder rezipierendes Subjekt. Die imaginierten Bilder und ihr doppelter Bezug zur Medialität, den die Galeria durchgängig thematisiert, werden an die im Text aufgerufenen (realen oder fingierten) Kunstwerke (Gemälde, Skulpturen usw.) gebunden und im poetischen Text fixiert. Diese doppelte Medialität der Bilder ist die Voraussetzung für das neue Potenzial barocker Bildlichkeit, das dem Rezipienten das Kunstwerk mit seiner ganzen Leistungsfähigkeit über den lyrischen Text nicht nur visuell-imaginativ, sondern auch emotional-körperlich erschließt. Die kulturanthropologische Bedeutung des Textes liegt somit in der Zentralstellung des Subjekts, das über den Rezeptionsprozess von Werken der bildenden Kunst die machtvolle Wirkung der Bilder erfährt.

 

 

WAB 47: Welche Antike? Konkurrierende Rezeptionen
des Altertums im Barock

Welche Antike?
Konkurrierende Rezeptionen des Altertums im Barock

herausgegeben von Ulrich Heinen
in Verbindung mit Elisabeth Klecker, Hartmut Laufhütte, Barbara Mahlmann-Bauer, Dirk Niefanger, Sandra Richter, Wilhelm Schmidt-Biggemann, Johann Anselm Steiger und Guillaume van Gemert

Wolfenbütteler Arbeiten zur Barockforschung Bd. 47.
2011. 2 Bde. 1180 Seiten mit 153 s/w-Abb.
ISBN: 978-3-447-06405-7. € 169,– online bestellen

Der Sammelband macht fundamentale Konflikte des 17. Jahrhunderts als Reflex antiker Kontroversen lesbar und zeigt hierin einen bisher übersehenen Ursprung des Streits um Antikenbezug und Modernität.
Republik gegen Imperium, poetische Freiheit gegen Regelrhetorik, Kritik gegen Affirmation, Empirismus gegen Schulphilosophie, Ethik gegen Wirkungsästhetik, Zivilisiertheit gegen Barbarei, die eine Konfession gegen die andere, die Ausdifferenzierung der Systeme gegen deren Integration: In bedeutenden Konflikten der Frühen Neuzeit beriefen sich alle Parteien auf antike Zeugen. In Wechselwirkung mit diesem Legitimationsbedarf ereignete sich schon im 16. Jahrhundert eine nicht nur quantitative Expansion der verfügbaren Altertümer. Aus der „Antikerezeption“ im Singular, die – bei allem Streit, von dem die antike Überlieferung selbst berichtet – von der epochalen Einheit der Antike ausgeht, war mehr und mehr eine „Antikenrezeption“ im Plural geworden. Schließlich war die Fülle verfügbarer antiker Überlieferungen nur noch enzyklopädisch oder in spezialwissenschaftlichen Disziplinen zu bewältigen. Diente die Entscheidung der Frage, „welcher Antike“ man den Vorzug geben wollte, um 1600 der Positionierung in der eigenen Gegenwart, so liegt in dieser Frage schon der Keim für die am Ende des 17. Jahrhunderts dominante Alternative „Antike oder Moderne?“. Die mit der Ideologie der Moderne verbundene neue Normativität aber sollte um 1700 auch für die Befassung mit den Altertümern eine methodische, ethische und ästhetische Homogenisierung erzwingen und deren Resultate an die Stelle der Pluralität antik begründeter Legitimationsbezüge der vergangenen Jahrhunderte setzen.