Wolfenbütteler Mittelalter-Studien

Mit dieser Reihe ist eine Publikationsmöglichkeit für die Ergebnisse eines Forschungsschwerpunkts an der HAB geschaffen worden, der sich auch in Tagungen des Mediävistischen Arbeitskreises an der Herzog August Bibliothek niederschlägt. Neben Sammelbänden mit den Ergebnissen von Tagungen sind hier auch monographische Untersuchungen zu finden, die einen engen Bezug zu den Beständen der HAB haben.

In der Reihe sind zuletzt erschienen:

 

WMS: Manuscripts Changing Hands

Manuscripts Changing Hands

edited by Corine Schleif and Volker Schier

Wolfenbütteler Mittelalter-Studien Bd. 31.
2016. 370 Seiten mit 144 sw- und 13 Farbabb.
ISBN: 978-3-447-10391-6. € 88,– online bestellen

Medieval manuscripts were conceived to move from one set of hands to the next. Holding a book presented possibilities, and possessing a book implied power. Books therefore functioned as potent connectors. They bound producers with consumers, givers with recipients, writers with readers, writers with writers, and readers with readers. Books linked many generations and were intended to last. Hands attached messages in colophons, prayers, scribal notes, glosses, word plays, self-images, and other inserted materials. Hands also left traces in the form of penciled users’ names, threats, curses, corrections, erasures, worn and torn pages, finger prints, and dirt. Contributors to this collection of essays analyze the ways in which the manuscript medium served and challenged communication. Sensorial empathies helped to construct communal identities that overcame barriers of time, class and calling. Diachronic communities formed around books in both men’s and women’s monasteries. Librarians, collectors, and makers of facsimiles strove to preserve these hand-made, handed down objects. Ten medievalists with specialties in history, musicology, art history and the history of literature provide articles based on discussions that took place at an international workshop supported by the Deutsche Forschungsgemeinschaft at the Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel in 2012. The volume reflects current issues relating to actor network theory and eco-critical concerns. It appears at the moment in which transient virtual media are replacing enduring material objects as means of communication.

 

 

WMS 28: Stiftsbibliotheken und Kirchenschätze

Stiftsbibliotheken und Kirchenschätze
Materielle Kultur in den Augustiner-Chorfrauenstiften Steterburg und Heiningen

von Britta-Juliane Kruse

Wolfenbütteler Mittelalter-Studien Bd. 28.
2016. 512 Seiten mit 92 s/w- und 35 Farbabb.
ISBN: 978-3-447-10291-9. € 92,– online bestellen

Mittelalterliche Klosterbibliotheken und Kirchenschätze wurden über Jahrhunderte ergänzt, im Zuge der Reformation kurzfristig aufgelöst oder sogar zerstört. Insofern sind die Handschriften und frühen Drucke aus den Augustiner-Chorfrauenstiften Steterburg und Heiningen nahe Braunschweig von besonderer Bedeutung: Ihre große Anzahl bildete die Basis für Bibliotheksrekonstruktionen, deren Ergebnisse als Leitfaden durch das vorliegende Buch führen. Urheber dieses Glücksfalls war Herzog Julius von Braunschweig-Lüneburg, der 1572 einen Großteil der heute bis zu 900 Jahre alten Bücher aus den Stiften in seine gerade gegründete Bibliothek zu Wolfenbüttel transferieren ließ. Diese bibliophilen Kostbarkeiten wurden nicht nur in Auftrag gegeben, gestiftet und gesammelt, sondern einen größeren Teil schrieben und illustrierten die Chorfrauen selbst und fertigten auch die sehr kreativ gestalteten Einbände an. Zusammen mit den niederdeutschen und lateinischen Schriften in den rund 160 Büchern – unter denen sich viele Raritäten befinden – bieten der Buchschmuck und die vielen Benutzungsspuren einen anschaulichen Einblick in die Materialität mittelalterlicher Bücher.
Einen virtuellen Rundgang durch die heute völlig veränderte Steterburger Stiftskirche, von deren Altären, liturgischen Geräten, Heiligenbildern und Textilien kaum noch etwas erhalten ist, ermöglichen die Daten und Fakten des hier ebenfalls publizierten Inventars des Steterburger Kirchenschatzes.
Dieses Buch ist als Fortführung und Ergänzung des Katalogs ‚Rosenkränze und Seelengärten. Bildung und Frömmigkeit in niedersächsischen Frauenklöstern‘ konzipiert, der 2013 begleitend zu der gleichnamigen Ausstellung in der Herzog August Bibliothek erschien.

 

 

WMS 29: Rechtshandschriften des deutschen Mittelalters

Rechtshandschriften des deutschen Mittelalters
Produktionsorte und Importwege

herausgegeben von Patrizia Carmassi und Gisela Drossbach

Wolfenbütteler Mittelalter-Studien Bd. 29.
2015. 416 Seiten mit 42 s/w- und 8 Farbabb.
ISBN: 978-3-447-10293-3. € 98,- online bestellen

Die grundlegenden Fragen der Produktion, Distribution und Rezeption juristischer Handschriften werden in diesem interdisziplinär angelegten Band insbesondere anhand der heute in der Universitätsbibliothek Halle aufbewahrten juristischen Texte aus der Halberstädter Dombibliothek und der Stiftskirche Unserer Lieben Frau beleuchtet.
Dabei werden folgende Fragenkomplexe diskutiert: Wann und aus welchen Gründen und Motiven wurden die Rechtshandschriften gesammelt? Wo verliefen die geographischen und institutionellen Wege des Handschriftentransfers, welche Akteure waren beteiligt? Welche Rolle spielten die Halberstädter Bildungseinrichtungen, ihre Institutionengeschichte, ihre Organisationsformen und die dort vermittelten Inhalte? Welche Aufschlüsse gibt der Codex in der Materialität seiner Benutzung?
Somit reihen sich die Untersuchungen in diesem Band trefflich in moderne Forschungen zu verschiedenen Beständen hochrangiger Institutionen des Mittelalters ein. Dabei geht es um die Wege der Konstituierung der Sammlungen und die damit verbundenen Phänomene wie Werküberlieferung, Ankauf und Transport von Handschriften (und Drucken) sowie den beruf­lichen und universitären Bedarf an Rechtscodices im Einzelnen. Damit kann der Stellenwert der Halberstädter Sammlung von Rechtshandschriften neu bestimmt und aus der Perspektive des Kulturaustausches, der menschlichen Mobilität und der gelehrten Kommunikation gesehen werden. Fallstudien zu Rechtshandschriften in der Herzog August Bibliothek, in Trier und Katalonien runden den Band ab.

 

 

WMS 30: Codex und Geltung

Codex und Geltung

herausgegeben von Felix Heinzer und Hans-Peter Schmit

Wolfenbütteler Mittelalter-Studien Bd. 30.
2015. 212 Seiten mit 33 s/w- und 8 Farbabb.
ISBN: 978-3-447-10390-9. € 59,- online bestellen

Welche Rolle spielt der mittelalterliche Codex als materielle oder auch nur virtuelle – imaginierte – Instanz für die Autorisierung von Texten, und in welchem Maß kann der Codex umgekehrt selbst zum Objekt von Aufwertung und Autorisierung werden? Diesen Fragen widmete sich ein Arbeitsgespräch des Mediävistischen Arbeitskreises der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel im Herbst 2010, das nach den Tagungen von 2006 („Codex und Raum“) und 2008 („Codex im Diskurs“) den Abschluss einer dreiteiligen Folge von Veranstaltungen zu Geschichte und Theorie der vormodernen Buchhandschrift markierte. Die Fokussierung auf Geltungs- und Auratisierungsaspekte des dominierenden Trägers mittelalterlicher Textkultur legt auch gegenläufige Phänomene frei: Aspekte der Infragestellung und Relativierung oder gar der Fragmentierung und damit des Geltungsverlustes bis hin zur Aufhebung und Zerstörung des Codex. Noch im Prozess der Auflösung eines Codex konnte ihm bzw. Teilen davon durch ein gezieltes „Recycling“ indes auch fortdauernde Geltung in veränderten Kontexten – sozusagen jenseits des ursprünglichen Codex – ver­liehen werden.

Die in Wolfenbüttel präsentierten Vorträge, die in den vorliegenden Band einge­gangen sind, stehen in einem dezidiert interdisziplinären Rahmen, der die Bereiche von Geschichte, Germanistik, Byzantinistik, Kunstgeschichte, Liturgiewissenschaft und Musikwissenschaft umfasst. Dabei werden inhaltliche Aspekte gezielt mit Fragen nach Materialität und Medialität der Überlieferungsträger in Verbindung gebracht; zumindest ansatzweise eröffnen sich auch Seitenblicke über die Grenzen des abendländisch-lateinischen Mittelalters hinaus sowie diachrone Perspektiven bis in die (frühe) Neuzeit hinein.

 

 

WMS 27: Bibliothek und Buchbestände des
Augustiner-Chorherrenstifts Georgenberg bei Goslar

Bibliothek und Buchbestände des Augustiner-Chorherrenstifts Georgenberg bei Goslar
Ein Überblick über die Entwicklung im Mittelalter bis zur Zerstörung 1527

von Jochen Schevel

Wolfenbütteler Mittelalter-Studien Bd. 27.
2015. 560 Seiten mit 57 s/w-Abb.
ISBN: 978-3-447-10289-6. € 98,- online bestellen


Am 22. Juli 1527 wurde das Augustiner-Chorherrenstift Georgenberg vor Goslar bei Auseinandersetzungen zwischen der Stadt Goslar und Herzog Heinrich dem Jüngeren von Braunschweig-Wolfenbüttel zerstört und geplündert. Einen großen Teil der dabei auf das Vorwerk Grauhof geretteten Bücher des Stifts ließ Herzog Heinrich Julius schließlich 1603 in die Hofbibliothek nach Wolfenbüttel überführen.
Die vorliegende Arbeit geht den teils verschlungenen Wegen der heute noch vorhandenen Handschriften, Inkunabeln und Frühdrucke aus dem Besitz der Georgenberger Chorherren nach. Das sich hieraus ergebende Corpus wurde einer Untersuchung hinsichtlich der vielfältigen kodikologischen und inhaltlichen Merkmale der Bücher unterzogen. Anhand von Gebrauchsspuren und Besitzvermerken konnten die Wege einzelner Bände ins Stift nachvollzogen werden. Damit wird deutlich, wo und wie die Georgenberger Chorherren Werke erworben haben, mit denen sie ihre Bibliothek aufbauten. Titel- und Signaturschilder geben dabei Auskunft über die inhaltliche Ordnung der Bücher in der Bibliothek; auch jene Bände, die an anderen Orten des Stifts aufbewahrt waren, finden in der Untersuchung Berücksichtigung. Einen weiteren Aspekt bilden die Veränderungen, denen die Georgenberger Buchbestände vom 12. bis zum 16. Jahrhundert unterworfen waren.
Diese Arbeit bietet damit erstmalig einen komprehensiven Überblick über die noch existierenden Bücher des mittelalterlichen Augustiner-Chorherrenstifts Georgenberg sowie eine eingehende Untersuchung dieser Bände, aus der sich ein umfassender Katalog typischer Merkmale sowohl der Georgenberger Bücher als auch der Entwicklung der Georgenberger Buchbestände ergibt.

 

 

WMS 26: Die Buchbestände von Wöltingerode

Die Buchbestände von Wöltingerode
Ein Zisterzienserinnenkloster im Kontext der spätmittelalterlichen Reformbewegungen

von Jessica Kreutz

Wolfenbütteler Mittelalter-Studien Bd. 26.
2014. 312 Seiten mit 7 s/w- und 7 Farbabb.
ISBN: 978-3-447-10287-2. € 64,– online bestellen

Die spätmittelalterlichen Buchbestande des Zisterzienserinnenklosters Wöltingerode gehören zu den umfangreichsten überlieferten Bibliotheken im norddeutschen Raum. Nach einer detaillierten kodikologischen, paläographischen und inhaltlichen Analyse des rekonstruierten Bestandes dient eine am Ende des Spätmittelalters in der klostereigenen Werkstatt entstandene Handschrift als Ausgangspunkt für die Untersuchung der Bildungsverhältnisse der Nonnen. Diese im Novizinnenunterricht verwendete Handschrift kann als literarisches Spiegelbild des Gesamtbestandes gelten, da sie eine komplexe Zusammenstellung von zahlreichen Autoren und zum Teil noch unbekannten Texten enthalt sowie über ein breites literarisches Repertoire verfugt. In einer Gesamtschau bieten sowohl die im Zuge der Reformbestrebungen entstandenen als auch die reformkonformen Bucher einen genauen Einblick in die veränderte Ausbildungssituation der Novizinnen und in den monastischen Lekturealltag der Nonnen. Ansatze eines bewusst angestrebten Bildungskonzepts sind in der Auswahl der Themen, in der literarischen Verarbeitung der Texte und in der Zielsetzung der Lektüre zu erkennen. Die Entwicklung der Wöltingeroder Schriftlichkeit zwischen Wandel und Kontinuität steht im direkten Bezug zur Klostergeschichte. Die im Zuge der Reformbewegung geforderte Rückkehr zu den monastischen Idealen und die Intensivierung des spirituellen Lebens zog in Wöltingerode zugleich auch eine Bildungsreform nach sich. Demzufolge lassen sich mittels der Buchbestande zahlreiche Hinweise zusammentragen, die nicht nur für einen Anschluss der Wöltingeroder Zisterzienserinnen an die Reform sprechen, sondern das Kloster im regionalen Sozialgefüge als ein bedeutendes Reformzentrum charakterisieren.

 

 

WMS 25: Codex im Diskurs

Codex im Diskurs

herausgegeben von Thomas Haye und Johannes Helmrath unter Mitwirkung von Ulrike Michalczik

Wolfenbütteler Mittelalter-Studien Bd. 25.
2014. 272 Seiten mit 29 s/w-Abb.
ISBN: 978-3-447-10255-1. € 62,- online bestellen

Wie hat man im Mittelalter über Codices gedacht und gesprochen? Der Band widmet sich der Handschriftenkultur des Mittelalters, ihrer Materialität und kodikalen Praxis, ihren signifikanten Unterschieden zur Welt des gedruckten Buchs. Aus einer Tagung des Mittelalter-Komitees der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel entstanden und herausgegeben von Johan­nes Helmrath und Thomas Haye, versammelt er Beiträge renommierter Historiker, Literatur- und Sprachwissenschaftler. Zentral ist der Begriff der Kodikalität: Er umfasst erstens das Materielle, den Körper des Codex mit seinen visuellen und haptischen Aspekten, zweitens das Auratische, ­sakral aufgeladene Magische, drittens die hermeneutische und geltungsrelevante Dimension der Texte.
In den Beiträgen des Sammelbands werden subtile Diskursfelder wie etwa die Besitz­vermerke, Glossen und Kolophone erschlossen und für einen europäischen Überblick („Büchergeschichten“) genutzt, wobei auch Herstellungsformen des Codex sowie die Geschichte der wissenschaftlichen Kodikologie betrachtet werden. Hand­schriften mit literarischen (Minnesang im Codex Manesse) und prophetisch mystischen Texten und ihren existenziellen und metaphorischen Bucherfahrungen (Johannes-Apokalypse, Hildegard von Bingen, Mechthild von Magdeburg) werden neben Codices der prag­matischen Schriftlichkeit, des Verwaltungsschriftguts von Städten (Regens­burger Stadtbücher) und Universitäten untersucht. Bei den Renais­sance-Humanisten nimmt das Sprechen über Codices zu, mit denen man Inti­mität bis zum Fetischismus zele­brierte (Petrarca, Benedetto da Piglio). Dies findet auch in der Rede und Zitierkultur humanistischer Universitätslehrer ihren kodikalen Niederschlag (Konrad Odernheim in Freiburg).
Der Band leistet einen wesentlichen Beitrag zur Kenntnis der Schriftkultur des Mittel­alters und der Renaissance.

 

 

WMS 24: Schriftkultur und religiöse Zentren im
norddeutschen Raum

Schriftkultur und religiöse Zentren im norddeutschen Raum

herausgegeben von Patrizia Carmassi, Eva Schlotheuber und Almut Breitenbach

Wolfenbütteler Mittelalter-Studien Bd. 24.
2014. 548 Seiten mit 87 s/w- und 19 Farbabb.
ISBN:  978-3-447-10016-8. € 108,– online bestellen

Der vorliegende Band widmet sich der mittelalterlichen Schrift- und Bildungskultur Norddeutschlands und ihrer Bezüge insbesondere zu Skandinavien und den Niederlanden. Der norddeutsche Raum ist kein historisch gegebener, eindeutig zu definierender geographischer Raum, sondern wird erst mit Blick auf verschiedene Phänomene – wie z.B. Sprache, Herrschaft, Kunst- und Literaturproduktion – fassbar. Die Untersuchung dieser vielschichtigen Aspekte ermöglicht aber, eine Region als historische Kulturlandschaft zu begreifen und in ihrer Komplexität wahrnehmbar zu machen.
Da der geographische Raum im Mittelalter von seinen Zentren aus erschlossen und beherrscht wurde, zu denen neben Burgen, Residenzen und Städten auch religiöse Institutionen wie Klöster, Stifte und (Pfarr-)Kirchen gehörten, gehen die Beiträge im vorliegenden Band vor allem von den Zentren aus. Sie waren ihrerseits durch ihre Geschichte und ihre Sprache, religiöse und literarische Traditionen, Recht und Gewohnheit geprägt und vermittelten diese als identitätsstiftende Traditionen mit Hilfe aller verfügbarer Medien, in Schrift und Bild, Predigt, Gesang und Dichtung, und zwar nicht zuletzt über Netzwerke, die die weltlichen und geistlichen Höfe untereinander verbanden. In diesem konkurrierenden Miteinander entstand und entsteht letztlich ein Kulturraum.
Die Beiträge des vorliegenden Bandes erlauben Einblicke in Literaturproduktion und -austausch, in liturgische Praxis und materielle Kultur, in Schreibbetrieb und die verschiedenen Wege und Ausprägungen literarischer Austauschbeziehungen sowie in die Bedeutung von Regionalsprachen und Übersetzungen für regionale und religiöse Identität. Der Band zeigt nicht zuletzt, dass sich historische Kulturlandschaften nur in interdisziplinärer Zusammenarbeit erschließen lassen.

 

 

WMS 23: Der Bernward-Psalter im Wandel der Zeiten

Der Bernward-Psalter im Wandel der Zeiten
Eine Studie zu Ausstattung und Funktion

von Monika E. Müller

mit Beiträgen von Almuth Corbach, Robert Fuchs und Doris Oltrogge

Wolfenbütteler Mittelalter-Studien Bd. 23.
2013. 384 Seiten mit 77 s/w- und 32 Farbabb.
ISBN: 978-3-447-10013-7. € 98,– online bestellen

Bischof Bernward von Hildesheim (um 960 bis 1022) ließ den nach ihm benannten Psalter Anfang des 11. Jahrhunderts vom Regensburger Diakon Guntbald ausführen, von dem sich aus Hildesheim drei weitere liturgische Prachthandschriften erhalten haben. Bernward schrieb zwar den Psalter nicht selbst, wie das mehrfach das Michaeliskloster durch namentliche Zusätze glauben machen wollte. Gleichwohl lässt die Qualität der Schrift und des Buchschmucks ihn als einen Auftraggeber und bedeutenden Kirchenmann erscheinen, der die notwendigen Beziehungen und Möglichkeiten zur Anwerbung eines auswärtigen hochkarätigen Schreibers und Initialenmalers wie Guntbald besaß. Auch die besondere Textausstattung der Handschrift, d.h. die zusätzliche Aufnahme der Bußpsalmen sowie zweier Formulare für das Stundengebet an Ostern und zu Ehren der hl. Dreifaltigkeit, lässt auf seine Einflussnahme schließen.
Der Psalter wurde der Wissenschaft erst durch den Erwerb für die Herzog August Bibliothek im Jahre 2007 zugänglich, seine Analyse zum Gegenstand eines Forschungsprojekts gemacht. Abgesehen von mehreren Einzelbeiträgen und der Präsentation der Handschrift in der durch die Kulturstiftung der Länder herausgegebenen Patrimonia-Reihe war sie bislang nicht erforscht worden. Diese Lücke schließt die Monographie der Wolfenbütteler Mittelalter-Studien. Analysiert werden mittels einer interdisziplinären Vorgehensweise Aspekte der Kodikologie, Paläographie, Kunstgeschichte, Hagiographie und der Textredaktion, darüber hinaus aber auch ihre Position hinsichtlich der liturgiegeschichtlichen Entwicklung des Breviers. Berücksichtigt werden außerdem Aspekte des Kulturtransfers sowie die im Laufe der Jahrhunderte veränderte Nutzung und Wertschätzung der Handschrift als Zeugnis Bischof Bernwards. Kunsttechnologische Beiträge aus der Perspektive der Restaurierung sowie der Farb- und Pigmentanalyse runden den Band ab.

 

 

WMS 22: Die Handschriften der Schule von Luxeuil

Die Handschriften der Schule von Luxeuil
Kunst und Ikonographie eines frühmittelalterlichen Skriptoriums

von Babette Tewes

Wolfenbütteler Mittelalter-Studien Bd. 22.
2011. 346 Seiten mit 226 s/w- und 65 Farbabb.
ISBN: 978-3-447-06404-0. € 98,– online bestellen

Die um 700 zu datierende Schreibschule von Luxeuil steht am Beginn der vorkarolingischen Buchmalerei, für deren Entwicklung sie eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt. In dem Skriptorium des von dem Iren Columban gegründeten Klosters und wichtigen kirchenpolitischen Zentrums im Frankenreich sind zahlreiche Handschriften eines ganz eigenen Stils entstanden, von denen gut zwei Dutzend teils fragmentarisch überliefert sind. Die Codices, in einigen Fällen mit einleitenden Zierseiten und zahlreichen Initialen farbig ausgestattet, stehen nach dem Niedergang der Antike am Anfang einer neuen europäischen Kunst, die sich unter Karl dem Großen in der karolingischen Renaissance zur vollen Blüte entfalten sollte.
Die vorliegende Studie ist die erste ausführliche monographische Untersuchung des Skriptoriums von Luxeuil. Sie stellt in einem umfassenden Katalog alle Handschriften der Schule zusammen und vergleicht sie mit der Kunst der Zeit. Kunsthistorische Aspekte stehen dabei im Vordergrund, erörtert werden jedoch ebenfalls Fragen des historischen Umfelds, der Paläographie, der Buchwissenschaften und der Kirchengeschichte. Die Vorläufer der vorkarolingischen Kunst werden diskutiert und eine Stilanalyse der künstlerischen Ausstattung der Handschriften vorgenommen, durch die erstmals verschiedene Schreiberhände eindeutig getrennt und eine relative Chronologie der Handschriften aufgestellt werden kann. Darüber hinaus wird der Text von einem umfangreichen Abbildungsteil begleitet. Die Studie schließt damit eine lange offene Forschungslücke und kann als grundlegend für die Erforschung der vorkarolingischen Buchmalerei angesehen werden.