Bilder aus der Phiole. Untersuchungen zur Bildsprache der Alchemie in der frühen Neuzeit

Die Vereinigung polarer Substanzen als Kopulationsakt in der Phiole,
aus Donum Dei, Pergamenthandschrift, 15. Jahrhundert,
Herzog August Bibliothek, Cod. Guelf. 77.2 fol. 5r

Das Wissen der Alchemie ist oft durch Bilder vermittelt worden. Ihr argumentatives Potenzial soll am Beispiel von zwei Bildtypen ausgelotet werden:
a) Mit dem Buchdruck verbreitet sich auch für Druckschriften der Alchemie die graphische Gattung des Titelbildes. Als öffentlichkeits-wirksames Programmbild hat es die Funktion, auf den Buchinhalt zu verweisen, um das Interesse potentieller Leser zu wecken. Der Erfassung der Typenvielfalt derartiger Bilder ist Arbeitsstufe 1 gewidmet, auf der Titelbilder alchemischer Druckschriften in repräsentativer Auswahl analysiert werden sollen.
b) Die Bildsprache der Alchemie findet im Motiv der Phiole als Schaubühne der Transmutation ein aussagekräftiges Konzentrat, das der ordnungsstiftenden Rahmung eines hochgradig dynamischen Prozesses dient. Arbeitsstufe 2 stellt den Kernbereich alchemischer Theorie und Praxis in ihr Zentrum. Ausgehend von alchemischen Prachthandschriften, in denen das gläserne Gefäß als Bildapparat eine tragende Rolle spielt, soll die Motivwanderung dieses Bildtyps in Druckschriften rekonstruiert werden.

Das in Wissens-, Bild- und Mediengeschichte angesiedelte Projekt bezieht sich auf gut zwei Jahrhunderte – von Ende des 15. bis Anfang des 18. Jahrhunderts – und zielt darauf ab, einen systematischen Überblick zur Spannweite alchemischer Bildlichkeit zu geben sowie die medien- und bildhistorische Entwicklung einer kinematographisch aufgeladenen Figur zu charakterisieren. Alchemische Bildlichkeit versetzt Transparenz und Opazität, Naturnähe und Abstraktion in eine spannungsgeladene Einheit. Sie wirft die zentrale Frage auf, ob Bilder fremdbestimmt sind, d.h. nur das veranschaulichen, was bereits im Textmedium fixiert worden ist, oder ob sie eigenständig – weitgehend unabhängig vom Text – Bedeutung und Wissen erzeugen und vermitteln kann.

 


Finanzierung: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) – „Eigene Stelle“
Laufzeit: Oktober 2016 – September 2019
Bearbeiter: PD Dr. Stefan Laube
Tel. 05331-808-284, Fax -248