Das frühneuzeitliche Autorporträt als Verlegerprodukt

D. C. Fleischmann, Porträt des Verlegers Friedrich Roth-Scholtz
als Autor und Sammler, Kupferstich 30 x 19,4 cm (HAB: A 18051)

Teilprojekt des Forschungsprojektes „Bildpolitik: Das Autorenporträt als ikonische Autorisierung“ im Forschungsverbund Marbach – Weimar – Wolfenbüttel

Ausgehend von der Feststellung, dass das Autorporträt keine Bildgattung sui generis darstellt, geht das MWW-Teilprojekt der Frage nach, durch welche Praktiken aus einem Gelehrtenporträt ein Autorbild wird, und welche bildpolitische Relevanz ihnen zu eigen ist. Denn die Vorstellung einer spezifischen Produktivität des Autorporträts gründet sich maßgeblich auf dessen Zugehörigkeit zum paramedialen Apparat eines Buches; erst durch seine epi- bzw. perimediale Verwendung erfuhr das Gelehrtenbildnis eine funktionale Transformation. Neben den Verfassern waren allen voran die frühneuzeitlichen Druckerverleger für die Herstellung, Verbreitung und Rezeption von Autorbildern verantwortlich. Letztgenannte inszenierten sich oftmals autorgleich als ‚Stützpfeiler‘ der Gelehrtenrepublik, ohne die eine öffentliche Verbreitung von Gedanken- und Kulturgütern schlechterdings unmöglich sei. Druckgraphische Bilder und insbesondere Autorporträts waren zentraler Bestandteil verlegerischer Selbstinszenierung und Produktplatzierung.

Eine Untersuchung bildbezogener Verlagsstrategien muss auf Grundlage der Produktions- und Verwendungsbedingungen von Autorporträts im Kontext verlegerischer Legitimierungs- und Inszenierungstopik erfolgen. Die Platzierung eines Gelehrtenporträts im Buch ist hierfür ebenso relevant wie seine sprachlich-diskursive Einbettung durch Beischriften, Widmungen, Titeleien und Vorreden sowie seine ikonische Kommentierung durch Beiwerk oder Rahmen. Dementsprechend sollen vier Bildpraktiken in den Fokus rücken: die Verwendung ‚autonomer‘ Autorbilder für Gelehrtenserien; die Weiterverwendung von Gelehrtenporträts als Autorbilder; bildbezogene Praktiken der Einschreibung eines Autors oder Verlegers in gelehrte Traditionslinien; die epimediale Funktionalisierung von druckgraphischen Gelehrtenserien als Strategie der Prestigeproduktion beteiligter Autoren und Verleger.


Projektinformation: http://www.mww-forschung.de

 


Finanzierung: Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des MWW-Verbundes
Laufzeit: November 2017 – August 2018
Bearbeiterin: Lea Hagedorn
Tel. 05331-808-235, Fax -277