Das pietistische Empire. Millenarismus, Netzwerk und Medialisierung der Indienmission im 18. Jahrhundert

Indienkarte

Das Vorhaben bearbeitet den Beginn der protestantischen Mission nach Indien als eine Kulturgeschichte millenaristischer Praxis. Die drei für die Untersuchung gewählten Handlungsfelder – (1) die Aktivitäten des bislang nicht erforschten frommen Halleschen Netzwerkes der Unterstützenden zwischen 1730 und 1770, dem Zeitraum größter Expansion und zugleich des Direktorats von Gotthilf August Francke (1696–1769), (2) die Missionsarbeit vor Ort sowie (3) die Medialisierung der Mission durch die regelmäßig erscheinende Missionszeitschrift Hallesche Berichte – konstituieren in je spezifischer Weise eine moderate chiliastische Praxis. Das Projekt zeigt, wie ein theologisches Konzept durch den Pietismus im 18. Jahrhundert sich seines apokalyptischen Kleides entledigt und in eine unterstützende, praktische und mediale Bekehrungsarbeit transferiert wird und damit zugleich eine gesellschaftsverändernde Relevanz erhält.

Die erste dauerhafte protestantische Mission, 1706 im dänischen Handelsstützpunkt Tranquebar, heute Taragambadi, in Südindien begründet, wurde vom dänischen Königshof getragen, von der englischen Society for Promoting Christian Knowlegde (SPCK) und einem bürgerlich-adeligen, pietistisch-lutherischen Netzwerk im Alten Reich. Überraschend ist der Befund, wie stark protestantische Eliten – Reichsadel, Funktionseliten des Alten Reiches wie Militäradel, hohes Beamtentum und hohe Geistlichkeit – in das millenaristisch begründete Zukunftskonzept eingebunden waren, das die Vision einer besseren Welt mit der globalen Bekehrung zum Protestantismus verband.

Ziel des Projektes ist eine Monographie, deren Manuskript 2018 abgeschlossen werden soll.

PURL: http://diglib.hab.de/?link=057


Finanzierung: Haushalt
Laufzeit: Januar 2010 – Dezember 2018
Bearbeiterin: Prof. Dr. Ulrike Gleixner
Tel. 05331-808-246, Fax -277