Die Aufklärung in Russland

Blick auf die Jauza-Brücke in Moskau.
Gravüre (1797)

Schon im Mittelalter bezeichnete man in Russland mit dem Begriff просвеще́ние (Aufklärung) die göttliche Erleuchtung. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts erhielt er neue Bedeutungen. Er meinte nunmehr sowohl allgemein „Bildung”, „Wissenserwerb” und „Zivilisation”, „Europäisierung” und „Verwestlichung”, Übung der Verstandes­kräfte und menschliche Selbst­vervoll­komm­nung, als auch im engeren Sinne die Teilhabe Russlands an der europäischen Emanzipationsbewegung des „Siècle des Lumières”. Im Rahmen des Projekts wird untersucht, wie vor allem in der Regierungszeit Katharinas II. das Gedankengut des „lateinischen Europa” entsprechend den Bedingungen und Bedürfnissen des euro-asiatischen Landes rezipiert und umgeformt wurde.

In dieser ersten umfassenden deutschsprachigen Darstellung erfolgt eine Einbettung der Aufklärung in Russland in die sozialgeschichtlichen Zusammenhänge des noch von Leibeigenschaft (крепостни́чество) geprägten autokratischen Systems. In institutionen- und personengeschichtlicher Perspektive wird untersucht, welche neuen weltlichen Bildungs- und Wis­sen­schafts­ein­rich­tun­gen durch staatliche Lenkung nach west- und mitteleuropäischen Vorbildern geschaffen wurden und wie zunehmend private Vereinigungen gebildeter Adliger und Vertreter anderer Stände entstanden. Die zentralen Debatten der Aufklärung in Russland werden in ihrer Wechselwirkung mit den Diskursen der europäischen République des lettres beleuchtet.

Mit Kurzbiographien, kommentierten Personen- und Werkverzeichnissen soll das Bedürfnis nach Informationen über die in Russland wirkenden namhaften Vertreter der Aufklärung wie auch über das bisher eher unbekannte Personal der „zweiten Reihe” befriedigt werden.

 

Publikationen

Michael Schippan: Die Aufklärung in Russland im 18. Jahrhundert (Wolfenbütteler Forschungen 131), Wiesbaden 2012.
OPAC  Veröffentlichungen HAB

 


Finanzierung: Fritz Thyssen Stiftung, Eigenleistung