Die soziale und epistemische Produktivität von Autorenbildern in der Frühen Neuzeit

Inspirierende Unzufriedenheit: Unter sein 1770 in der Allgemeinen
deutschen Bibliothek erschienenes Kupferporträt von Johann David
Schleuen setzte Gotthold Ephraim Lessing die spöttischen Zeilen
„Mich mahlte Simon Klecks so schön, so meisterlich / das aller
Welt, so gut als mir, das Bildnis glich“ (HAB, Lessingiana 36).

Teilprojekt des Forschungsprojektes „Bildpolitik: Das Autorenporträt als ikonische Autorisierung“ im Forschungsverbund Marbach – Weimar – Wolfenbüttel

Autorenporträts sind fester Bestandteil der gegenwärtigen visuellen Kultur. Indes ist das Autorenporträt keine Erfindung der Fotografie, vielmehr reicht seine Geschichte zurück bis zu den Evangelisten und KirchenlehrerInnen in illuminierten Handschriften des Mittelalters und antiken Philosophenbüsten. Aber erst mit der Expansion der Buchmärkte seit dem 16. Jahrhundert entwickelte sich das Autorenporträt zu einem prominenten Phänomen der Buch- und Gelehrtenkultur.

In dieser historischen Phase setzt das Forschungsprojekt an und fragt nach Bedingungen und Erwartungen, die sich mit diesem Bildtypus verbanden. Welchen Gewinn versprachen sich Verleger oder Autoren, die die Herstellung der Porträts finanzierten? Welchen materiellen und symbolischen Ökonomien verdankte sich die Transformation des Antlitzes in einen Paratext? Welche Alternativen der bildlichen Repräsentation von AutorInnen existierten und auf welchen theoretischen Voraussetzungen beruhten diese? Nicht zuletzt: Welchen Anteil hatten Autorenporträt an der Entstehung und Etablierung des neuzeitlichen Konzepts von Autorschaft?

Vor allem aber liegt der Untersuchungsfokus auf konkreten Gebrauchsformen und Lesarten. Was verraten Äußerungen und Spuren frühneuzeitlicher Bildpraktiken über die Rezeption? Welcher Einfluss von Autorenporträts auf die Lektüre von Büchern und auf die öffentliche Wahrnehmung von AutorInnen lässt sich nachweisen? Warum und in welchem Maße wurden Autorenporträts aus Büchern entfernt, in Sammlungen eingespeist, mit Autographen kombiniert oder als Objekte präsentiert? Von besonderem Interesse ist dabei nicht zuletzt der Wandel der Lesarten, die auf diesen Bildtypus angewandt wurden und die ihn in seiner Gestalt veränderten. Eine Annäherung an diese Fragen kann dabei nur in einer möglichst weiten Perspektive erfolgen, in der die Produktion und Rezeption von Autorenporträts in ihrem jeweiligen sozial-, wissens- und bildhistorischen Kontext betrachtet werden.

 

Projektinformation: http://www.mww-forschung.de

 


Finanzierung: Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des MWW-Verbundes
Laufzeit: Mai 2014 – August 2018
Bearbeiter: Dr. Hole Rößler, Lisa Romahn (stud. Hilfskraft)
Digital Humanities-Unterstützung: Timo Steyer
Tel. 05331-808-325, Fax -277