Epistemischer Wandel: Stadien der frühneuzeitlichen Alchemie

Posthum ediertes Porträt des Chemiaters Johann Baptist van
Helmont (Kupferstich von Johann Alexander Boener) mit
langhalsiger Phiole – anstelle eines Buches – und Wappen.
Das Epigramm fokussiert auf Arzneikunst und Naturtheorie.
Frontispiz aus: Helmont, Aufgang der Artzney-Kunst,
Nürnberg/Sulzbach 1683, Signatur: Wa 2° 98.

In dem Projekt soll eine Wissensgeschichte der frühneuzeitlichen Alchemie als Monographie erarbeitet werden. Während die lange Geschichte der Alchemie in zahlreichen Studien untersucht wurde, ist eine Analyse der Stadien und Dynamiken der frühneuzeitlichen Alchemie ein Forschungsdesiderat. Dem Projekt liegt die These zugrunde, dass universitäre Ambitionen den Wandel der Alchemie entscheidend vorantrieben: Manche Akteure realisierten, dass insbesondere magische Gehalte und handwerklich-empirische Praktiken ihrer Anerkennung entgegenstanden. Sie nahmen daher in vielfältigen Vermittlungsversuchen Veränderungen vor, die das für Alchemie charakteristische innige Verhältnis von Theorie und Praxis sowie Spiritualität und Technik fundamental veränderten.

Die alchemischen Drucke der HAB bilden ein ausgezeichnetes Corpus für eine Untersuchung dieser Dynamiken: Der Bestand von ca. 1900 Drucken ist als Sachgebiet online-katalogisiert und wurde 2014-2017 durch ein DFG-Projekt vertiefend in Hinblick auf Begriffe, Personen, Schriftengattungen und Bilder erschlossen. Das Forschungsprojekt baut auf dem Erschließungsprojekt auf. Systematisch analysiert werden ca. 90 Quellen, indem fünf Aspekte in den Fokus genommen werden: 1) die Selbstbezeichnungen und Streitbegriffe der Akteure, 2) die Autorisierungspraktiken von Autor(inn)en, Herausgebern und Verlegern, 3) der Wandel der Schriftengattungen, 4) der Gebrauch von Begriffs- und Funktionsdiagrammen sowie 5) der Gebrauch von symbolischen Zeichen. Das Projekt zielt darauf, die Wissensgeschichte der frühneuzeitlichen Alchemie sozial-, begriffs-, diskurs- und mediengeschichtlich zu strukturieren.

 


Finanzierung: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) – „Eigene Stelle“
Laufzeit: Mai 2017 – April 2020
Bearbeiterin: PD Dr. Ute Frietsch
Tel. 05331-808-115, Fax -173