Erschließung und Digitalisierung von Altkarten

Ausschntit aus Karte des Schweizer Wallis, Graph. Res.: C 176.1

Projekt im Rahmen der Verteilten Digitalen Landesbibliothek (VDL) in Kooperation mit der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek Hannover und der Landesbibliothek Oldenburg

Ziel des Projektes ist die Digitalisierung der herausragenden historischen Kartenblätter und  -werke, die in den drei niedersächsischen Landesbibliotheken in Hannover, Oldenburg und Wolfenbüttel verwahrt werden. Sie sollen in dem im Aufbau befindlichen „Kartenspeicher“ der Verbundzentrale des GBV virtuell zusammengeführt und mit dem Portal Kulturerbe.Niedersachsen.de vernetzt werden. Die drei Bibliotheken besitzen gemeinsam einen bedeutenden Kartenbestand, der durch die virtuelle Zusammenführung der Bestände ein herausragendes historisches kartographisches Dokumentationsfeld und Kulturerbe des Landes Niedersachsens sichtbar und zugänglich macht. Der Kartenbestand, der nicht nur den geographischen Raum Niedersachsens betrifft, beruht auf vielfältigen wissenschaftlichen, politischen und kulturgeschichtlichen Sammlungsinteressen der frühen Neuzeit bis in das 19. Jahrhundert. Dieser Kartenpool der Landesbibliotheken zeigt damit den Raum Niedersachsen in seiner geschichtlichen Entwicklung wie auch die Teilhabe Niedersachsens an europäischen und globalen historischen Ereignissen. Insgesamt sollen in dem vom Ministerium für Wissenschaft und Kultur (MWK) geförderten Projekt mehr als 13.000 Karten erschlossen, digitalisiert und virtuell zugänglich gemacht werden. Ziel des Projektes ist neben der Digitalisierung des wichtigen Bestandes auch die Ermittlung und der Einsatz gemeinsamer Kompetenzen und Infrastruktur zur kooperativen Bearbeitung von Digitalisierungs- und Erschließungsprojekten.

Die Kartensammlung der Herzog August Bibliothek lässt sich bis in die Anfänge  der Bibliothek zurückverfolgen. Heute besitzt die Bibliothek mehr als 4.500 lose Kartenblätter aus dem 16. bis 19. Jahrhundert, die die eigentliche Kartensammlung bilden. Hinzu kommen ca. 120 Atlanten aus dieser Zeit, die bei den Druckschriften aufgestellt sind. Unter den losen Stücken finden sich kostbare und seltene Karten, so die auf Pergament gezeichneten Portulankarten und gedruckte Wandkarten aus dem 16. Jahrhundert. Darunter befinden sich die ältesten und einzig erhaltenen Exemplare ihrer Art wie etwa die Karte des Heiligen Römischen Reiches von Christoph Pyramius von 1547. Rund 950 Karten bilden die Gebiete des alten deutschen Reiches ab, etwa die Hälfte davon beziehen sich auf die Region des Herzogtums Braunschweig-Lüneburg und die angrenzenden Territorien. Von den großen europäischen Ländern sind Italien mit 98 und Frankreich mit 82 Karten am reichsten vertreten, bemerkenswert ist auch der Bestand von 49 Karten über Russland und Sibirien nebst 23 von Polen und dem Baltikum. Die Kartensammlung ist bislang in großen Teilen in einem Katalog in Karteiform erschlossen. Der Bestand wird fortlaufend in die Altkartendatenbank IKAR eingebracht. Zur Zeit sind rund 2.000 Blätter aus der Sammlung dort nachgewiesen, Teilbestände sind auch im Virtuellen Kupferstichkabinett erschlossen.

Im Rahmen des kooperativen Projektes sollen rund 3.000 Karten des 16. bis frühen 19. Jahrhunderts aus den Beständen der HAB erschlossen und digitalisiert werden. Schwerpunkte werden unikal vorhandene Stücke sowie ein breites Spektrum der Karten mit regionalen Bezügen zum Herzogtum Braunschweig-Lüneburg und dem Raum Niedersachsen darstellen. Das Projekt ist ein erster Baustein zur gemeinsamen Verteilten Digitalen Landesbibliothek (VDL) der drei Landesbibliotheken.


Finanzierung: Niedersächsisches Ministerium für Wissenschaft und Kultur
Laufzeit: 2019–2021

Kontakt: Dr. Hartmut Beyer, Dr. Christian Heitzmann, Andrea Opitz
Bearbeiter: Christoph Boveland, Holger Bühring