Erschließung und Metadaten

Voraussetzung für die Erschließung der Titel auf Seitenebene war die Ausarbeitung eines geeigneten Vokabulars zur Beschreibung frühneuzeitlicher Festbeschreibungen. Die HAB hat in Zusammenarbeit mit Festforschern sowohl eine Strukturskizze dieses Gattungstyps als auch einen Thesaurus zu Elementen frühneuzeitlicher Festbeschreibungen erarbeitet und ins Englische übersetzt. Diese englische Version wurde mit dem in Warwick verwendeten Thesauruseinträgen abgeglichen und ergänzt. Die einzelnen Thesaurusbegriffe wurden durch Nummern gekennzeichnet. Über die Thesaurusnummern erfolgt die Verknüpfung der englischen und der deutschen Einträge.
Mit der Publikation des Thesaurus im Netz wird für ähnlich gelagerte Projekte ein terminologisches Grundgerüst bereitgestellt. Dabei bilden die im Thesaurus aufgeführten Festelemente das mögliche Erschließungsspektrum ab. Nicht alle Elemente sind bei den hier erschlossenen Drucken zur Auszeichnung vergeben worden, aber nur die vergebenen Thesauruselemente verlinken zu einem konkreten Titel. Die übrigen Thesauruselemente führen nicht zu einem Treffer.

Das im Vorgängerprojekt entstandene Datenmodell für Festbeschreibungen und Libretti auf der Grundlage von XML  wurde in Hinblick auf den inzwischen in den Geisteswissenschaften etablierten Standard der Text Encoding Initiative (TEI) überarbeitet. So entstand ein Konzept, das es erlaubte, eine überwiegend aus Images bestehende elektronische Faksimileedition mit Metadaten zur Struktur anzureichern, die dem Definitionsmodell der TEI-DTD folgen.
Mit dem Wechsel auf die neue, TEI basierte XML-Kodierung bestand die Notwendigkeit, die Altdaten auf die neue Struktur abzubilden. Es wurde ein XSLT-Skript verfasst, das diese Konversion übernahm. Die technische Abwicklung des Konversionsprozesses (XML -> XSLT -> XML) gestaltete sich, da von Anfang an auf offene Standards gesetzt worden war, erfreulich leicht.

Datentechnische Grundlage für die Speicherung und Verarbeitung der Erschließungsinformationen sind XML-Dokumente nach der TEI-DTD. Diese dienen a) der Generierung von statischen HTML-Dokumenten, die insbesondere für die Auffindung durch Webcrawler bedeutsam sind b) der dynamischen Generierung von analytischen Inhaltsverzeichnissen, die bei der Webpräsentation eine Übersicht über die Struktur des jeweiligen Druckes wie auch ausgewählter Erschließungsdaten geben und diese mit den digitalen Seitenaufnahmen verbinden c) dem Aufbau einer Datenbank, die komplexe Abfragen erlaubt.

Das XML-TEI-Dokument bildet die Bauform des Druckes nach und reichert sie mit Erschließungsinformationen nach ausgewählten inhaltlichen Aspekten an. Textteile von besonderer Bedeutung (z. B. Überschriften, bei Libretti: Personen- und Rollenverzeichnisse, geschlossene Bühnenanweisungen zu den Schauplätzen, Szenaria) wurden als Volltext aufgenommen. Für die Titelebene wurden im TEI-Header wesentliche bibliographische Metadaten aus dem PICA-Katalogisat übernommen und um festspezifische Metadaten wie Festanlass, Festort, Zentralpersonen und Festdauer ergänzt. Aus diesen wird bei der XSLT-Transformation ein Dublin-Core-Metadatensatz für das HTML-Dokument erzeugt; in der Datenbank stehen die erweiterten Titelinformationen für die Recherche zur Verfügung.

Auf der Seitenebene wurden zunächst die strukturell-semantischen Einheiten des Druckes in der XML-Instanz kodiert, das sind buchtechnische Elemente wie Spiegel oder Einband, textliche Einheiten, etwa Widmungen oder Kartelle, und bildliche Bestandteile wie Illustrationen. Die in den Einheiten dargestellten oder erwähnten bzw. thematisch behandelten Festelemente wurden unter Verwendung des TEI-Elementes "index" mit einem Verweis auf die entsprechende Seite nach dem zweisprachigen, kontrollierten Vokabular des Wolfenbütteler Thesaurus zur Festkultur verschlagwortet. Für die Erschließung der bildlichen Elemente wurde die ikonographische Klassifikation Iconclass benutzt. Die Aufnahme der Iconclass-Notation ermöglicht auch eine sprachunabhängige Suche und die Verwendung des Iconclass-Browsers zur hierarchischen Recherche gemäß der Ordnung der Klassifikation.

Als Werkzeuge zur Erstellung der XML-Dokumente kamen die Editoren "XML Spy" und "Xmetal" zum Einsatz, zur Erzeugung der statischen HTML-Dokumente wie auch zur zusätzlichen Validierung diente die XSLT-Engine "Saxon".