RVL Bildkulturen des Anderen

Bildkulturen des Anderen

Ringvorlesung der HBK Braunschweig, Institut für Kunstwissenschaft, in Kooperation mit dem Forschungsschwerpunkt Historische Bildkulturen

Sommersemester 2020, Aula der HBK IM INTERNET, dienstags, 18.00-19.30

 

Bis heute ist die visuelle Kultur Europas geprägt von Stereotypen, die mal grimmig, mal romantisch verklärt Imaginationen der Anderen evozieren und dabei vor allem die Differenz zum Eigenen thematisieren. Das hat eine meist ausgeblendete, bis ins 15. Jahrhundert reichende Tradition, die - im Kontext von Entdeckungen, Handels- oder Pilgerreisen, Kolonialisierung  und Krieg - mit der Entstehung von Bildkulturen einhergeht. Es entstanden Bilder, die mit unterschiedlichen Mitteln und Absichten dem „Exotischen“, „Fernen“ und „Fremden“ Sichtbarkeit verleihen, oft nur beschreibend dokumentierend, oft aber auch emotional und manipulativ auftraten: Dabei prägten ideologisch fundierte Ängste den Blick auf die Anderen ebenso wie diskursiv verfasste Sehnsüchte und Begehren. Real oder metaphorisch gewendet sind sie wirkmächtige Teile von Konstruktionen des „Anderen“; und dass sie nur allzu leicht als politische Kampfbilder instrumentalisiert werden können, charakterisiert die Bildgeschichte von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart. Deshalb sind Kritik und Dekonstruktion des historisch immer wieder neu verhandelten europäischen Blicks und seiner Bilder nach wie vor relevant.

Aber das Erblickte und bildlich Erfasste hat schon immer den Blick erwidert und sich seine eigenen Bilder geschaffen. Deshalb soll der außereuropäische Blick auf Europa und den Westen, also gleichsam das „Andere“ der „Anderen“, ebenso thematisch  werden. Seit wann und mit welchen Stereotypen wurde „der Westen“ ins Bild gesetzt? Gibt es dem Westen vergleichbar eine Trennung von dominant beschreibenden und polarisierenden Bilder? Oder zeugen sie von Gleichmut und Desinteresse?

Bilder der Anderen stellen immer auch einen Reflexionsraum des kulturellen Selbst dar. Umso fraglicher ist wie, die jeweilige Identität thematisch wird, welche Formen der Hybridisierung des „Eigenen“ mit dem „Anderen“ im Rahmen transkultureller Bewegungen wie Reise, Flucht und Migration entstehen und schließlich: Wie sinnvoll diese einander ausschließenden Kategorien angesichts einer Verflochtenheit der Kulturen überhaupt noch sind.

Ziel der Ringvorlesung ist es, die mitunter  kontroverse Pluralität von Bildern der/des Anderen sowie die Wechselwirkungen zwischen europäischen und außereuropäischen Bildkulturen in seiner ebenso historischen wie gegenwärtigen Dimension erkennbar zu machen. Neben Vorträgen von Vertreter*innen der Kunst-, der Literatur- der Theater-der Geschichts- und der er Religionswissenschaft, der Islam- sowie der Afrikastudien sollen auch Arbeiten zeitgenössischer Künstler*innen Aspekte  dieses ebenso in die Vergangenheit wie die Gegenwart weisenden Problemfelds aufzeigen.

 

Aufgrund der Corona-Pandemie findet die Ringvorlesung im Internet statt! Bei Interesse an der Teilnahme wenden Sie sich bitte an hole.roessler@hab.de.

Aufgezeichnete Vorträge können über untenstehende links abgerufen werden.

Termine

21.04. Dr. Silke Förschler (Uni Kassel):
Evidenz des Verborgenen. Haremsdarstellungen zwischen Orientalismus und kulturellem Austausch

Der Vortrag im Online-Archiv

 

28.04. Dr. Alberto Saviello (FU Berlin):
Opake Götter. Transkulturelle Elfenbeinfiguren aus den frühneuzeitlichen Missionen in Südasien

Der Vortrag im Online-Archiv

 

05.05. Prof. Dr. Peter Burschel (HAB Wolfenbüttel/Universität Göttingen):
Der Tanz der Tapuya. Zur kulturellen Codierung von Hautfarben in der frühen Neuzeit

Der Vortrag im Online-Archiv

 

12.05. Dr. Caroline Herfert (Universität Hamburg):
„Da thuns uns Türken im Abendland immer auf die Tabakkrämerschilder aufipatzen“: Österreichische Orientbilder und Exotismus im Wien des Fin-de-siècle

Der Vortrag im Online-Archiv

 

19.05. Aysun Bademsoy (Berlin):
Am Rand der Städte – Türkische Remigrationen

Der Vortrag im Online-Archiv

 

26.05. Prof. Dr. Alexandra Karentzos (TU Darmstadt):
Einverleibungen des Anderen. Transkulturelle Perspektiven in der Kunst

Der Vortrag im Online-Archiv

 

02.06. Bert Rebhandl (Berlin):
BOLLYWOOD GLOLLYWOOD. Globalisierungslogiken im Austausch zwischen indischem Mainstream- und westlichem Arthousekino

Der Vortrag im Online-Archiv

 

09.06. Dr. Charlotte Colding Smith (Deutsches Schifffahrtsmuseum Bremerhaven):
Säbel, Sultane, Seraglio: Osmanische Figuren in Trachtenbüchern, Alba Amicorum und anderen Werken

Der Vortrag im Online-Archiv

 

16.06. Prof. Dr. Maria-Th. Leuker (Universität zu Köln):
Aneignungen der anderen Natur. Bild- und Textstrategien in D’Amboinsche Rariteitkamer (1705) und Het Amboinsche Kruid-boek (1741–45) von G.E. Rumphius

Der Votrag im Online-Archiv

 

23.06. Prof. Dr. Stefanie Diekmann (Universität Hildesheim):
Japan-Projektionen - Roland Barthes: Das Reich der Zeichen 

Der Votrag im Online-Archiv

 

30.06. Dr. Madoka Yuki (Folkwang Universität Essen / Berlin):
Yonuske Natori und sein Deutschlandbild aus dem Jahr 1936 

Der Votrag im Online-Archiv

 

07.07. PD Dr. Marianne Koos (Université de Fribourg):
Folding Screens

Der Vortrag im Online-Archiv

 

14.07. Dr. Mona Schieren (HFK Bremen):
anders gleich. Zu Lygia Clark’s Körpertechniken

Organisatoren/Ansprechpartner

Prof. Dr. Victoria von Flemming
Hochschule für Bildenden Künste Braunschweig
Institut für Kunstwissenschaft
Johannes-Selenka-Platz 1
38118 Braunschweig
+49 (0) 531 391-9184
v.von-flemming@hbk-bs.de

Dr. Hole Rößler
Herzog August Bibliothek
Abteilung Forschungsplanung und Forschungsprojekte
Lessingplatz 1
38304 Wolfenbüttel
+49 (0) 5331 808-202
hole.roessler@hab.de

 

Bildquelle: Luisa Walter/HBK