Historische Bibliotheksrekonstruktion

Darstellung der Bibelsammlung von Elisabeth Sophie Marie von
Braunschweig-Lüneburg, in: Georg Ludolph Otto Knoch: Bibliotheca
Biblica, Braunschweig 1752, Frontispiz. HAB: KA 43-6585

Die Erforschung historischer Bibliotheken verspricht vielfältige Erkenntnisse, insbesondere, wenn es sich um die persönliche Sammeltätigkeit einer Person handelt. Private Büchersammlungen geben nicht nur Auskunft über den Wissenshorizont und die Interessengebiete der Besitzerin oder des Besitzers, sondern auch über Beziehungs- und Verwandtschaftsnetze, die dem Sammeln zugrunde lagen. Eine Privatbibliothek ist ein materialisiertes Zeugnis der Person mit ihren politischen, wissenschaftlichen, religiösen und geschlechterspezifischen Standes- und Statuszuordnungen. Ebenso lassen sich anhand von Büchersammlungen Wissensordnungen, vom Intellektuell-Abstrakten bis hin zur pragmatischen Anordnung in Schränke und Fächer, rekonstruieren.

Das Quellenmaterial für die Rekonstruktion von Bibliotheken ist vielfältig und heterogen. Neben den Bücherlisten, die etwa als persönliche Arbeitskataloge, Nachlassinventare oder Auktionskataloge vorliegen können, ermöglichen auch Provenienzmerkmale an erhaltenen Büchern die Rekonstruktion. Bibliotheksrekonstruktion geschieht zumeist in Form gedruckter Analysen oder von Datenbanken mit zugehöriger Webpräsentation. Im Kontext des Forschungsverbundes Marbach Weimar Wolfenbüttel entstand für das Projekt Frühneuzeitliche Gelehrtenbibliotheken an der HAB ein browserbasiertes Tool, das einen niedrigschwelligen Einstiegspunkt für die professionelle Visualisierung von historischen Bibliotheken bilden soll. Es generiert aus Datensammlungen in einem intuitiv zu bearbeitenden Format (CSV oder XML) statische Webseiten, die Listen und Diagrammdarstellungen enthalten. Diese können je nach Datengrundlage konfiguriert werden. Getestet wurde das Tool bislang anhand von Auktionskatalogen (Bahnsen, Rehlinger), von Provenienzdaten (Liddel) sowie einem Standortkatalog (Herzogin Antoinette Amalie von Braunschweig-Lüneburg).

Rekonstruierte und zugleich visualisierte Privatbibliotheken geben vielfältige Impulse für Forschungsfragen etwa zum Erwerb, zur Nutzung und Beziehungskonstellationen. Die Rekonstruktion konzentriert sich zunächst auf Teilsammlungen der HAB. Dazu gehören insbesondere Gelehrtenbibliotheken sowie Privatbibliotheken von Angehörigen des Welfenhauses. Das Projekt lädt externe Forscherinnen und Forscher zur Kooperation ein, die Erschließungsdaten zu den von ihnen bearbeiteten Bibliotheken beizutragen. Darüber hinaus ist das Tool unter einer freien Lizenz im Internet veröffentlicht.


PURL: http://diglib.hab.de/?link=082

 


Finanzierung: Haushalt
Laufzeit: Daueraufgabe
Bearbeiter: Dr. Hartmut Beyer, Prof. Dr. Ulrike Gleixner, Anne Harnisch, Dr. Jörn Münkner, Katrin Schmidt, Dr. Jill Bepler u. Stefanie Au (Marrying Cultures)
Tel. 05331-808-372, -246, Fax -173