Instrumente, Werkzeuge und Naturobjekte als Ausweis von Expertenwissen in Autorenbildern der Frühen Neuzeit

Der Astronom, Mathematiker und Instrumentenbauer Johannes
Stöffler in den Icones sive imagines virorum literis illustrium,
versammelt von Nicolaus Reusner (Straßburg bei Bernhard Jobin,
1590).

Teilprojekt des Forschungsprojektes „Bildpolitik: Das Autorenporträt als ikonische Autorisierung“ im Forschungsverbund Marbach – Weimar – Wolfenbüttel

Im 16. Jahrhundert arbeiten zunehmend auch Praktiker mit Feder und Tinte – und publizieren ihr Handlungswissen in schriftlicher Form, beispielsweise als Instrumentenbauer, die ihre Innovationen im Bereich der Landesaufnahme von eigenverfassten Erklärungen begleiten lassen. Ebenso veröffentlichen Naturforscher, die kategorisierend mit der Ordnung von Mineralien, Pflanzen oder Tieren beschäftigt sind, Abhandlungen über ihre Sammlungen und die dort verwahrten Objekte.

Das Teilprojekt wendet sich dieser Sonderform von Autoren zu, die – als Metallurgen, Ärzte, Feinschmiede, Vermesser und Kartographen – eine besondere, aus der Praxis und dem Handeln mit Objekten stammende Expertise mitbringen. Bemerkenswert nämlich ist, dass Autoren dieser Gruppe häufig von einem Attribut begleitet werden: von einer Armillarsphäre oder einem Bergeisen, von Zirkeln, Blumen und anderen Dingen, die auf ihr konkretes Tun verweisen. Diese neuartigen ikonographischen Formeln nimmt das Forschungsprojekt zum Ausgangspunkt, um nach der intendierten Aussage dieser Porträts von schreibenden Praktikern zu fragen. Die „hantierenden“ Gelehrten scheinen sich ihres besonderen Status’ bewusst zu sein, ist doch auffällig, dass sie die Herkunft ihres Wissens und Könnens aus einem Hand-Werk nicht verheimlichen, sondern besonders ins Bild setzen. Dies umso mehr, da auch diejenigen Forscher, die durch ihre Sammlungs- und Kategorisierungsarbeiten im 16. Jahrhundert mit dazu beitrugen, die methodischen Veränderungen innerhalb der Naturphilosophie hin zu einer materialnah experimentierenden Naturwissenschaft anzustoßen, genau diese Materialien bildlich in Szene setzen (lassen).

Im Kontext einer Wissensgeschichte der Frühen Neuzeit analysiert das Projekt diese neue Gattung von Gelehrten, die aus ihren Bildern hinaus mithilfe der ihnen beigegebenen Attribute selbstbewusst auf neue Wissensformen jenseits des Buches verwiesen. Ein wichtiger Fokus liegt dabei auf der Frage, wer an der Schaffung dieser neuen Bildformen beteiligt war und was handlungsleitende Motive gewesen sein können: kann doch in der Gattung der repräsentativen Gemälde davon ausgegangen werden, dass die Porträtierten selbst auf ihre Zwitterstellung zwischen Theorie und Praxis Wert legten – und möglicherweise als Praktiker durch den Verweis auf ihre schriftstellerische Arbeit ihren Status aufzuwerten suchten. Bei Autorenporträts hingegen scheinen andere Motive von Bedeutung, wenn beispielsweise vorhandene Vorlagen durch Aspekte des praktischen Tuns der Autoren angereichert wurden und damit eine besondere Expertise des Autors betonten.


Projektinformation: http://www.mww-forschung.de

 


Finanzierung: Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des MWW-Verbundes
Laufzeit: März 2017 – August 2018
Bearbeiterin: Dr. Henrike Haug
Tel. 05331-808-235, Fax -277