Katalogisierung der lateinischen mittelalterlichen Handschriften der SUB Göttingen

Publius Terentius Afer: Comoediae.
Italien, 15. Jahrhundert. Göttingen, SUB,
2° Cod. Ms. philol. 110 Cim., fol. 55r

In Kooperation mit der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen

In Zusammenarbeit mit der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen werden an der Herzog August Bibliothek die lateinischen Handschriften der SUB Göttingen nach den Richtlinien der DFG erschlossen. Ziel des Projektes ist die Erstellung eines Handschriftenkatalogs in gedruckter und internetbasierter Form. In der ersten Projektphase werden 78 lateinische Handschriften neu beschrieben.

Für die 1737 gegründete Georgia Augusta wurde eine Bibliothek eingerichtet und für die dort betriebenen Wissenschaftsdisziplinen von Grund neu aufgebaut. Der Grundstock bestand aus Büchern des Göttinger Gymnasiums, Dubletten aus der königlichen Bibliothek in Hannover sowie der hervorragend ausgestatteten nachgelassenen Bibliothek des Großvogts Joachim Hinrich von Bülow († 1724). Die ersten Bibliotheksdirektoren, vor allem Christian Gottlob Heyne († 1812), bauten den Bestand nach umsichtigen und der Wissenschaft dienlichen Erwerbungsprinzipien schnell zu einer sehr gut ausgestatteten Universalbibliothek.

Die meisten mittelalterlichen Handschriften wurden zu Heynes Dienstzeit von 1763 bis 1812 auf Auktionen erworben. Demnach sind sie durch bewusste, auf den Gesamtbestand der Bibliothek ausgerichtete Kaufentscheidungen ins Haus gekommen. Die gezielte Einordnung mittelalterlicher Handschriften in die Wissenschaftssystematik der Aufklärung stellt eine Besonderheit des Göttinger Korpus der abendländischen mittelalterlichen Handschriften dar, die durch ihre Aufstellung unterstrichen wird. Sie bilden nämlich keine eigene Signaturgruppe, die sie als mittelalterliche Handschriften aus dem Gesamtbestand herausheben würde, sondern sie wurden mit den neuzeitlichen Handschriften gemeinsam in Anlehnung an die Göttinger Systematik des 18. Jahrhunderts aufgestellt, jedoch offenbar getrennt von den Druckschriften.

Insgesamt gibt es innerhalb der historischen Bestände der SUB Göttingen ein Korpus von 426 abendländischen mittelalterlichen Handschriften. Die neue Tiefenerschließung nach DFG-Richtlinien soll den Handschriftenkatalog von Wilhelm Meyer (1893/94) ersetzen. Die Katalogisierung erfolgt im Format TEI-P5, es werden die im Rahmen des Europeana Regia-Projektes erarbeiteten Richtlinien angewendet (vgl. die unabhängig von Projekten weitergepflegte Dokumentation). Die Publikation der aktuellen Projektergebnisse erfolgt bereits im Laufe der Projektarbeit in der Handschriftendatenbank der HAB. Gleichzeitig werden die Beschreibungen in Manuscripta Mediaevalia nachgewiesen. Die bei der Beschreibung und Bestimmung der Einbände erhobenen Daten fließen in die ebenfalls von der DFG geförderte Einbanddatenbank ein. Wasserzeichen werden mit dem Infrarotaufnahmegerät ATWISE (entwickelt von Manfred Mayer, UB Graz) erfasst und nach ihrer Bestimmung in das Wasserzeicheninformationssystem WZIS eingegeben.

Liste der in Wolfenbüttel zu beschreibenden Handschriften.

Projektseite der SUB Göttingen

PURL: http://diglib.hab.de/?link=076

 


Finanzierung: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
Laufzeit: Januar 2017 – Januar 2020
Bearbeiterin: Dr. Patrizia Carmassi
Tel. 05331-808-119, Fax -165