Kommentierte digitale Edition der Reise und Sammlungsbeschreibungen Philipp Hainhofers (1578-1647)

Ein Joch der Längswand des Antiquariums
in der Münchner Residenz, lavierte Federzeichnung
Cod. Guelf. 23.3 Aug 2°

In Kooperation mit der Trierer Arbeitsstelle für Künstlersozialgeschichte an der Universität Trier

Der Augsburger Philipp Hainhofer ist die bedeutendste Vermittler-Persönlichkeit für Kunst sowie politische und kulturelle Information in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts nördlich der Alpen. Als „cultural broker“ überschritt er beständig konfessionelle und politische Grenzen. Zwischen seinen geschäftlichen, diplomatisch-politischen und gelehrten Korrespondenzen, seinen für höfische Rezipienten konzipierten Reise- und Kunstbeschreibungen, seinen komplexen Kunstkammerschränken und seinem Handel mit Kunstwerken, anderen Luxusgütern, Büchern und Handschriften bestanden vielfältige Austauschprozesse, die Inhalt und Struktur des jeweiligen Handlungsfeldes konturierten. Auf diese Weise schuf Hainhofer geordnete Mikrokosmen als Antwort auf eine auseinanderdriftende konfessionelle und politische Welt am Vorabend des Dreißigjährigen Krieges.

Diese Arbeitsfelder Hainhofers konvergieren in seinen Reiserelationen. Sie bilden den Kern seines schriftlichen Nachlasses und eine außerordentliche Ressource für Kunstgeschichte und Geschichtswissenschaften der Frühen Neuzeit sowie für benachbarte Disziplinen, und dies unter vielfältigen Gesichtspunkten wie der Erforschung von Residenzen und Sammlungen, Hof-, Adels- und Zeremonialkultur, Reise- und Kunstliteratur, kulturellem Austausch und materieller Kultur, Diplomatie- und Politikgeschichte.

Ziel der digitalen Edition ist es, die Reiserelationen Hainhofers erstmals vollständig in Form von digitalen Faksimiles der Handschriften und als Volltext vorzulegen und mit umfangreichen kritischen Apparaten und Sachkommentaren in Text und Bild zu versehen. Die erste Projektphase bis 2020 umfasst die zwischen 1603 und 1636 entstandenen Beschreibungen seiner fünf Reisen an den Münchner Hof. Anschließend sollen in einem zweiten Abschnitt bis 2023 die Reisen nach Nürnberg, Regensburg, Neuburg, Heidelberg (und Oberrhein) sowie Stuttgart, daraufhin in einer dritten Förderperiode die Reisen nach Stettin, Innsbruck und Dresden herausgegeben werden. Die letzte Projektphase wird das Reisetagebuch der Studien- und frühen Erwachsenenjahre sowie einige kleinere Kuraufenthalte zum Thema haben. Der Abschluss des Langfristvorhabens ist für 2029 vorgesehen.

Über diese bereits seit Langem gewünschte komplette Tiefenerschließung von Hainhofers Reiserelationen hinaus wird das Projekt zudem zwei konzeptionell-strukturellen wissenschaftlichen Leitzielen dienen. Es sind dies zum einen eine Schärfung der Frage nach Funktion und Bedeutung kultureller Vermittlung und Übersetzung in einem innereuropäischen Raum in Zeiten erhöhter politischer und konfessioneller Auseinandersetzungen, zum anderen der Versuch eines erneuerten Ansatzes von Interdisziplinarität, bei dem die unterschiedlichen Fachrichtungen in gleichen Maßen integriert sind.

PURL: http://diglib.hab.de/?link=078


Finanzierung: Deutsche Forschungsgemeinschaft

Laufzeit: März 2017 – Februar 2020

Projektleitung: Prof. Dr. Peter Burschel (Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel), Prof. Dr. Dr. Andreas Tacke (Universität Trier)

Bearbeiter: Dr. Michael Wenzel (interne Projektleitung), N.N., N.N.

Tel. 05331-808-125

Kooperationspartner/wissenschaftlicher Beirat: Prof. Dr. Wolfgang Augustyn (Zentralinstitut für Kunstgeschichte, München), Prof. Thomas DaCosta Kaufmann, Ph.D. (Princeton University), Dr. Marika Keblusek (Universiteit Leiden), Prof. Dr. Ulinka Rublack (University of Cambridge), Prof. Dr. Kim Siebenhüner (Universität Bern)