Mediengeschichte der Psalmen

Text des Psalms 136/7 mit rahmendem Kommentar,
Straßburg vor 1481, Herzog August Bibliothek,
Wolfenbüttel, A 45c.2° Helmst.

Teilprojekt des Forschungsprojektes „Text und Rahmen. Präsentationsmodi kanonischer Werke“ im Forschungsverbund Marbach – Weimar – Wolfenbüttel

Psalmen gehören zu den ältesten Gedichten überhaupt. Diese meist gesungene Literatur ist seit der Antike überaus vielfältig überliefert: In den Sammlungen der drei Häuser finden sich Psalmen als Buch der Psalmen, als Teil der Vollbibeln, in Bibelkommentaren, in Messbüchern, in reich bebilderten Stundenbüchern, in Musikausgaben der verschiedensten Vertonungen sowie in unzähligen literarischen Bearbeitungen vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Diese Vielfalt der Psalmenüberlieferung nutzt das Teilprojekt, um herauszufinden, welche Art von lateinischer, mittelniederdeutscher und frühneuhochdeutscher Lyrik geschätzt und gepflegt wurde, es erforscht also deren historische Ästhetik und Poetik.

Neben den Psalmen in Wolfenbüttel werden im Projekt „Text und Rahmen“ in Weimar „Der Fauststoff in Text und Bild“ und in Marbach die „Klassik im Insel-Verlag ca. 1900-1930“ untersucht. Das Projekt fragt übergreifend, was diese Werke überhaupt kanonisch macht. Wie kommt es dazu, dass sie immer wieder gelesen werden? Das ist keineswegs selbstverständlich. Die Texte müssen sich laufend neuen Leser-Erwartungen und historischen Gegebenheiten anpassen, müssen deswegen bearbeitet oder neu gerahmt werden. Wie werden aber Texte immer wieder für zukünftige Generationen attraktiv? Das Projekt vermutet, dass die Sinnenfälligkeit eine entscheidende Rolle spielt und dass dazu sowohl die berührbare und sichtbare Materialität der Bücher gehört als auch deren Präsentation in Worten, Gesten und Gesang. Zur Analyse und Präsentation dieser sinnlichen Dimensionen eignen sich die digitalen Möglichkeiten des Verbundes hervorragend. Die Sammlungen der drei Häuser enthalten gleichsam erstarrte Kanones und stellen das historisch ausgreifende Untersuchungsmaterial zur Verfügung, das für diese Fragestellung nötig ist. Die Projektgruppe macht es sich zur Aufgabe, die Kanon-Konjunkturen, ihre medialen Bedingungen und Beschränkungen zu untersuchen und damit eine Sammlungs-Kritik im aufklärerischen Sinne zu leisten.

 

Projektinformation: http://www.mww-forschung.de

 


Finanzierung: Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des MWW-Verbundes
Laufzeit: Februar 2014 – Januar 2017
Bearbeiterin: PD Dr. Ursula Kundert
Digital Humanities-Unterstützung: Timo Steyer
Handschriftendatenbank: Torsten Schaßan
Tel. 05331-808-233, Fax -277