Wissensproduktion an der Universität Helmstedt: Die Entwicklung der philosophischen Fakultät 1576-1810

Die Gebäude der Helmstedter Universität im 17. Jahrhundert,
darüber die Wappen der vier Fakultäten

Die Universität Helmstedt (Academia Julia) gehörte in den knapp 250 Jahren ihres Bestehens lange Zeit zu den profilierten und meist frequentierten Hochschulen des Alten Reiches. Trotz sehr guter Quellenlage ist die Geschichte dieser Bildungseinrichtung bislang nur in Ansätzen erforscht.

Das Gesamtprojekt widmete sich daher vorrangig der Geschichte der philosophischen Fakultät. Die mittlerweile abgeschlossenen Erschließungsprojekte stehen auf einem Internetportal zur Verfügung: Hier finden sich sämtliche Vorlesungsverzeichnisse mit 27.000 Lehrveranstaltungen aus dem Zeitraum 1581–1810, die im Volltext durchsucht werden können. Weiterhin existieren Datenbanken zu den in allen vier Fakultäten angefertigten Dissertationen mit knapp 7.000 Einträgen sowie zur Matrikel der Universität, in der ca. 46.000 Universitätsbesucher und Universitätsangehörige verzeichnet sind. Eine Besonderheit der Helmstedter Universitätsgeschichte ist die dichte Überlieferung professoraler Rechenschaftsberichte, die in drei Zeitschnitten elektronisch zur Verfügung gestellt wurden. Basisinformationen zu den Lehrkräften bietet ein Professorenkatalog. Beinahe abgeschlossen ist die Digitalisierung der ca. 10.000 Helmstedter Hochschulschriften, ebenso die Katalogisierung der im Juleum verbliebenen Teile der Universitätsbibliothek durch Mitarbeiter/innen der HAB.

Siegel der Universität

Die Datenbanken bilden die Grundlage für das Forschungsprojekt, das die Wissensproduktion an der philosophischen Fakultät der Universität Helmstedt vertieft untersucht. Der Schwerpunkt liegt auf der Zeit ab 1680, als sich die späthumanistische Artistenfakultät u. a. durch das Aufkommen der Eklektik, der experimentellen Naturlehre und der Historia Litteraria deutlich wandelte und die Helmstedter Universität mit den Gründungen der Universitäten in Halle (1694) und Göttingen (1737) starke Konkurrenz erhielt. Die aus dem Forschungsprojekt entstehenden Monographien untersuchen insbesondere die Laufbahnen des Lehrpersonals, die inhaltliche, institutionelle und methodische Seite des Lehrbetriebs, das Selbstverständnis der Fakultät sowie das spezifische Profil des dort vermittelten Wissens. Die Monographie zum Zeitraum 1680–1740 ist 2012 in der Reihe „Wolfenbütteler Forschungen“ erschienen. Anlässlich einer 2010 organisierten Ausstellung entstand zudem der thematisch umfassende Tagungsband „Das Athen der Welfen“. In Zusammenarbeit mit der TU Leipzig erfolgt derzeit die Aufbereitung der Daten des Helmstedt-Portals zu einem semantischen Informationssystem nach dem Vorbild des „Catalogus professorum Lipsiensium“.

Dieses Projekt ist Teil des Forschungsschwerpunktes der Herzog August Bibliothek zur Geschichte der Universität Helmstedt. Weitere Projekte zu diesem Thema finden Sie hier:

 

PURL: http://diglib.hab.de/?link=055


Finanzierung: Niedersächsisches Vorab (Niedersächsisches Ministerium für Wissenschaft und Kultur)
Laufzeit: November 2006 – Oktober 2013 (Weiterarbeit am Webportal)
Kontakt: Prof. Dr. Ulrike Gleixner, Dr. Hartmut Beyer
Tel. 05331-808-246, -339, Fax -277