Anna Glowacka
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Das Schwesternmotiv in der Literatur des 19. JahrhundertsIn meinem Forschungsprojekt beschäftige ich mich mit der literarischen Reflexion über die Schwesternbeziehung und besonders mit der weiblichen Imagination des Schwester-Schwester-Verhältnisses. Das Ziel meiner Doktorarbeit ist die Untersuchung der literarischen Darstellung der einzigartigen biologischen und emotionalen Beziehung zwischen zwei Frauen in einer Schwesternkonstellation. Im Zentrum der Betrachtung stehen einerseits Begriffe wie biologische Schwesternschaft (Abstammung von den gleichen leiblichen Eltern) und emotionale Schwesterlichkeit (Nähe und Solidarität) sowie die Themen Geschwisterliebe, Freundschaft und Integration und anderseits die Geschwisterrivalität, Abgrenzung, Konkurrenz und Neid. Die literarischen Texte gestalten das Ideal des schwesterlichen Verhaltens mit, das mit positiven Werten wie Treue, Solidarität, Mitgefühl, Nähe, Zusammenhalt und Hilfe aufgeladen wird. Anhand von ausgewählten Romanen und Erzählungen des langen 19. Jahrhunderts werden Schwesternkonstellationen und Schwesternmodelle bei weiblichen und männlichen Autoren untersucht. In meinem Projekt lege ich besonderes Augenmerk auf die populärsten deutschen Autorinnen der Restaurationszeit, die jedoch als Frauen keinen Platz im Kanon gefunden haben und im kollektiven Gedächtnis fehlen. Für ihre Texte ist die Präsenz zweier antagonistischer Schwesternfiguren kennzeichnend. In der Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel analysiere ich Werke von nicht-kanonisierten deutschen Autorinnen des ausgehenden 18. Jahrhunderts und des frühen 19. Jahrhunderts, die eine Schwesternbeziehung in den Mittelpunkt stellen. |
