Antonius Baehr

Venus-Dichtungen im deutschen Barock

Die Fülle und Vielfalt der barocken Venus-Rezeptionen in über sechzig Großdichtungen ist in der Forschung fast gänzlich unbeachtet. Lediglich die beiden großen, prominenten Preisgedichte Lustinne (1645) von Philipp von Zesen und Venus (1695) von Daniel Casper von Lohenstein sind teilweise gewürdigt worden, nicht aber die christlich geprägten Gegenstimmen, wie etwa Jacob Schwiegers Verlachte Venus (1659) oder Sigmund von Birkens Erwachen (1660). Über die vielfältige poetische Integration der Venus soll nicht nur das Spannungsfeld zwischen christlicher Reserve gegen den Paganismus und glorifizierender Aneignung der heidnischen Götterfigur untersucht, sondern auch die Pluralität des Liebesdiskurses im 17. Jahrhundert nachgewiesen werden.