Cornelia Niekus-Moore (Faixfax)

Meditation als literarische Praxis von Frauen in der Deutschen Frühen Neuzeit

Hans Michael Moscherosch schrieb: in eine Frauenhand gehöre ein Gebetbuch und eine Spindel. Frauen haben sich daran gehalten und haben nicht nur Erbauungsliteratur gelesen, sondern sie auch selber geschrieben. Wenn man also wissen will, was Frauen in der Frühen Neuzeit gelesen und geschrieben haben, sollte man die Erbauungsliteratur nicht übersehen.

Vieles dieser von Frauen geschriebenen Erbauungsliteratur scheint das Resultat einer meditationsartigen Beschäftigung mit der religiösen Materie zu sein. Woods/Fürstenwald, noch immer die essentielle Bibliographie für Dichterinnen der Frühen Neuzeit, klassifiziert sie auch so. Ich möchte diese von Frauen geschriebene Literatur auf ihren Meditationsaspekt untersuchen und fange mit den religiösen Werken von Sibylle Ursula von Braunschweig und Lüneburg an: das postum gedruckte "Himmlische Kleeblatt" und die Seufzer (im Manuskript), sie sind der religiöse Teil der umfangreichen literarischen Arbeit dieser begabten Tochter von Herzog August. Diese Studie sollte auch die Bedingungen unter deren diese Literatur geschaffen wurde, näher beleuchten.