Hania Siebenpfeiffer

Die literarische Eroberung des Alls – Frühneuzeitliche Weltraumreisen und die Vielheit der Welten

Das Projekt erforscht am Beispiel literarischer Weltraumreisen der Frühen Neuzeit die Relation von Literatur und Wissen(schaft) im Zeitalter der nova scientia. Am methodologischen Schnittpunkt von Literaturwissenschaft, Kulturwissenschaft und Wissensgeschichte analysiert es prototypische Science Fiction-Erzählungen, die ihren Einsatz 1593 [1634] mit Keplers Somnium und ihr frühneuzeitliches Ende 1770/71 mit Merciers L’an 2440 finden.

Die Untersuchung geht von der zentralen These aus, dass die Erzählungen der Abstraktheit der neuen Wissenschaften eine literarische Anschaulichkeit entgegensetzten, die das Verhältnis von Literatur und Wissenschaft im Modus der Fiktion neu tarierte. Sie verhalfen einem wissenschaftlich wahrscheinlichen, aber unbewiesenem Wissen zu (poetischer) Plastizität und Plausibilität, zu Anschaulichkeit und Evidenz. Das Projekt wird damit zeigen, inwiefern der diskursive Zusammenhang von Fiktion und Faktizität, von Imagination und Exploration im Feld der frühneuzeitlichen Literatur und Wissenschaften paradigmatisch auf Konstitutionsbedingungen sowohl von Literatur als auch von Wissenschaft verweist. Hierzu werden Weltraumerzählungen englischer, französischer, niederländischer und deutscher Provenienz mit der naturphilosophischen Diskussion um die Ordnung des Alls, die Vielheit der Welten und die Kette der Wesen konfrontiert.