Hans Christian Hönes

Ursprung und das Gedächtnis der Bilder

Winckelmanns viel zitierte Tränen angesichts der Vergangenheit der antiken Kunst haben ein anderes, um 1800 durchaus populäres kunsthistoriographisches Narrativ in den Hintergrund treten lassen: Gemeint sind jene Entwürfe, die nicht die historische Abgeschlossenheit, sondern das ungebrochene Fortleben der Bildwelten der ältesten Zeiten postulieren. Ausgehend von einer meist anthropologisch begründeten Urszene (Sintflut, Phalluskulte, Hieroglyphen) verfolgen diese, oft hoch spekulativ argumentierenden Autoren, den Fortbestand der vermeintlich ursächlichen Symbolik über die Jahrhunderte hinweg. Ihre Argumentationsmuster zeigen dabei überraschende Konvergenzen zu modernen Geschichtsentwürfen, wie sie um 1900 im Werk Aby Warburgs kulminieren. Mein Projekt versucht Gestalt und Genese dieser Gedanken, ausgehend vor allem von den Schriften des selbsternannten Baron d´Hancarvilles, nachzuerzählen.