Julia Frick

Vergils Aeneis in der Übersetzung Thomas Murners (1515). Edition und Untersuchung

Thomas Murner (1475-1537) übersetzte als erster Vergils Aeneis in die deutsche Sprache (Strassburg: Johannes Grüninger 1515). In typischem Humanisten-Gestus will er seine Übersetzung als kulturelle Rettung des großen Werks für die Welt derer verstanden wissen, die keinen Anteil an der lateinischen Bildung haben: Er habe das Werk des großen Vergil von latynschem todt in tütsches Leben […] erquicket (s. Vorrede). Durch die Wahl der Form, des freien Knittels, hebt sie sich von den sonst in dieser Zeit üblichen Klassiker-Übersetzungen in Prosa ab. Die Edition bietet eine Synopse des deutschen Textes und Murners lateinischer Vorlage, um das historisch intendierte bilinguale Textstudium abzubilden. Auf diese Weise wird das geeignete Arbeitsinstrument für die Untersuchung der Übersetzungsstrategien und der frühneuzeitlichen lateinisch-deutschen Bilingualität allgemein bereitgestellt.