Katharina Koitz

Promotionsprogramm Wissensspeicher und Argumentationsarsenal. Funktionen der Bibliothek in den kulturellen Zentren der Frühen Neuzeit

Promotionsprojekt

Arbeitstitel: "Dissente Körper. Die Metaphorik des Kranken in erbaulichen und kontroverstheologischen Schriften zur Zeit der Konfessionsbildung um 1600"

Betreuer/in: Prof. Dr. Siegrid Westphal (Osnabrück),
Prof. Dr. Ulrike Gleixner (HAB), Dr. Sven Limbeck (HAB)

Eine Jungfrau entsagt ihrem Gott, beißt sich die Zunge ab und stirbt an einer Kolik. Vier Mönche erwürgen einen Schafe hütenden Bären und werden aussätzig. Ein appetitloser Melancholiker wähnt sich tot bis ihn ein schlemmender und vorgeblich ebenfalls verstorbener Mönch kuriert. Die lutherischen Exempelsammlungen des 16. Jahrhunderts berichten vielfach vom Kranken, von seiner moralisch-makulativen Bedingtheit und der Möglichkeit ihrer Überwindung im Zuge normierender Therapeutik. Metaphorisch veranschaulichen die Texte auf diese Art abstrakt-theologische Standpunkte, verhandeln dabei aber ebenso die illustrierten Positionen wie auch das Illustrierende, die Vorstellungen vom Pathogenen selbst. Vor dem konfessionskulturellen Hintergrund des 16. Jahrhunderts gerieren sich jene Exempel und damit die Bilder des Kranken als unterhaltsam-belehrende Medien orthodoxer Propaganda und Abwehr. Doch auch die zeitgenössischen Bibliotheken mit ihrer Archivierung und Bereitstellung entsprechender Schriften wirken hierbei als Aktanten einer diskursspezifischen Wissensorganisation. Ziel des Projekts ist es, die Semantik des Kranken als handlungsleitendes Ordnungselement zu erfassen und zu analysieren. Gefragt wird nach Gestalt und Rolle der Krankheitsmetaphorik innerhalb einzelner Exempel und Exempelsammlungen, nach deren Anbindung an konkrete Kontroversen und Institutionen im Radius ihrer Produktions- und Rezeptionskontexte als auch nach den Interferenzen medizinischer und theologischer Diskurse.

Forschungsschwerpunkte

  • Körper
  • Frömmigkeit
  • Wissen und Wissenschaft
  • Präsenz und Nicht-Präsenz

Kurzbiografie

  • seit 10/2015: Doktorandin im Promotionsprogramm des IKFN und der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel "Wissensspeicher und Argumentationsarsenal. Funktionen der Bibliothek in den kulturellen Zentren der Frühen Neuzeit" in Osnabrück
  • 04/2001-03/2014: Magistra Artium - Mittelalterliche Geschichte und Ältere deutsche Philologie, Humboldt-Universität zu Berlin, Magisterarbeit "Der Mittelalterliche Sündenlepradiskurs zwischen medizinischer und moralischer Wirklichkeitsdeutung"
  • 03/2014: What if - 53 Collaborations Denver-Berlin & 53 Collaborations Berlin-Denver (Gruppenausstellung), Neurotitan, Berlin & Showpen, Denver
  • 05/2013: Spiderhearts (Gruppenausstellung), Neurotitan, Berlin
  • 05/2011: Rapid Rabbit - Beschleunigte Bildwelten: Block 3 Archive / zeitloses Nebeneinander im Netz / Vergessen & Block 4 Simulationen / Realitätsfragen/Krieg (Gruppenausstellung), Kunsthaus Friese, Hamburg
  • 05/2006: Blutiges Leiden - Blutige Nahrung. Jacob Cornelisz von Amsterdams "Christus als Schmerzensmann" (Vortrag zur Langen Nacht der Wissenschaften), Technische Universität Berlin

 


Kontakt:
Interdisziplinäres Institut für Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit
Universität Osnabrück
Neuer Graben 19/21
49074 Osnabrück

Tel. +49 541 969 6023
Mail: kkoitz@uni-osnabrueck.de