Luise Schorn-Schütte (Frankfurt a. M.)

Historische Politikforschung: Gewaltlegitimation im Innern und nach außen

Historische Politikforschung wird definiert als Kommunikation über das Politische in europäischen Gesellschaften der Frühneuzeit. In diesen gab es jene so strikte Trennung zwischen Innen und Außen nicht, wie es für das 19./20. Jahrhundert als selbstverständlich gelten kann. Ziel des Arbeitsvorhabens (Abschluss eines Buchmanuskriptes) ist es deshalb zu zeigen, wie stark das Vokabular der politischen Sprachen im Europa des 16./17. Jahrhunderts zugleich als Vokabular in Konflikten verwendet wurde, die im Innern und nach außen hin ausgetragen wurden. Anschaulich wird dies in der Verwendung der Begriffe "Notwehr" und "Gegenwehr", sie waren gesamteuropäisch anzutreffen und bezogen ihre konfessionsübergreifende Legitimität aus ihrer Herkunft aus dem römischen Recht. Der Verdacht der Rebellion war damit für diejenigen, die sie als Rechtfertigung politischen Handelns verwendeten, gebannt. In den Verfassungskonflikten zwischen Kaiser und Reichsständen im Alten Reich des 16. Jahrhunderts (monarchische oder aristokratische Struktur) galten sie als legitime Vokabel ebenso wie in den Konflikten in der Mitte des 17. Jahrhunderts, in denen es im Umkreis des dreißigjährigen Krieges auch um die Rechtfertigung eines gerechten, eines heiligen Krieges im Interesse einer einzelnen Konfession gehen konnte. Am Beispiel einiger konkreter Konflikte ebenso wie mit Hilfe der Analyse der Argumentationen zweier einflussreicher Autoren jener Jahrzehnte (J. Gerhard und D. Reinkingk) soll diese These geprüft werden.