Muriel González Athenas

Geographien Europas am Ende der Frühen Neuzeit. Kultur-Techniken der Herstellung Europas

In der aktuellen Debatte um Europa, u.a. ausgelöst durch die wirtschaftliche und politische Krise, wird die Europäische Union als Wertegemeinschaft und einheitlicher Rechts- und Wirtschaftsraum bezeichnet oder zumindest postuliert. Dem zugrunde liegt eine als räumliche Einheit begriffene Geographie des „Kontinents Europas“, die selten hinterfragt wird. Dieser geographischen Einheit bzw. deren kartographischer Herstellung (Kartenbestand der HAB) gilt das Interesse dieser Forschung. These der Arbeit ist es, dass sich in Westeuropa zwischen 1700 und 1860 eine spezifisch geographisch begründete Verräumlichung des Denk- und Wahrnehmungshorizontes durchsetzte und diese in der Herstellung und Deutung der Kartenwerke ihren Ausdruck fand. Außerdem geht die Arbeit davon aus, dass diese neuartigen graphischen Medien wiederum wirkmächtig in die Rezeption eurozentristischer Raumvorstellungen eingriffen bzw. diese erst produzierten. Ziel der Untersuchung ist, den Zusammenhang zwischen Karten, Wissen und Macht zu untersucht und zu historisieren. Es geht um die Beantwortung der Fragen nach der Herstellung und Etablierung Europas als Weltregion, sowie nach seiner hegemonialen Positionierung in einer globalen Raumordnung von „Zentrum“ und „Peripherie“.

https://www.rub.de/ngg/Mitarbeiter/gonzalez.html