Roswitha Simons

Die Varia Poemata des Matthias Flacius Illyricus im Kontext reformatorischer Gedichtsammlungen

Die 1557 von Matthias Flacius Illyricus herausgegebenen Varia doctorum piorumque virorum de corrupto ecclesiae statu poemata nehmen aufgrund ihrer nachhaltigen Wirkung eine Sonderstellung unter Gedichtsammlungen des 16. Jahrhunderts vergleichbarer Intention ein. Im Dienste einer Legitimierung und Traditionsstiftung der Reformation sind hierin 260 Gedichte kirchenkritischen und religiösen Inhalts aus den vorangehenden 600 Jahren versammelt, die als Zeugnisse einer jahrhundertelangen Kontinuität des wahren Glaubens wie der Klage über die Korruption der katholischen Kirche dienen sollen. Für die Überlieferung und Rezeption eines Großteils der Gedichte markieren die Varia Poemata einen Einschnitt, da die von Flacius edierten Versionen für lange Zeit maßgeblich werden und unkritisch in späteren Sammlungen, kirchengeschichtlichen Abhandlungen etc. nachgedruckt sind.

Im Rahmen des Projekts sollen die Varia Poemata erstmals eingehend in inhaltlicher, quellenkritischer und wirkungsgeschichtlich Hinsicht analysiert werden. Ziel ist eine vollständige Erfassung und Identifizierung ihres Inhalts sowie - soweit möglich - der von Flacius verwendeten Quellen; eine Evaluation seiner editorischen Leistung und Zuverlässigkeit; eine inhaltliche Analyse der Varia Poemata in Hinblick auf Auswahl, editorische Eingriffe und Präsentation der Texte mittels Paratexten, Überschriften etc.; die Aufarbeitung der Wirkungsgeschichte der Varia Poemata.