Thomas Martin Buck

Die um 1420 entstandene Konzilschronik Ulrich Richentals ist nicht im Original, sondern in mehreren, zum Teil stark divergierenden Fassungen erhalten. Die verschiedenen Handschriften und Frühdrucke, in denen die Chronik überliefert ist und die allesamt erst aus der Zeit nach 1460 stammen, waren der Forschung allerdings lange Zeit nicht in vollem Umfang bekannt oder wurden zugunsten vermeintlich näher mit dem "Original" verwandter Überlieferungszweige nicht mit berücksichtigt.

Dass die von einem Forscher ausgewählte Chronikversion oder -handschrift somit erhebliche Auswirkungen auf dessen gesamte Interpretation des Werks hatte, muss wohl nicht eigens betont werden.

Das Forschungsprojekt zielt mithin auf ein neues, von der varianten historischen Überlieferung ausgehendes Verständnis der Konstanzer Konzilschronik, das die ebenso komplexen wie divergenten Überlieferungsverhältnisse adäquater abbildet, als dies bislang der Fall ist. Die Eigenständigkeit der verschiedenen Chronikfassungen soll sichtbar gemacht, eine Vergleichbarkeit der divergierenden Versionen ermöglicht und damit eine Neuinterpretation des Textes initiiert werden. Die digitale Edition der drei Hauptversionen des Textes soll den Text für den Benutzer in seiner Fluktuation und Varianz deutlich werden lassen. Es werden drei Textfassungen mit drei kritischen Apparaten sowie ein Sachkommentar geboten. Der Forschung soll durch die digitale Edition darüber hinaus ein leicht zugängliches Arbeitsinstrument zur Verfügung gestellt werden.