Erschließung des Briefwechsels von Johann Valentin Andreae (1586-1654)

Kupferstich von Wolfgang Kilian, Inventar-Nr. A 372

Johann Valentin Andreae (1586-1654) war als Erbauungsschriftsteller, Prediger, christlicher Utopist, Kunstsammler, Naturforscher und Mitglied der Fruchtbringenden Gesellschaft eine ungewöhnlich schillernde Figur unter den gelehrten Theologen in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Wie die in den letzen Jahren wieder belebte Andreae-Forschung herausgearbeitet hat, gehören seine handlungsorientierte und frömmigkeitszentrierte Theologie, seine Bestrebung zur Gründung einer societas christiana und seine später verleugnete grundlegende Beteiligung am Rosenkreuzertum zu einer europaweiten Erneuerungsbewegung von weltlicher Kultur, geistlicher Literatur und modernen Wissenschaften. In dieser Hinsicht bildet der Briefwechsel von Johann Valentin Andreae einen zentralen Schlüssel, um seinen umgebenden Kreis von Gelehrten und Theologen näher kennenzulernen, die Fortentwicklung seines Frömmigkeitskonzeptes und seines Verhältnisses zur Rosenkreuzer-Bewegung zu verstehen, aber auch Fragen des Kunsthandels und der Alltagsmentalität zu erläutern, und besitzt daher eine hohe Relevanz für die Erforschung der Kirchengeschichte des 17. Jahrhunderts und der hermetischen Tradition, für die frühneuzeitliche Germanistik, die Pietismusforschung sowie für die Mentalitäts- und Kriegsgeschichte.

Ziel des Projektes ist es, die Andreae-Korrespondenz zu erschließen, die Dokumente zu digitalisieren und ein Repertorium in Form einer Online-Datenbank und eines gedruckten Inventars zu erstellen. Quellengrundlagen des Projekts bilden die zum großen Teil – nach letzter Auswertung 4827 Schreiben – in der Herzog August Bibliothek überlieferten Briefe, deren Gesamtzahl sich auf etwa 5300 Stücke beläuft. Dazu kommen 350 Gelegenheitsgedichte und zehn Stammbucheintragungen, die erschlossen werden sollen. Die frühen Korrespondenzen von Andreae sind durch den kriegsbedingten Stadtbrand von Calw 1634 fast völlig verlorengegangen, sodass die in der Herzog August Bibliothek erhaltenen Briefe von Gelehrten und Theologen an Andreae fast ausschließlich seinen letzten Lebensabschnitt betreffen. Der Briefverkehr mit Herzog August von Braunschweig-Lüneburg, der bei seiner Arbeit an einer Bibelharmonie den Rat des 1638 in Stuttgart zum Hofprediger berufenen Theologen Andreae suchte, bildet mit seinen 1295 Schreiben den umfangreichsten Korrespondenzbestand.

Die Verzeichnung der einzelnen Briefe mit ihren Beilagen in einer Datenbank unter Angabe der Bestandsquellen, der Briefpartner, der Abfassungsdaten und Nummerierung sowie der Adressorte bietet ein praktisches Instrument für wissenschaftliche Arbeiten mit dem Briefwechsel und auch eine Grundlage für eine inhaltliche Erschließung. Darüber hinaus wird das Projekt einen substantiellen Kooperationsbeitrag zur internationalen Plattform Early Modern Letters Online (EMLO), die an der Universität Oxford und der Bodleian Library Oxford unter der Leitung von Howard Hotson angesiedelt ist, leisten und dadurch die Quellen der internationalen Forschung verfügbar machen.

Materialien

 


Finanzierung: Deutsche Forschungsgemeinschaft Deutsche Forschungsgemeinschaft
Bearbeiterin: Dr. Stefania Salvadori
Tel. 05331/808-117, Fax -165