Wolfenbütteler Forschungen

This series is the most general as far as topics or historical periods is concerned. It encompasses monographs on a broad range of themes, the results of interdisciplinary conferences about topics concerned with cultural history as well as facsimile editions of manuscripts from the holdings of the Herzog August Bibliothek.

For books recently published in this series see the following list:

 

WF 135: Gestalten des Deismus in Europa

Gestalten des Deismus in Europa

herausgegeben von Winfried Schröder

Wolfenbütteler Forschungen Bd. 135.
2013. 292 S.
ISBN: 978-3-447-10011-3. € 69,- online bestellen

Zu den philosophie- und theologiegeschichtlichen Formationen, denen in der Zeitspanne zwischen dem späten 16. und dem 18. Jahrhundert die Überwindung der vormodernen Welt die wichtigsten Impulse verdankt, gehört ohne Zweifel der Deismus. Seine Leitideen sind der Gedanke der Suffizienz einer um moralische Vorschriften zentrierten ‚natürlichen’ Religion, die aus bloßer Vernunft zugänglich ist, die Überflüssigkeit einer übernatürlichen Offenbarung und die daraus abgeleitete Forderung nach Toleranz und Denkfreiheit. Diese Ideen weisen den Deismus geradezu als „die Religionsphilosophie der Aufklärung“ (Ernst Troeltsch) aus. Die maßgebliche Rolle, die der Deismus im Modernisierungsprozess der frühneuzeitlichen Philosophie – und der europäischen Kultur im weiteren Sinne – gespielt hat, ist seit langem bekannt. Und doch fehlt es an einem differenzierten Gesamtbild. In den letzten Jahrzehnten sind jedoch wichtige Forschungserträge erzielt worden, die eine Synthese als überfällig erscheinen lassen. Zudem hat die Deismus-Forschung in jüngerer Zeit etliche Desiderate festgestellt, deren Behebung teilweise bereits in Angriff genommen worden ist. Die Bündelung der bereits erarbeiteten Teilergebnisse zu einer allgemeinen Positionsbestimmung des Deismus in der Kultur-, Ideen- und Geistesgeschichte der frühen Neuzeit ist das Ziel der in diesem Band versammelten Beiträge eines – aus Anlass des 80. Geburtstags von Günter Gawlick veranstalteten – Arbeits­gesprächs an der Herzog August-Bibliothek im Juni 2010.

 

 

WF 134: Arnzei und Confect

Arnzei und Confect.
Medikale Kultur am Wolfenbütteler Hof im 16. und 17. Jahrhundert.


von Gabriele Wacker (†)

Wolfenbütteler Forschungen Bd. 134.
2013. 608 S. mit 71 sw-Abbildungen und zahlreichen Schemata
ISBN: 978-3-447-06801-7. € 108,- online bestellen

Die medikale Kultur am Wolfenbütteler Hof zwischen dem 16. und dem frühen 18. Jahrhundert steht im Zentrum dieser Monographie, wobei insbesondere die überlieferten Apothekenrechnungen als Quelle ausgewertet werden. Die registrierten Arzneimittellieferungen geben Aufschluss über Medikationszusammenhänge und -abläufe, historische Tendenzen im Umgang mit Arzneimitteln sowie einzelne gut dokumentierte Sonderfälle.
Beleuchtet werden die Zusammenhänge zwischen Herstellung und Distribution von Arzneimitteln am Wolfenbütteler Hof, die interpersonalen Beziehungsnetze und die Bestallungen ausgewählter Ärzte und Apotheker. Anhand der angewandten Präparate und Substanzen kann man Rückschlüsse auf spezifische Krankheiten am Hof ziehen. Dabei geht die Autorin auch der Frage nach, ob und inwieweit sich die Medikation an ständischen Kriterien orientierte. Während die Mitglieder des Herzogshauses bevorzugt zur  Krankheitsvorbeugung und -vermeidung behandelt wurden, erhielten die Mitglieder des Hofstaates erst dann medikamentöse Behandlung, wenn sie krankheitsbedingt ihre Aufgaben nicht mehr erfüllen konnten. In Seuchenzeiten hingegen scheint man die Medikation weniger nach sozialer Schicht differenziert zu haben, da die Hofapotheke dann das Funktionieren der Gesundheitspflege des gesamten Hofes garantieren musste.

 

 

WF 133: Die Gemälde der Herzog August Bibliothek
Wolfenbüttel

Die Gemälde der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel
Bestandskatalog

von Michael Wenzel
unter Mitarbeit von Bärbel Matthey

Wolfenbütteler Forschungen Bd. 133.
2012. 592 S. mit ca. 456 Farbabb.
ISBN: 978-3-447-06773-7. € 168,– online bestellen

Die Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel besitzt nicht nur eine der weltweit bedeutendsten Büchersammlungen, sondern auch einen Bestand an Gemälden, Pastellen und Miniaturen, der mit diesem Katalog erstmals in seiner Gesamtheit vorgestellt wird. Die 150 Werke umfassende Sammlung gehört zum historischen Erbe des Hauses und war einst Teil des Ausstattungsprogramms der berühmten Wolfenbütteler Bibliotheksrotunde. Gemäß ihrem Aufbewahrungsort handelt es sich zumeist um Porträts von Gelehrten und Mitgliedern des braunschweig-lüneburgischen Herzogshauses, zudem sind Historien, Veduten und allegorische Darstellungen enthalten.
Die ältesten Stücke rechnen zur altdeutschen Schule, darunter Reformatorenbildnisse Cranachs und seiner Werkstatt und zwei seltene Philosophenporträts seines Schülers Franz Timmermann. Den größten Teil des Bestands machen Werke des 17. und 18. Jahrhunderts aus, insbesondere Bildnisreihen von Literaten und Wissenschaftlern, Philosophen und Geistlichen, Bibliophilen und Bibliothekaren, aber auch herausragende Einzelstücke wie „Herzog August d. J. im Arbeitszimmer“, das Porträt des Gottfried Wilhelm Leibniz von Andreas Scheits oder „Apollo und die Musen auf dem Parnass“ von Giovanni Antonio Pellegrini.
Der Band beinhaltet eine Einführung zur Geschichte der Sammlung und erschließt im Katalogteil jedes Gemälde in Einzelanalysen mit Angaben zu materiellem Bestand, Provenienz und Forschungsgeschichte sowie mit einer umfassenden kunsthistorischen Würdigung, die unter anderem Fragen von Zuschreibung und Datierung, Ikonographie und Kontext erörtert. Biographien von Künstlern und Dargestellten, Verzeichnisse zu Bildinhalten und ehemaligen Besitzern, eine Stammtafel und ein Register runden den Band ab.

 

 

WF 132: Innovation in Forschung und Lehre

Innovation in Forschung und Lehre
Die Philosophische Fakultät der Universität Helmstedt in der Frühaufklärung 1680–1740

von Jens Bruning

Wolfenbütteler Forschungen Bd. 132.
2012. 344 S. mit 37 Abb.
ISBN: 978-3-447-06627-3. € 79,– online bestellen

Bereits mit Gründung der Universität Helmstedt im Jahr 1576 wurde eine mit zehn Lehrstühlen sehr gut ausgestattete Philosophische Fakultät installiert, die in den folgenden Jahrzehnten die Grundlage für die irenisch-humanistische Ausrichtung der Helmstedter Theologie und Philosophie bildete und sich somit bereits frühzeitig aus dem Schatten der bis dahin dominierenden drei höheren Fakultäten (Theologie, Jurisprudenz, Medizin) löste.
Die vorliegende, aus dem Projekt „Wissensproduktion an der Universität Helmstedt – Die Entwicklung der philosophischen Fakultät 1576–1810“ (siehe http://uni-helmstedt.hab.de) hervorgegangene Veröffentlichung nimmt bewusst nicht die Glanzzeit der Academia Julia im späten 16. und 17. Jahrhundert in den Blick, sondern erstmals den Zeitraum um 1700, in dem sich die Helmstedter Universität in einer problematischen Phase des Übergangs befand und zudem durch die Gründungen der Universitäten in Halle (1694) und Göttingen (1737) starke Konkurrenz erhielt.
Schließlich war es die sehr leistungsfähige Helmstedter Professorengeneration der 1720er und 1730er Jahre, die nicht zuletzt mit der Durchsetzung einer den Aristotelismus ablösenden eklektisch ausgerichteten Philosophie, der Einführung der experimentellen Naturlehre und der „Historia Litteraria“ dafür sorgte, dass die Philosophische Fakultät der Universität noch einmal zu den führenden Einrichtungen ihrer Art im Alten Reich gezählt werden konnte. Insgesamt zeigt sich an der Fakultät ein bemerkenswerter Modernisierungsschub in den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts – ein Modernisierungsschub, der sowohl die Lehrfächer und Lehrinhalte als auch die Organisation von Wissenschaft in Form gelehrter Gesellschaften und Zeitschriften und nicht zuletzt den einsetzenden Funktionswandel der Philosophischen Fakultät betraf.
Die auf den Beständen der Herzog August Bibliothek und des Staatsarchivs Wolfenbüttel basierende Studie untersucht dabei insbesondere die Laufbahnen des Lehrpersonals, die inhaltliche, institutionelle und methodische Seite des Lehrbetriebs, das Selbstverständnis der Fakultät sowie das spezifische Profil des dort vermittelten Wissens und fragt außerdem nach deren Rolle und Bedeutung in der Frühaufklärung.

 

 

WF 131: Die Aufklärung in Russland im 18. Jahrhundert

Die Aufklärung in Russland im 18. Jahrhundert

von Michael Schippan

Wolfenbütteler Forschungen Bd. 131.
2012. 494 S. mit 4 s/w-Abb.
ISBN: 978-3-447-06626-6. € 88,– online bestellen

Im Mittelpunkt dieser ersten umfassenden deutschsprachigen Darstellung steht die Aufklärung (prosveš?enie) im Russischen Zarenreich, das vor allem seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhundert in die europäische Emanzipationsbewegung des „Siècle des Lumières“ einbezogen wurde. Durch Übersetzung und Spracherwerb hat man sich in Russland das Gedankengut des „lateinischen Europa“ angeeignet und entsprechend den Bedürfnissen des euro-asiatischen Landes umgeformt. Unter prosveš?enie verstanden die Zeitgenossen sowohl „Bildung“, „Wissenserwerb“ und „Zivilisation“, „Europäisierung“ und „Verwestlichung“, Übung der Verstandeskräfte und menschliche Selbstvervollkommnung als auch die Teilhabe an der europäischen Geistesbewegung im Jahrhundert der Aufklärung.
Zwei herausragende Herrscher gaben entscheidende Anstöße: Zar Peter I., der nach 1700 vor allem aus militärischen Bedürfnissen heraus umfassende Reformen einleitete, und Katharina II., die zum inneren Zirkel der aufgeklärten europäischen Monarchen gezählt wurde. Aus institutions- und personengeschichtlicher Perspektive wird untersucht, welche neuen weltlichen Bildungs- und Wissenschaftseinrichtungen in Russland geschaffen wurden und wie zunehmend private Vereinigungen gebildeter Adliger und Vertreter anderer Stände entstanden. Die wichtigsten Zentren der Aufklärung im Zarenreich waren die beiden „Hauptstädte“, das 1703 gegründete „Palmyra des Nordens“, St. Petersburg, sowie das im Landeszentrum gelegene Moskau mit seiner 1755 geschaffenen Universität. Doch auch in einigen Gouvernementszentren Zentralrusslands (Tver’, Jaroslavl’, Tula, Kaluga, Tambov, Nižnij Novgorod) sowie in Sibirien begründeten gebildete Städter ein reges kulturelles und geistiges Leben. Einige zentrale Debatten der Aufklärung in Russland werden in der Arbeit in ihrer Wechselwirkung mit den Diskursen der europäischen „République des lettres“ beleuchtet, wie beispielsweise die Diskussionen über Russland und Asien, Krieg und Frieden, ökonomische Landeserschließung und Aufhebung der Leibeigenschaft, Theologie und Religion sowie die Geschichtsschreibung.

 

 

WF 130: Motivationen für das Selbst

Motivationen für das Selbst
Kant und Spinoza im Vergleich

herausgegeben von Anne Tilkorn

Wolfenbütteler Forschungen Bd. 130.
2012. 158 S.
ISBN: 978-3-447-06625-9. € 52,– online bestellen

Die Beiträge des vorliegenden Bandes beschäftigen sich mit den verborgenen Gemeinsamkeiten Spinozas und Kants in ihren Letztbegründungen für moralisches Handeln. Im Mittelpunkt stehen die Begriffe der Selbstreferenz und Freiheit. So ist es bei Spinoza die Substanz, die sich selbst, nicht ein Anderes, ausdrückt. Das heißt, die Gegenstände in der Welt sind als ausgedehnte Gegenstände Ausdruck der Ausdehnung und ihre Ausgedehntheit ist dabei vollständig, total, so dass eine Stecknadel genauso wie ein Hochhaus ein räumlicher Gegenstand ist. Für Kant sind es wiederum wir selbst, die die Form der Anschauung setzen, auch hier ist diese nichts uns Fremdes, Vorausgesetztes, sondern eine Präsentationsform, die jeweils in ihrer Ganzheit da ist. Weder bei Spinoza noch bei Kant gibt es noch ein Äußeres, ein Nicht-Präsentiertes oder ein dem Denken Vorgegebenes: „Sein ist Verstandensein“. Den Folgen dieser Grundannahme einer „Ent-Aristotelisierung“ geht dieses Buch nun auf dem Gebiet der Motivationstheorien, also der praktischen Philosphie nach. Dass zum Handeln auch eine Motivation gehört, ist für beide Denker klar.
Spinoza wie Kant wussten um die Relevanz des Gefühls – nicht als Fundament einer Moral, aber als notwendigem Beweggrund für den Vollzug des moralischen Tuns. Und sie haben des Öfteren dieselbe Einschätzung hinsichtlich des Stellenwerts bestimmter Gefühle: So sehen sie beide im Mitleid eine Schwäche und keine Tugend. Von beiden ist der Ausspruch „Die Tugend ist ihr eigener Lohn“ bekannt. Doch wo begegnen sich ihre Theoriestrukturen? Dass es trotz der auf den ersten Blick so großen Differenzen – Spinozas Determinismus vs. Kants freier Wille und Spinozas Ansatz einer Einheit von Theorie und Praxis vs. Kants strikte Unterscheidung zwischen theoretischer und praktischer Vernunft – sehr viele kongruente Linien in ihren Argumenten gibt, stellt dieser Band heraus.

 

 

WF 129: Leibniz als Sammler und Herausgeber
historischer Quellen

Leibniz als Sammler und Herausgeber historischer Quellen

herausgegeben von Nora Gädeke

Wolfenbütteler Forschungen Bd. 129.
2012. 260 S. mit 2 Farb- und 7 s/w-Abb.
ISBN: 978-3-447-06624-2. € 69,– online bestellen

Der Universalgelehrte Leibniz war dienstlich am hannoverschen Hofe vorrangig mit Aufgaben aus dem Bereich der Historie betraut, insbesondere mit einer welfischen Hausgeschichte auf der Basis der sich entwickelnden Quellenkritik. Leibniz propagierte nicht nur kritische Quellenorientierung historischen Arbeitens, sondern trug mit umfangreichen Quellenpublikationen auch selbst dazu bei. Anders als mit der (postum veröffentlichten) Hausgeschichte war er mit seinen Editionen bereits zu Lebzeiten als Historiker in der Gelehrtenrepublik präsent. Dies spiegelt sich im Einsatz seines ausgedehnten Korrespondentennetzes zur Quellensuche wie in der Rezeption seiner Quellenwerke. Sie sind Teil der Frühgeschichte einer kritischen Geschichtswissenschaft; als (in einigen Teilen bis heute unersetzte) Editionen auch zentraler Quellen zur mittelalterlichen Geschichte (darunter manche editio princeps) gehören sie insbesondere zur Vorgeschichte der Mediävistik.

Mediävisten und Leibnizforscher fanden sich im Oktober 2007 in der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel zu einem Arbeitsgespräch über dieses Thema zusammen, dessen Beiträge im vorliegenden Band veröffentlicht werden. Unter Konzentration auf eine hilfswissenschaftliche Perspektive stehen Quellenbegriff und -einsatz, Quellensammlung und -präsentation, die Kollektaneen im zeitgenössischen gelehrten Austausch und im höfischen Kontext sowie die Rezeption im Mittelpunkt. Neben der Veröffentlichung bislang unbekannten Aktenmaterials ist das Hauptergebnis die Feststellung mehrfacher Parallelen zwischen Leibniz’ Quellenbegriff und dem des 20./21. Jahrhunderts, der sich gerade in der Einbeziehung von erst in den letzten Jahrzehnten ‚entdeckten‘ Quellengattungen zeigt. In der Zeit der sich institutionalisierenden Mediävistik (über das 19. Jahrhundert hinweg) geriet das Schaffen des Historikers Leibniz so weit in Vergessenheit, dass seine Ergebnisse zum Teil neu erarbeitet wurden.

 

 

WF 128: Quellen zur frühneuzeitlichen Universitätsgeschichte

Quellen zur frühneuzeitlichen Universitätsgeschichte
Typen, Bestände, Forschungsperspektiven

herausgegeben von Ulrich Rasche

Wolfenbütteler Forschungen 128.
2011. 528 S. mit 86 s/w-Abb.
ISBN: 978-3-447-06604-4. € 98,– online bestellen

Dieser Band ist der Versuch einer komplementär angelegten Quellenkunde aus dem Blickwinkel moderner universitätsgeschichtlicher Forschung für die frühneuzeitliche Periode der deutschen Universitätsgeschichte. Seine 16 Beiträge sammeln, sichten, ordnen und typologisieren auf drei verschiedenen Ebenen zentrale Quellen im Kontext der zeitgenössischen sozialen, institutionellen, kulturellen und gelehrten Praktiken und bilanzieren Erschließungs- und Editionsstand. Sie fragen zugleich nach Perspektiven für die frühneuzeitliche Universitätsgeschichtsforschung, die nach der Entzauberung des Humboldtmythos im besonderen Fokus der allgemeinen deutschen Universitätsgeschichtsforschung steht. Der Band soll allen, die sich gegenwärtig und künftig mit den Universitäten und deren Beitrag zur Gesellschaft und zur Kultur des Wissens in der Frühen Neuzeit befassen, grundlegende Orientierung bieten. Wünschenswert wäre, dass auch die allgemeine Frühneuzeitforschung die ungemein reichhaltige Überlieferung der Universitäten entdeckt, sie mit ihren modernen Methoden und Fragestellungen durchdringt und damit der frühneuzeitlichen Universitätsgeschichtsforschung kräftige Impulse verleiht. Umgekehrt sollte sich auch die frühneuzeitliche Universitätsgeschichtsforschung noch mehr den Themen der allgemeinen Geschichtswissenschaft öffnen. In der gegenseitigen interdisziplinären Befruchtung liegt eine Herausforderung und Chance zugleich, zumal in der exponierten Situation, in der sich die Forschung zur frühneuzeitlichen Universitätsgeschichte gegenwärtig befindet.

 

 

WF 127: Begriffs-, Ideen- und Problemgeschichte
im 21. Jahrhundert

Begriffs-, Ideen- und Problemgeschichte
im 21. Jahrhundert

herausgegeben von Riccardo Pozzo und Marco Sgarbi

Wolfenbütteler Forschungen 127.
2011. 204 S.
ISBN: 978-3-447-06512-2. € 59,– online bestellen

Das Ziel der Begriffsgeschichte ist es, eine kritische und möglichst vollständige Übersicht über den Bedeutungswandel von Begriffen durch die Jahrzehnte zu geben, so Gustav Teichmüller in der Vorrede zu seinen „Studien zur Geschichte der Begriffe“ (1874). Ein solches Unterfangen bringt Überlappungen mit der Terminologiegeschichte, der Wortgeschichte, der Problemgeschichte, der Ideengeschichte und der Sachgeschichte mit sich, denn alle diese Disziplinen untersuchen letztlich den philosophischen Diskurs und seine Wandlungen in der Zeit. Erst die Verdeutlichung ihrer geschichtlichen Wirksamkeit macht Begriffe für die philosophische Reflexion brauchbar und schafft den ausreichend begründeten Rückhalt für ihre stringente Anwendung. Die Basis dafür bietet der lexikographische Ansatz des „Lessico Intellettuale Europeo“, das heute das größte Repositorium von lemmatisierten Texten der Philosophie- und Wissenschaftsgeschichte ist.
Der vorliegende Band gliedert sich in drei Teile, die sich mit den neuen Entwicklungen in der Methodologie der Geschichte der Philosophie im 21. Jahrhundert befassen. Der erste Teil thematisiert die methodischen Aspekte von Begriffs-, Problem- und Ideengeschichte. Der zweite Teil zeigt die Anwendung dieser Methoden auf die neuen Informationstechnologien. Der dritte und letzte Teil enthält einige Beispiele, durch die die Notwendigkeit der Verschränkung zwischen Begriffs-, Problem- und Ideengeschichte deutlich wird.

 

 

WF 126: Sammeln, Lesen, Übersetzen als höfische Praxis
der Frühen Neuzeit

Sammeln, Lesen, Übersetzen als höfische Praxis der Frühen Neuzeit
Die böhmische Bibliothek der Fürsten Eggenberg im Kontext der Fürsten- und Fürstinnenbibliotheken der Zeit

herausgegeben von Jill Bepler und Helga Meise

Wolfenbütteler Forschungen 126.
2010. 412 S. mit 66 s/w-Abb. und 6 Farbabb.
ISBN: 978-3-447-06399-9. € 89,– online bestellen

Der Band stellt eine der in jüngster Zeit erschlossenen Adelsbibliotheken der Habsburgermonarchie vor, die Bibliothek der Fürsten Eggenberg in ?eský Krumlov/ Böhmisch Krumau. Das Schloss der Fürsten Rosenberg, Eggenberg und Schwarzenberg ist heute vor allem wegen seiner architektonischen Pracht und seines vollständig erhaltenen barocken Theatersaals bekannt. Es beherbergt aber auch einen bedeutenden Teil der ehemaligen fürstlichen Büchersammlungen. Die hier publizierten Tagungsbeiträge markieren den Abschluss einer von der Dorothee Wilms-Stiftung geförderten Zusammenarbeit zwischen der Herzog August Bibliothek und Buchwissenschaftlern in ?eské Bud?jovice/ Budweis und Prag. Sie erkunden die Bestände und die Sammlungsgeschichte der Eggenberger Fürstenbibliothek im Kontext der politischen und konfessionellen Geschichte der Adelslandschaft der böhmischen Länder vom 16. bis zum frühen 18. Jahrhundert. Die Beiträge zeichnen die Profile von Sammlern und Lesern nach und ziehen Vergleiche zu anderen Adels- und Hofbibliotheken.
Von besonderer Bedeutung für den Aufbau und den Erhalt der Bibliothek waren die Fürstinnen. Sie engagierten sich nicht nur in Böhmisch Krumau und in anderen Adelsgeschlechtern der Habsburgermonarchie für das Buch und den Umgang mit ihm, sondern auch in den Territorien des Heiligen Römischen Reiches. An Einzelfällen untersucht der Band den Umgang der Fürstinnen mit dem Buch, deren Tätigkeit als Übersetzerinnen sowie den Aufbau und das Schicksal ihrer Sammlungen. Die wichtigsten Quellen bilden weitgehend unbekannte Nachlassinventare und Verzeichnisse, die hier ausgewertet werden. Die Vielfalt der kulturellen Tätigkeiten, die sichtbar wird, liefert so eine erste Kartierung der adeligen Bibliothekslandschaft in den deutschsprachigen Ländern der Frühen Neuzeit, die der Perspektive und den kulturellen Praktiken der Fürstinnen Rechnung trägt.

 

 

WF 125: Kritik in der Frühen Neuzeit

Kritik in der Frühen Neuzeit
Intellektuelle avant la lettre

herausgegeben von Rainer Bayreuther, Meinrad von Engelberg, Sina Rauschenbach und Isabella von Treskow

Wolfenbütteler Forschungen 125.
2011. 404 S. mit 17 s/w-Abb.
ISBN: 978-3-447-06296-1. € 89,– online bestellen

Kann der moderne Begriff des Intellektuellen für die Frühe Neuzeit fruchtbar gemacht werden? Ist er genuin mit Aufklärung und Moderne verbunden, oder kann er auch für die Frühe Neuzeit eine Dimension von Kritik durchsichtig machen, die über den typischen Diskurs von Gelehrten, Geistlichen oder Standespersonen hinaus ins Politische und Soziale reicht?
In dreizehn Fallstudien aus verschiedenen geistes- und kulturwissenschaftlichen Disziplinen werden Bedingungen und Elemente intellektuellen Handelns herausgearbeitet, Persönlichkeits- und Rollenmuster werden ebenso in die Analyse einbezogen wie die Struktur der jeweiligen Öffentlichkeit, die Medien und die Entwicklung einzelner Debatten. Der Bogen spannt sich räumlich von Spanien bis in den Ostseeraum, zeitlich vom 14. bis zum frühen 19. Jahrhundert. Neben den Höfen und anderen Zentren der Politik werden verschiedene Milieus, soziale Gruppen und Berufsfelder berührt, so etwa die der Mediziner und Naturwissenschaftler. Ein kardinales Thema bilden dabei die Medien intellektueller Kritik: Intellektuelle bedienen sich gemeinhin – so die verbreitete Ansicht – des gesprochenen oder des geschriebenen Wortes, dies in Sachtexten, z. B. Traktaten, Flugschriften oder Abhandlungen. Wie die Untersuchungen jedoch zeigen, haben fiktionale Texte, Werke der Musik oder Bildkunst und auch der Naturwissenschaften ein vergleichbares intellektuelles Potenzial.
In einer Einleitung und in einem programmatischen Nachwort fassen die Herausgeber die Überlegungen zusammen und skizzieren die Umrisse des frühneuzeitlichen Intellektuellen avant la lettre.

 

 

WF 124: Vorwelten und Vorzeiten

Vorwelten und Vorzeiten
Archäologie als Spiegel historischen Bewußtseins in der Frühen Neuzeit

herausgegeben von Dietrich Hakelberg und Ingo Wiwjorra

Wolfenbütteler Forschungen 124.
2010. 572 S. mit 70 s/w-Abb. und 4 Farbabb.
ISBN: 978-3-447-06295-4. € 89,– online bestellen

Das Ausgraben und Sammeln von Altertümern ist viel älter als die im 19. und 20. Jahrhundert etablierten archäologischen Wissenschaften. Schon in der Frühen Neuzeit haben naturforschende Ärzte und Apotheker, standesbewusste Adelige, aufgeklärte Lehrer und Theologen archäologische Funde entdeckt, gesammelt, beschrieben und publiziert – fernab der antiken Stätten Griechenlands und Italiens, und doch mit der Antike im Blick. Römische Münzen und Inschriftensteine, geheimnisvolle Hünengräber und mittelalterliche Grablegen, rätselhafte Donnerkeile und heidnische Urnen, aber auch versteinerte Pflanzen und Tiere machten Geschichte greifbar und ergänzten die Schriftüberlieferung. Motivierend für diese Forschungen waren elementare Fragen nach Schöpfung und Alter der Welt, nach der Herkunft von Region und Herrschaft oder von Städten und Völkern. Heidnische Götzen und schaurige Bestattungsrituale erinnerten an die eigene Sterblichkeit und faszinierten die frommen Gelehrten. Ihre Erklärungsversuche archäologischer Funde und Befunde erweisen sich als Wechselspiel zwischen populären und gelehrten Deutungen. Archäologische Entdeckungen erregten schon in der Frühen Neuzeit Aufsehen und fanden ihren Platz in der Erinnerungskultur.
Der Band dokumentiert das vom 20. bis 23. November 2007 an der Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel durchgeführte Arbeitsgespräch „Vorwelten und Vorzeiten – Archäologie als Spiegel historischen Bewußtseins in der Frühen Neuzeit“. 24 Autorinnen und Autoren eröffnen interdisziplinäre Forschungsperspektiven zur Geschichte der Archäologie im kultur- und ideengeschichtlichen Kontext.

 

 

WF 122: Die innerchristlichen Religionsgespräche im
Abendland

Die innerchristlichen Religionsgespräche
im Abendland

Regionale Verbreitung, institutionelle Gestalt, theologische Themen, kirchenpolitische Funktion.
Mit besonderer Berücksichtigung des konfessionellen Zeitalters (1517–1689)

von Otto Scheib

Wolfenbütteler Forschungen 122.
2009. 3 Bde., broschiert, im Schuber, 1006 S.,
20 Abb.
ISBN: 978-3-447-06133-9. € 198,– online bestellen

„Religionsgespräche“ gehören zur lebendigen Auseinandersetzung, Begegnung und Konkurrenz zwischen den Religionen und deren Konfessionen. Für den innerchristlichen Bereich und besonders für das Abendland bietet die vorliegende Studie erstmals einen Überblick über ihre Geschichte von der Antike bis zur Französischen Revolution und gibt Auskunft über Verbreitung, institutionelle Gestalt, Organisation, Verlauf, Funktion und Problematik dieser Alternative zum Konzil. Behandelt sind nicht nur die bekannten offiziellen, sondern auch die privaten Gespräche mit ihren Zielen, Themen, Diskussionsweisen, Teilnehmern, Organisationsweisen, Örtlichkeiten, Verlauf und Ergebnissen. Quellen und Sekundärliteratur werden in den Anmerkungen jeweils kurz angegeben und in der umfangreichen Bibliographie mit vollem Titel aufgeführt. Exemplarische zeitgenössische Abbildungen (mit dem Nachweis ihrer Herkunft) ergänzen die Ausführungen. Ausführliche Register erleichtern die rasche Orientierung in dem umfangreichen Material. Der Forschungsbericht am Anfang und die Zusammenfassung und Auswertung am Schluss formulieren Ergebnisse und weitere Forschungsaufgaben. Das Werk ist besonders geeignet für Theologen, Religionswissenschaftler und Historiker. Den Ökumenikern belegt es, dass die Diskussion über die unterschiedlichen theologischen Prinzipien der christlichen Konfessionen für den weiteren Fortschritt in der Ökumene notwendig und unausweichlich ist, da die bisherigen Differenzen so gut wie alle Klärungs- und Unionsversuche haben scheitern lassen.