Wissensmarketing der Frühen Neuzeit. Joseph Furttenbach (1591–1667) und die Vermarktung von technischem Wissen

Matthäus Rembold nach Johann Jacob Campanus d. Ä.:
Joseph Furttenbach d. Ä., Kupferstich, 1649. HAB: Portr. II 1803.

Der Ulmer Ratsherr, Baumeister, Sammler und Architekturschriftsteller Joseph Furttenbach d. Ä. (1591–1667) ist heute bekannt für seine zahlreichen Schriften, die zu den kanonischen Quellen der deutschsprachigen Architekturtheorie und Baukunst in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts zählen. Als Jüngling hatte Furttenbach rund zehn Jahre in Italien verbracht, um dort auf eine Berufslaufbahn als Kaufmann vorbereitet zu werden. In dieser Zeit erwarb er darüber hinaus bei verschiedenen Lehrern umfängliche Kenntnisse über Architektur und Technik, über die zeitgenössische italienische Theater- und Festkultur sowie über Artilleriewesen und Feuerwerkskunst. Dieses Wissen bildete die Grundlage seiner fast vierzigjährigen Publikationstätigkeit.

Furttenbach versuchte, seinen ‚Wissenschatz‘ ebenso wie seine bald berühmte und vielbesuchte Sammlung von Architekturmodellen als kulturelles und soziales Kapital nutzbar zu machen. Einerseits gelang es ihm auf diese Weise das Amt des zweiten Stadtbaumeisters zu erhalten, bevor er – wie dies eigentlich üblich war – zum Ratsherrn gewählt wurde. Andererseits war er bis zu seinem Lebensende als Buchhalter in verschiedenen Ulmer Handelshäusern tätig und hatte z. T. mit erheblichen finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Neben dem Teilverkauf seiner Sammlung diente ihm auch der (vermeintliche) exklusive Verkauf von technischen Innovationen in aufwändig gestalteten Handschriften der Finanzierung seines Haushaltes und seiner Buchprojekte.

Das als Fallstudie konzipierte Forschungsvorhaben untersucht Furttenbachs Werk unter der Perspektive des Transfers und der Vermarktung von technischem Wissen in der Frühen Neuzeit. Die verhältnismäßig gute Überlieferungslage erlaubt es, verschiedene Phasen und Praktiken der ‚Übersetzung‘ resp. Anpassung von Wissen an antizipierte Interessen zu analysieren. Im Vergleich von Manuskripten Furttenbachs mit den von ihm publizierten Büchern lassen sich Transformationsprozesse herausarbeiten, die mit Hilfe von Selbstzeugnissen und anderen Quellen kontextualisiert und auf ihre zugrundeliegenden sozialen Konstellationen zurückgeführt werden können. Insbesondere der Briefwechsel Herzog Augusts d. J. aus den Jahren zwischen 1627 und 1664 gibt einen vertieften Einblick in Furttenbachs Strategien, Wissen adressatenspezifisch zu modellieren, zu bewerben und zu verkaufen.

 


Finanzierung: Haushalt
Laufzeit: Januar 2017 – Dezember 2019
Bearbeiter: Dr. Hole Rößler
Tel. 05331-808-202, Fax -277