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Projektinformationen

Umfang und Inhalt der Sammlung

Im Altbestand der Bibliothek sind heute 350 verschiedene Hebraica-Editionen in ca. 400 Exemplaren bekannt (Definition Hebraica / Judaica). Die Drucke sind in hebräischer, aramäischer und jiddischer Sprache verfaßt und stammen größtenteils aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Herausragende Druckorte sind Venedig, Prag, Basel, Amsterdam und Krakau. Unter den besonders seltenen Titeln finden sich mehrere Unikate. Bibeleditionen, Bibelkommentare, Rabbinica und Gebetbücher dominieren unter den oft aus fürstlichen Sammlungen stammenden Exemplaren, weshalb die systematische Erschließung der Provenienzen einen wichtigen Beitrag zur Erforschung des christlichen Hebraismus in Deutschland leisten.

Informationen zu den hebräischen Handschriften der Herzog August Bibliothek finden Sie hier.

Publikationen und Ausstellungen

Die hebräischen Drucke der Bibliothek gelangten erstmals Mitte des 19. Jh. zur Kenntnis gelehrter Kreise. Bekannt ist ihre Erwähnung in Leopold Zunz' bibliographischer Sammelschrift Zur Geschichte und Literatur (1845) und Moritz Steinschneiders bahnbrechender Bibliographie Catalogus librorum hebraeorum in Bibliotheca Bodleiana (1852-60) [s.Abb Titelblatt].

Der als Begründer der Wissenschaft des Judentums geltende Zunz absolvierte seine Schulzeit an der Wolfenbütteler Samson-Schule. Zunz dankt im Vorwort zu seiner Bibliographie der in Prag gedruckten Hebraica Rabbiner Dr. Philipp Ehrenberg (1811-1882), dem Direktor der Samson-Schule, für die Überlassung seines Verzeichnis[es] alter hebräischer Drucke von Prag aus der herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel (Zunz, a.a.O., S. 268-270).Vielleicht läßt sich dieses Verzeichnis eines Tages im Zunz-Nachlaß an der Jüdischen National- und Universitätsbibliothek in Jerusalem ermitteln.
Ehrenberg verfaßte 1850 auch ein handschriftliches Verzeichnis der zur rabbinischen Literatur gehörenden Bücher der Herzoglichen Bibliothek Wolfenbüttel, das im Wolfenbütteler Bibliotheksarchiv erhalten ist (Digitales Faksimile von Cod. Guelf. BA I, 497) und für das Projekt ausgewertet wird. Sowohl Ehrenberg, als auch Zunz und Steinschneider nehmen Bezug auf eine ältere Bandnumerierung, deren Herkunft noch nicht ermittelt werden konnte.

Im Jahr 1984 fand an der Herzog August Bibliothek ein Symposium zu den "Wechselbeziehungen zwischen jüdischer und christlicher Kunst im mittelalterlichen Aschkenas" statt, das gemeinsam mit dem Center for Jewish Art an der Hebräischen Universität Jerusalem veranstaltet wurde. Eine Mitarbeiterin des Centers, die israelische Kunsthistorikerin Naomi Feuchtwanger-Sarig, wurde anläßlich der Israel-Wochen des Landes Niedersachsen 1988 mit der Organisation einer Ausstellung ausgewählter hebräischer Druckwerke betreut, zu der ein illustrierter Begleitkatalog erschien.

Im Jahr 2003 präsentierte Dr. Christian Heitzmann eine Auswahl hebräischer Druckwerke in der Bibliotheca Augusta im Rahmen der Ausstellung "Ganze Bücher von Geschichten: Bibeln aus Niedersachsen".

Bibliothekarische Kooperation

Die im Frühjahr 2003 bewilligte Förderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft ermöglicht die formale und analytische Erschließung aller Titel nach Regeln der wissenschaftlichen Altbestandskatalogisierung, sowohl in Transliteration und in originalsprachlich in hebräischen Lettern.
Die im April 2003 begonnene Bearbeitung der Hebraica erfolgt in Zusammenarbeit mit der Bodleian Library, Oxford, die eine der bedeutendesten europäischen Sammlungen vor 1800 gedruckter hebräischer und jiddischer Drucke besitzt. Es konnte ermittelt werden, das 75% der Wolfenbütteler Hebraica in Oxford vorliegen, vielfach in mehreren Exemplaren. Da man in Großbritannien gute Erfahrungen in der originalsprachlichen und transliterierten Titelaufnahme von Hebraica in RLIN, der bibliographischen Datenbank von RLG, gemacht hat, wurde beschlossen, für das Wolfenbütteler Erschließungsprojekt anglo-amerikanische Regelwerke und Normdateien zu benutzen, um die Gelegenheit wahrzunehmen, in Datenbanken vorhandene Titelaufnahmen übernehmen zu können.

Regelwerke

Die Wolfenbütteler Titelaufnahmen werden nicht nach dem deutschen Regelwerk RAK-WB erstellt, sondern nach dem entsprechenden anglo-amerikanischem Regelwerk (AACR2) - in Transliteration und originalsprachlich in hebräischen Lettern. Das Regelwerk hierfür ist Paul Maher, Hebraica Cataloging - a guide to ALA/LC Romanization and descriptive cataloging, 1987. Mahers Veröffentlichung wird ergänzt durch Hebraica-Katalogisierer, die Mitglieder des listserves HEB-NACO sind.
Europäische Bibliotheken werden in Kürze von der Einführung von Unicode profitieren, ein Datenstandard, der die Darstellung originalsprachlich erschlossener Titel ermöglicht (Hebräisch, Kyrillisch, Griechisch, Chinesisch etc.). Somit wird die bisher den internationalen Datenaustausch hemmende Transliterierungsfrage allmählich in den Hintergrund rücken.
Einheitssachtitel werden - aus historischen Gründen - nach Einträgen in der Encyclopedia Judaica vergeben, die eine von ALA/LC abweichende Transliteration hat (Siddur versus Sidur).
Bibliographische Anmerkungen und Schlagworte (LCSH, Thesaurus der Library of Congress) werden in englischer Sprache vergeben. Werke, die vor 1850 erschienen sind, werden nach antiquarischem Standard erschlossen (DCRB, unter Berücksichtigung von Sonderregeln des Oxford Library Systems OLIS). Das bedeutet, daß Hinweise auf einschlägige bibliographische Literatur gegeben werden. Drucker, Korrektoren, Zensoren und Vorbesitzer erhalten Nebeneinträge. In besonderen Fällen werden Signaturen ermittelt. Von der Erschließung der Provenienzen kann man einen interessanten Beitrag zur Geschichte des christlichen Hebraismus in Deutschland erwarten.
Nach Abschluß des Projektes werden Titel- und Namensansetzungen um Einträge nach deutschen Regelwerken und Normdateien (RAK/WB, PND/DDB) ergänzt, um die Kollokation in deutschen Katalogen zu gewährleisten. Die Titelaufnahmen werden sowohl auf einer separaten Webseite, als auch im OPAC der HAB und in regionalen und internationalen Verbundkatalogen zugänglich gemacht (GVK/GBV, HPB/CERL, RLIN/RLG).

Digitalisate

In Anlehnung an die Praxis im VD17 werden von jeder Edition digitale Aufnahmen von sogenannten Schlüsselseiten angefertigt. Als Schlüsselseiten gelten:
Titelseiten (eventuelle Kupfertitel eingeschlossen), Beginn des Hauptteils (= Beginn der ersten Lage, im Ausnahmefall auch Seiten mit Textbeginn), Seiten mit Namen und Personalangaben von Widmungsempfängern, Seiten mit Kolophon und Druckermarken bzw. Druckersignete. Zusätzlich werden Seiten digitalisiert, die für die Erschließung von besonderem Interesse waren.
Reproduktionen aus Wolfenbütteler Hebraica stehen im Internet, identifizierbar nach Signaturenummern, zur Verfügung: http://diglib.hab.de/drucke/keypages/hebraica/start.htm.

Kooperation bei der Hebraica-Erschließung in Deutschland

Das von Heike Troeger und Dr. Hermann Suess betreute und von der DFG geförderten
Erschließungsprojekt der Hebraica der Universitätsbibliothek Rostock verwendet ebenfalls anglo-amerikanische Standards, ergänzt durch Einträge nach deutschen Standards. Die Rostocker und Wolfenbütteler Projekte geben neue Impulse für nationale und internationale Kooperation bei der elektronischen Erschließung von hebräischem Altbestand.
Im Sommer 1997 fand an der Stadt- und Universitätsbibliothek Frankfurt am Main unter Leitung von Frau Dr. Rachel Heuberger erstmals ein Workshop zur praktischen Kooperation bei Hebraica-Erschließung und Transliteration statt, der von Teilnehmern der jährlich tagenden Arbeitsgemeinschaft Jüdische Sammlungen initiiert wurde. Im Juni 2003 veranstaltete die Niedersächsische Landesbibliothek Hannover einen zweiten Workshop zur Hebraica- und Judaicaerschließung, an dem Vertreter der deutschen Judaistik, Hebraisten, Fach-Bibliothekare und Vertreter von Kulturstiftungen (DFG, VGH) teilnahmen. Frau PD Dr. Verena Dohrn, Leiterin des Workshops verfaßte für die ZfBB einen Bericht, der das Rostocker und Wolfenbütteler Projekt näher vorstellt und über die Neubearbeitung der deutschen Hebraica-Transliteration (RAK-WB, DIN 31 636) informiert. (Verena Dohrn, "Virtuelle Fachbibliothek Judaica- und Hebraica: Bibliothekarische Erschließung von gedruckten Judaica- und Hebraica und Hebraica in deutschen Bibliotheken", in Druck).

 


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Zuletzt geändert am 25. November 2004
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